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Datum: 28.10.2026

Reinigung der Stolpersteine im zweiten Anlauf

Ende September waren Schülerinnen und Schüler von zwei achten Klassen der Leo-Sternberg-Schule in der Limburger Innenstadt unterwegs, um Stolpersteine zu reinigen. Das hat auch gut funktioniert – mit einer Ausnahme. In der Holzheimer Straße brachen die beiden begleitenden Lehrerinnen die Reinigungsarbeiten ab, nachdem ein Anwohner die Schülerinnen und Schüler in barschem Ton aufgefordert hatte, sich aus dem Staub zu machen. Die Reinigung der vier Stolpersteine wurde nun nachgeholt.

Die Schüler Jonas Heinemann, Benedikt Quernheim und Luis Gehring waren schon bei dem ersten Versuch dabei und übernahmen nun auch den zweiten Versuch, der ohne Störungen ablief. Unterstützt wurden die Schüler dabei von Bürgermeister Dr. Marius Hahn und Schulleiter Attilio Forte sowie Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker. „Nun ziehen wir das durch“, hatte der Bürgermeister die Schüler begrüßt, die mit Lappen, Schwämmen und Reinigungsmittel die Spuren des Verwitterungsprozesses auf den Messingtafeln beseitigten. Die Steine glänzen wieder und die biografischen Angaben der Opfer sind somit gut zu lesen.

134 Stolpersteine in Limburg und den Stadtteilen

Das ist eine wichtige Voraussetzung, um an die Menschen zu erinnern, die Opfer der Nazi-Diktatur geworden sind. 134 Stolpersteine sind es bisher, die in Limburg mit seinen Stadtteilen an sie erinnern. „Es kann nicht sein, dass die Reinigung der Steine, die sich alle im öffentlichen Verkehrsraum befinden, behindert wird. Wir sind es den Opfern schuldig, ihnen Namen zu geben und an sie zu erinnern. Es waren Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt“, machte der Bürgermeister deutlich.

Von denen, die nach der NS-Zeit geboren wurde, habe niemand Schuld auf sich geladen. Doch auch die heutige Generation oder künftige Generationen könnten Schuld auf sich nehmen, wenn sich solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit wiederholten, stellte Hahn klar. Er bedankte sich ausdrücklich bei den Schülern und ihrem Schulleiter für den zweiten Anlauf der Reinigung in der Holzheimer Straße.

Ein Stein für Hilde Kahn

Die vier Stolpersteine in der Holzheimer Straße erinnern an jüdische Opfer: Fanny Goldberg geborene Leibowitz, die am 23. September 1942  in Treblinka ermordet wurde; Albert David Kahn, der vermutlich Opfer einer Gestapo-Aktion in Belgien wurde, Jenny Kahn geborene Löwenstein, die im März 1942 in das Ghetto Piaski in Polen deportiert und dort vermutlich wenige Tage nach ihrer Ankunft ermordet wurde. Als letzter Stein kam der hinzu, der an Hilde Kahn, Tochter von Albert und Jenny Kahn, erinnert. Ihre Eltern schickten sie 1939 zu Verwandten nach Großbritannien, wo sie in Sicherheit war. Der an sie erinnernde Stolperstein wurde in Anwesenheit ihrer Tochter Annette Barrett und weiterer Angehöriger im vergangenen Jahr verlegt.

Bisher erinnern in Limburg 134 verlegte Stolpersteine an Opfer des Nazi-Regimes. In der Mehrzahl handelt es sich um jüdische Frauen, Männer, Kinder, sie erinnern jedoch auch an Opfer der sogenannten Euthanasie, an politische Gegner und andere. Stolpersteine werden am   letzten frei gewählten Wohnsitz des Opfers verlegt.

Vier weitere Steine folgen am 2. November

134 Stolpersteine sind es bisher, am Montag, 2. November, 14 Uhr, kommen zwei weitere in der Innenstadt hinzu. Am Neumarkt 1 (vor dem Eingang von Vohl & Meyer) befinden sich bereits drei Steine in Erinnerung an Moritz und Emmy Löwenberg sowie ihre Tochter Ilse Löwenberg. Nun kommt ein Stolperstein für Kurt Martin Löwenberg hinzu. Er war der Sohn von Moritz und Emmy. Es gelang ihm, 1939 nach Großbritannien zu fliehen. So wird die Familie in Limburg symbolisch wieder vereinigt. Der Frankfurter Journalist Armin Flesch befasst sich intensiv mit der Familie Löwenberg und wird seine Ergebnisse vorstellen.

Der zweite Stolperstein wird für Amalie Lindheimer verlegt. Sie arbeitete als Hausangestellte für die Löwenbergs und begleitete sie auch, als sie Limburg verlassen und nach Frankfurt umziehen mussten. Sie wurde 1942 von Frankfurt nach Theresienstadt deportiert. Wann und wo sie ermordet wurde, ist unbekannt. Die Verlegung wird wieder von Schülern der Leo-Sternberg-Schule begleitet.

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