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Umweltfreundliche Mobilität zwischen Diez und Limburg fördern

Die Stadt- und Landesgrenzen zwischen Diez und Limburg sind unsichtbar, lediglich die Ortseingangsschilder weisen auf Grenzen hin, die Bebauung geht an vielen Stellen schon fließend ineinander über. Und dennoch gibt es Grenzen, die schier unüberwindlich erscheinen. Dabei geht es zum Beispiel um Tarifgrenzen im öffentlichen Personennahverkehr.

Die sind nicht nur ärgerlich, sondern sind ein Hemmnis. Das durchaus bestehende ÖPNV-Angebot zwischen den beiden Städten mit Zügen und Bussen bietet quasi alle 15 Minuten eine Verbindung an (in den Tageskernzeiten), aber es gibt mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund auf hessischer Seite und dem Verkehrsverbund Rhein-Mosel auf rheinland-pfälzischer Seite zwei Verbünde. Eine Fahrt mit dem Bus von Diez nach Limburg oder umgekehrt bedeutet immer zwei Fahrscheine, das trifft natürlich auch auf Zeitkarten zu und die Nutzung eines Job-Tickets endet stets an der Grenze des Verkehrsverbunds, also an der Grenze zwischen Diez und Limburg.

Das Problem ist schon seit Jahren bekannt, spürbar getan hat sich bisher noch nichts. „Das kann so nicht bleiben“, sind sich der Limburger Bürgermeister Dr. Marius Hahn und die Diezer Stadtbürgermeisterin Annette Wick einig. Sie trafen sich im Limburger Stadthaus pandemiebedingt mit viel Abstand, um den Abstand zwischen den Städten im Bereich Mobilität zu reduzieren. Gemeinsames Ziel müsse es sein, zwischen den beiden Städten oder noch besser zwischen den beiden Landkreisen Limburg-Weilburg und Rhein-Lahn einen Übergangstarif zu schaffen. Vorbild ist dabei die Regelung zwischen Mainz und Wiesbaden, beide Landeshauptstädte zählen jeweils zum Tarifgebiet der Nachbarstadt.

Hoffnung auf die Aartalbahn

Annette Wick und Marius Hahn unterstützen dabei die Initiative auf Ebene der beiden Landkreise sowie des Rheingau-Taunus-Kreises, die in Verhandlungen mit den beiden Verkehrsverbünden stehen, um Verbesserungen in den Grenzregionen der drei Landkreise zu erreichen. Bürgermeisterin und Bürgermeister möchten dabei nicht nur die Verbindung über die Aartal-Linie in den Blick nehmen, sondern alle bestehenden Angebote zwischen den beiden Städten. „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, den Kfz-Verkehr zwischen Diez und Limburg zu reduzieren“, sind sich Wick und Hahn einig.

Die drei Landräte warten zudem auf eine Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Aartalbahn, die durch die beiden Landesregierungen in Mainz und Wiesbaden sowie die beiden Verkehrsverbünde in Auftrag gegeben worden ist. Annette Wick und Marius Hahn erhoffen sich von einer wieder in Betrieb gehenden Bahn spürbare Entlastungseffekte auf der Straße, sofern die Züge nicht in Diez enden, sondern bis nach Limburg fahren und dort auch starten. Entlastungseffekte seien auch im Bereich des Schwerverkehrs möglich, wenn die Strecke auch für den Güterverkehr genutzt werden könnte. Bei den Prüfungen in der Vergangenheit ging es jedoch vor allem um die Nutzung für den Personenverkehr.

Städteübergreifender Verkehr

Mit dem Masterplan Mobilität und seiner Umsetzung soll in Limburg auf lange Sicht die Verkehrswende gelingen. Da dies nur gelingen kann, wenn die Verkehrsbeziehungen zu den Nachbarn berücksichtigt werden, sind in den Masterplan auch diese Verkehrsstränge mit untersucht worden. Danach gibt es aus Diez rund 1000 Einpendler pro Tag nach Limburg, in die entgegengesetzte Richtung sind es 500. „Das sind natürlich Situationen, die es mit zu denken gilt“, sagt Annette Wick, die die Feststellungen und Ergebnisse aus dem Limburger Masterplan Mobilität in den von ihr angestrebten Stadtentwicklungsplan für Diez einfließen lassen möchte.

Wie die Diezer Stadtbürgermeisterin ihrem Limburger Kollegen berichtete, ist sie mit ihrem Vorhaben eines Stadtentwicklungsplans in der Bürgerschaft auf reichlich Resonanz gestoßen. Bis zum Ende des vergangenen Jahres konnten Vorschläge eingebracht werden. „Dabei gingen auch zahlreiche Ideen zum Komplex Mobilität ein, ganz besonders bei dem Thema Radwege und der Verbindung zu Limburg“, so Annette Wick. Da gibt es auch nach Einschätzung von Bürgermeister Hahn einiges zu verbessern. Deshalb sei die Stadt dabei, ein Radwegekonzept erstellen zu lassen, wobei ganz bewusst auch der externe Blick und Sachverstand gesucht werde. Und das Konzept soll ausdrücklich die Verbindungen zwischen Diez, Limburg-Innenstadt und ICE-Bahnhof Limburg-Süd mit aufnehmen.

Weitere Überlegungen

Grenzüberschreitende Effekte, so eine Überlegung während des Austauschs, ließen sich zum Beispiel auch erreichen, wenn das in Limburg praktizierte E-Carsharing in Limburg die Stadtgrenze in Richtung Diez überschreiten könnte. Dass die Autos ohne Probleme die Grenze überwinden, steht außer Frage, es geht dabei darum, ob das E-Carsharing-Angebot auch in Diez mit Ladesäulen sowie Abstellorte und damit als Standort möglich ist. In Limburg betreibt die Energieversorgung der Stadt das Angebot.

„Es muss auch im Interesse der Diezer sein, das Verkehrsverhalten zu ändern und die Belastung in ihrer Nachbarstadt zu reduzieren“, macht Hahn deutlich. Werde für Limburg aufgrund der Überschreitung der Grenzwerte für Stickoxid und der damit verbundenen Klage der Deutschen Umwelthilfe vom Verwaltungsgerichtshof in Kassel ein Dieselfahrverbot ausgesprochen, dann treffe dies natürlich auch Bürgerinnen und Bürger, Gewerbetreibende und Unternehmen aus der Nachbarstadt Diez.  

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