Erweiterte Stadtlinie Limburg: Deutliches Plus an Fahrgästen
Über 110.000 Fahrgäste nutzen inzwischen jeden Monat die Limburger Stadtlinie. Damit liegt die Nachfrage deutlich über den Erwartungen, die es zum Start der Erweiterung im Juli 2025 gegeben hat. Bis ein neues Angebot im ÖPNV gänzlich angenommen wird, braucht es Jahre. Positiv überrascht sind daher Betriebskommission der Stadtlinie und die Abteilung ÖPNV und Mobilität in der Stadtverwaltung von der Entwicklung. Der aktuelle Stand war teilweise für einen Zeitraum von drei Jahren erwartet worden.
Am 1. Juli 2025 fiel der Startschuss für die erweiterte Stadtlinie. Bis dahin war die Stadtlinie auf die Innenstadt begrenzt, seit dem 1. Juli 2025 werden alle Stadtteile angefahren und mit der Innenstadt verbunden. Damit wurde einem Wunsch aus der Politik – vor allem der Ortsbeiräte – Rechnung getragen, die bereits seit vielen Jahren die Ausweitung der Stadtlinie auf die Stadtteile eingefordert hatten.
Mit elf Linien, einem durchgängigen 30-Minuten-Takt an Werktagen und einer deutlich höheren Verkehrsleistung setzte die Stadt das größte Ausbauprojekt in der Geschichte ihres Stadtbusverkehrs um. Ziel war und ist es, den öffentlichen Nahverkehr als attraktive Alternative zum Auto zu stärken und die Mobilität innerhalb Limburgs nachhaltig zu verbessern. Gerade vor der wieder aufkommenden Diskussion um Luftreinhaltung ist die Ausweitung ein Beitrag der Stadt, alles Mögliche zu tun, um Fahrverbote für PKW zu verhindern.
„Uns war klar, dass wir mit einem vollständig neuen Liniennetz nicht vom ersten Tag an jede Verbindung perfekt treffen würden. Deshalb sind die Rückmeldungen der Nutzerinnen und Nutzer so wichtig. Wir haben zugehört und nachgesteuert, wo Verbesserungen möglich und sinnvoll sind“, sagt der 1. Stadtrat und Betriebsleiter der Stadtlinie, Michael Stanke. Es sind nicht nur neue Linien in die Stadtteile hinzugekommen, die alte Linie 4 wurde zum Beispiel gestrichen, die Linie 6 von der Linie 23 übernommen, es gab neue Haltestellen und Linienverlegungen sowie einige Haltestellen, die auch nicht mehr angefahren wurden.
Dass ein Projekt dieser Größenordnung nicht von Beginn an in allen Bereichen reibungslos funktioniert, war allen Beteiligten bewusst, zumal auch ein Teil der Fahrerinnen und Fahrer neu in der Stadt unterwegs war. Deshalb galt den Rückmeldungen, Beschwerden und Wünschen der Fahrgäste von Beginn an eine besondere Aufmerksamkeit. Und sie haben auch Folgen gehabt: Der Bus fährt wieder über den Grenzweg, am Meilenstein gibt es eine neue Haltestelle ebenso bei der Firma Bördner in Lindenholzhausen oder in der Kapellenstraße in Offheim (für den Regionalverkehr). Der Prozess der ständigen Verbesserung soll fortgesetzt werden.
Belohnt werden Stadtlinie, ÖPNV-Abteilung der Stadtverwaltung sowie das beauftragte Busunternehmen Limbus mit der Entwicklung der Fahrgastzahlen. Nach Einschätzung des Betriebsleiters der Stadtlinie bestätigen sie den eingeschlagenen Weg. Aufgrund des kürzlich installierten Fahrgastzählsystems können die genauen Zahlen nun täglich abgerufen werden, in der Vergangenheit gab es „Zähltage“, an denen die Fahrgäste manuell erfasst wurden.
