Sprungziele
Inhalt

2.000 Euro für mehr Teilhabe neurodivergenter Menschen

Mit einer Spende in Höhe von 2.000 Euro setzt die Stadt Limburg ein Zeichen für Inklusion und Prävention. Die Mittel aus der Rudi-Wagner-Stiftung fließen in ein Projekt des Vereins Gemeinsam zusammen, das Barrieren abbauen und neurodivergenten (ADHS, Autismus und anderen nicht sichtbaren Behinderungen) Menschen mehr Teilhabe ermöglichen will.

„Ich freue mich, dass wir aus den Stiftungserlösen rund 2.000 Euro übergeben und damit in die Barrierefreiheit unserer Stadt investieren können“, betont Bürgermeister Dr. Marius Hahn. Aufklärungsarbeit müsse früh ansetzen – insbesondere in Kindergärten und Schulen. Hier sieht Hahn auch die Träger in der Verantwortung.

In den kommenden Monaten werden mit der Spende mehrere Maßnahmen umgesetzt: So werden in drei Kindergärten Gebärden-Flipbooks eingeführt, um Kindern frühzeitig alternative Wege der Kommunikation zu eröffnen und Gefühle sowie grundlegende Begriffe auch nonverbal ausdrücken zu können. Parallel dazu entsteht ein Angebot rund um Fidgets (Antistress-Spielzeuge) und weitere Hilfsmittel zur Selbstregulation, damit Kinder in Stresssituationen eigene Strategien entwickeln können. Gemeinsam mit dem Autismus-Verlag wird zudem eine Kommunikationstafel entwickelt, die in akuten Überforderungssituationen Orientierung und Ausdrucksmöglichkeiten bietet.

Ergänzend finden Schulungen für Lehrkräfte statt, um neurodivergente Verhaltensweisen besser einordnen und angemessen begleiten zu können. Darüber hinaus werden eigene Vorträge zum Thema Neurodivergenz in Kindergärten angeboten, um Wissen frühzeitig in die Einrichtungen zu tragen. Monatliche Feedbackgespräche mit Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften sollen den Praxistransfer sichern, Erfahrungen bündeln und die Maßnahmen kontinuierlich weiterentwickeln.

Ziel ist es, Fachpersonal zu sensibilisieren, frühe Anzeichen von Überforderung, sogenannten „Meltdowns“, oder Impulsregulationsstörungen zu erkennen und angemessen zu reagieren. Wutanfälle oder vermeintlich „schlechtes Benehmen“ seien häufig Ausdruck von Hilflosigkeit, berichtet Rebecca Lefèvre, Vertreterin des Vereins „Gemeinsam zusammen“, Sprecherin des Nationalen Suizidpräventionsprogramms und Initiatorin des Vereins Stille Stunde.

Neurodivergente Menschen nehmen Reize, Kommunikation und soziale Situationen anders wahr. In Krisensituationen kann Sprache versagen, Lautstärke und Tonalität wirken dann schnell eskalierend. Gebärdensprache kann hier deeskalierend unterstützen und hilft, Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken, wenn Worte fehlen. Dieses Angebot richtet sich bewusst an alle Kinder, um Ausgrenzung vorzubeugen.

Statistisch ist die Suizidgefahr in dieser Bevölkerungsgruppe deutlich erhöht. Nach Angaben von Lefèvre, liegt die Gefährdung bei neurodivergenten Menschen um ein Vielfaches höher als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Zudem sind sie in allen Lebensbereichen präsent, in Schulklassen ebenso wie im Berufsleben. In einer Gruppe von 30 Kindern seien statistisch drei bis sechs neurodivergent. Viele von ihnen verfügten über besondere Stärken, die, richtig eingesetzt, für Unternehmen eine Bereicherung darstellen können.

Prävention beginne deshalb bereits im Kindergartenalter. „Wir müssen weniger bewerten und mehr verstehen“, so Lefèvre. Neurodivergente Menschen benötigten in Ausnahmesituationen Unterstützung statt Stigmatisierung.

Die Rudi-Wagner-Stiftung wurde 1980 vom damaligen Eschhöfer Bürgermeister Rudi Wagner und seiner Frau Maria gegründet. Seit über vier Jahrzehnten unterstützt sie Kinder und Jugendliche mit Behinderung in Limburg. Zustiftungen und Spenden sind jederzeit willkommen. Ansprechpartner ist Christian Spiegelberg, Amtsleiter für Familie, Soziales und Integration (christian.spiegelberg@stadt.limburg.de).

20.05.2026 

Partner