Der Limburger Dom wird Baustelle
Ab sofort ist der Limburger Dom Baustelle. Am Dienstag, 18. August, beginnen die Gerüstbauarbeiten. Die Sanierung des Daches und der Fassade ist in mehrere Abschnitte aufgeteilt, bis Ende 2030 sollen die Arbeiten beendet sein. Das Kostenvolumen wird mit rund 15 Millionen Euro angegeben.
Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen und das Bistum hatten kurz vor dem Auftakt der Arbeiten am Montag, 17. August, Vertreterinnen und Vertreter der Medien und Anwohnerinnen und Anwohner des Doms und des Transportweges durch die Altstadt zu einem Informationstermin in das Kolpinghaus eingeladen. Die Arbeiten beginnen mit einer Verzögerung von einigen Jahren, sollen nun jedoch zügig durchgeführt werden.
Für die Arbeiten ist das Land aufgrund einer sogenannten Baulastverpflichtung zuständig, der entsprechende Vertrag stammt aus dem Jahr 1963 (eine Baulastenverpflichtung gibt es auch für den Dom in Fulda und für die Elisabethkirche und die Universitätskirche in Marburg). Für die Organisation und Durchführung ist der LBIH zuständig, der sich mit verschiedenen Partnern, Handwerkern, Planungsbüros und Institutionen der Aufgabe annimmt.
Über 10.000 Quadratmeter Fläche
Rund 7000 Quadratmeter Fassadenfläche und rund 3400 Quadratmeter Dachfläche sind zu erneuern. Das Dach mit seinen sieben Türmen und dem 68 Meter hohen Vierungsturms stellen besondere Herausforderungen dar, was sich vor allem auch beim Gerüstbau zeigt, erläuterte Sina Vorbach als zuständige Projektmanagerin des LBIH. Die Baustelle Dom wird dabei in verschiedenen Abschnitten angegangen. Start ist am Hauptportal des Doms. Anschließend geht es über den Vierungsturm zu den Querhäusern, dann zum Langhaus bis zur Ostgruppe. Die entsprechenden Gerüste werden jeweils auch nur für die einzelnen Abschnitte errichtet.
„Es ist ein gutes und wichtiges Zeichen, dass die Restaurierung unseres Limburger Doms nun sichtbar beginnt“, verdeutlichte Generalvikar und Domdekan Dr. Wolfgang Pax im Kolpinghaus. Der Dom sei dabei mehr als ein außergewöhnliches Baudenkmal. Als Bischofskirche des Bistums sei er ein Ort des Glaubens und des Gebets, der seit Jahrhunderten die Stadt und die Menschen, die in Limburg leben und nach Limburg kommen, präge. „Diesen einzigartigen Dom für kommende Generationen zu bewahren, ist eine große gemeinsame Verantwortung“, so der Generalvikar.
Eine Limburger Baustelle
„Wir stellen die notwendigen Mittel bereit, um die Bausubstanz des Limburger Domes langfristig zu erhalten und für die Zukunft zu sichern.“ Darauf machte Tobias Petry als Zentralabteilungsleiter des Hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen aufmerksam. Das Land komme damit seiner staatspolitischen Verantwortung verlässlich nach. Mit der Sanierung investiere das Land nicht nur in den Erhalt eines Kulturdenkmals von höchstem Rang, sondern auch in die Bewahrung eines geistlichen und kulturellen Erbes für die kommenden Generationen.
„Der Dom ist zum Glück keine Baustelle der Stadt, um den Ablauf, das Management und die Finanzierung kümmern sich Land und LBIH. Doch Dom und Stadt sind untrennbar miteinander verbunden und von daher ist es natürlich eine Limburger Baustelle“, stellte Bürgermeister Dr. Marius Hahn fest. „Dom ist home“ machte er deutlich und eine Limburger Baustelle vor allem deshalb, weil der Verkehr hoch zum Dom durch enge Altstadtgassen führt. Diese Belastung hätten vor allem die Anlieger zu tragen, eine Alternative gebe es nicht. Daher sei es wichtig, die negativen Auswirkungen möglichst gering zu halten.
„Zeit zum Handeln“
Die Einteilung in verschiedene Bauabschnitte ermöglicht es nach Angaben von Projektmanagerin Sina Vorbach, die Baustelle sehr gezielt mit Material anzudienen. Das solle mit möglichst wenigen wirklich großen Fahrzeugen geschehen. Der Einsatz von sehr großen Fahrzeugen bleibe die absolute Ausnahme. Doch bei allen Bemühungen um die Einschränkungen von Lärm, Verkehr und mehr, es bleibe eine Baustelle, die entsprechend versorgt werden müsse.
Als Architekt betreut Jürgen Hamm die Fassaden- und Dachsanierung des Doms. Aufgrund von zahlreichen Drohnenaufnahmen konnte er im Kolpinghaus eindrucksvoll den Handlungsbedarf an dem Gebäude, das zum letzten Mal vor rund 50 Jahren umfassend saniert worden war, nachweisen. Außergewöhnlich sei die aktuelle Schadenssituation nicht, denn das Gebäude befinde sich an einem sehr exponierten Standort und sei Wind und Wetter ausgesetzt. „Es ist Zeit zum Handeln“, daran ließ Hamm keinen Zweifel.
Vorschläge der Anlieger
Seit rund zwei Jahren befinden sich Netze am Hauptportal des Doms, die für reichlich Diskussionen in Limburg gesorgt haben. Bürgermeister Hahn regte deshalb nochmals an, Netze zu nehmen, auf denen das verhängte Bauwerk aufgedruckt ist. Nach Angaben von Sina Vorbach werden die aktuell hängenden Netze abgenommen, die künftigen Gerüste werden von der Farbgebung möglichst neutrale Netze erhalten. Die Verwendung von bedruckten Netzen sei nicht möglich, da es dadurch zu einer veränderten Farbwahrnehmung komme. Und das müsse bei den restauratorischen Arbeiten mit dem eindringlichen Rotton des Doms verhindert werden.
In der abschließenden Fragerunde machten Anlieger und Anwohner auf verschiedene Probleme aufmerksam, die durch den Baustellenverkehr hervorgerufen würden. Deshalb solle es vor einigen Abschnitten ein absolutes Haltverbot geben, der Mühlberg solle zur Befahrung freigegeben werden und für die Nonnenmauer wurde eine Ampelregelung vorgeschlagen. Das Ordnungsamt der Stadt wird die Vorschläge hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit prüfen.