Insgesamt liegen die Fahrgastzahlen über den ursprünglichen Erwartungen. Bei der Erfassung zeigt sich auch, dass auch die Fahrgastzahlen in der Kernstadt zugenommen haben. An einem Referenztag im Mai 2024 waren 2600 Fahrgäste erfasst worden, in diesem Jahr waren es 4312 Fahrgäste. Die Linie 1 ist mit 19.371 Fahrgästen (Zahlen von Mai 2026) die am stärksten genutzte Linie, auf dem zweiten Platz folgt die Linie 3 (ebenfalls in der Kernstadt unterwegs) mit 16.310 Fahrgästen. Doch dann reihen sich die neuen Linien 25 (Offheim) mit 12.261, die Linien 21/22 (Eschhofen/Lindenholzhausen über das ICE-Gebiet) mit 12.001 und die Linie 20 (Linter) mit 11.867 Fahrgästen ein.
Das neue Angebot wird in den Stadtteilen unterschiedlich stark angenommen, das zeigt vor allem ein Vergleich mit den Fahrgastzahlen aus dem Jahr 2023. Da war die Stadtlinie in den Stadtteilen noch nicht unterwegs, jedoch die Regionalbuslinien. Von diesen stammen die Zahlen für 2023 und sie tragen natürlich auch zum Ergebnis in 2026 bei. In Staffel sind 2026 447 Fahrgäste gezählt worden, in 2023 waren es 160; in Offheim 488/279, in Eschhofen 440/171, in Lindenholzhausen 349/258, in Linter 307/247 sowie in Dietkirchen 229/218. Nur in Ahlbach ist in 2026 die Zahl der Fahrgäste geringer als in 2023: 176/183. Damit haben sich die Fahrgastzahlen von 1516 auf 2998 fast verdoppelt.
„Ein gutes Nahverkehrsangebot ist kein starres System. Es lebt davon, dass wir Erfahrungen aus dem Alltag aufnehmen und unser Angebot kontinuierlich verbessern. Genau diesen Weg werden wir auch künftig gemeinsam mit unseren Fahrgästen gehen“, so Stanke. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Entwicklung sieht er da noch Entwicklungspotential.
Ganz klar: Nach einem Jahr fällt die Bilanz positiv aus: Die erweiterte Stadtlinie hat sich als wichtiger Baustein einer zeitgemäßen Mobilität in Limburg etabliert. Die Erfahrungen aus dem ersten Betriebsjahr bilden zugleich die Grundlage dafür, das Angebot Schritt für Schritt weiter zu optimieren und noch besser an die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger anzupassen. Ziel ist es, innerhalb der kommenden fünf Jahre eine durchschnittliche Auslastung der Busse von 60 bis 70 Prozent zu erreichen.
Je mehr Fahrgäste die Stadtlinie nutzen, desto größer die Entlastung für die Innenstadt durch den motorisierten Individualverkehr und die damit einher gehenden Belastungen. Und je besser die Stadtlinie angenommen wird, desto besser lassen sich auch die damit verbundenen Ausgaben rechtfertigen. „Die Stadtlinie ist eine freiwillige Leistung der Stadt Limburg. Kommunen dieser Größenordnung sind gesetzlich nicht zur Bereitstellung eines eigenen ÖPNV-Angebots verpflichtet. Mit der Erweiterung stärkt die Stadt jedoch bewusst die Mobilität vor Ort“, verdeutlicht Bürgermeister Dr. Marius Hahn als Finanzdezernent der Stadt.
Die Erweiterung der Stadtlinie verursacht über einen Zeitraum von zehn Jahren Kosten in Höhe von rund 54 Millionen Euro. Finanziert wird das Angebot aus Gewinnen der EVL, Fahrgeldeinnahmen sowie Zuschüssen der Stadt. Die Entscheidung für diese Finanzierung wurde von einer breiten Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung getragen.