Archivalie der Woche 335 - Unterstützung von Handel, Gewerbe, Industrie und Handwerk
Im ersten Schriftstück der umfangreichen Akte (Signatur: StALM II/4575) werden gleich die „schweren Geschütze“ aufgefahren: Die Handwerkskammer Wiesbaden beschwert sich in einem Schreiben an den Limburger Magistrat vom 12. März 1924 über den Schlosser Fritz Noll aus Staffel, der, obwohl bei Firma Blumenthal beschäftigt, in seiner Freizeit auf eigene Faust arbeite, ohne einen Betrieb angemeldet zu haben. „Da das Handwerk an und für sich durch derartige Schmutzkonkurrenz geschädigt ist, so muss alles aufgeboten werden, um diesen Krebsschaden am Handwerk zu beseitigen.“ An den Staffeler Bürgermeister wende man sich nicht, da er der Bruder des Schlossers sei und eine Beschwerde zum Nachteil für die ordnungsgemäß angemeldeten Betriebe ausgelegt werden könne.
Zu finden ist in der Akte auch eine Resolution der Innungen im Kreis Limburg von Januar 1926 gegen das Gesetz zum Preisabbau, mit dem Preisvereinbarungen der Handwerksbetriebe untereinander untersagt werden sollten. Die Handwerker wehrten sich damit, „mit dem Makel der Teuerung belastet zu werden.“
Vom 13. bis 21. Oktober 1928 fand in der Turnhalle (Marktstraße, heute Ste.-Foy-Straße) eine Handwerks- und Gewerbeschau statt. Die Einladung zur Eröffnungsfeier, die vermutlich Bürgermeister Dr. Markus Krüsmann erhalten hatte, befindet sich in der Akte (s. Foto).
Die Akte enthält zahlreiche Schriftstücke aus der Zeit des Nationalsozialismus, etwa ein Schreiben der Preussischen Industrie- und Handelskammer für das Rhein-Mainische Wirtschaftsgebiet, Bezirksstelle Limburg, an den Reichswirtschaftsminister vom 17. Oktober 1933, im dem die Verwendung von heimischem Marmor gefordert wird anstelle von importieerten. Es schließen sich mehrere Schreiben zur Arbeitsbeschaffung in der Marmorindustrie an.
Im November 1934 schreiben mehrere Geschäftsleute an den Limburger Bürgermeister Willi Hollenders und fordern eine Belebung der Altstadt. Als Maßnahmen schlagen sie u.a. Plakate mit der Aufschrift „Besucht die Altstadt“, Illumination durch die Anlieger, eine verbesserte Straßenbeleuchtung und einen Polizeidiener in altnassauischer Uniform als Werbeträger vor.
Während des Krieges bat der Bürgermeister in einen Brief an einen Kommandeur, den Gemüsehändler Peter Jakob Bill für längere Zeit vom Militärdienst zu beurlauben, um sein Geschäft führen zu können. „Durch eine weitere Verminderung der jetzt hier noch vorhandenen 4 Geschäfte würde die Gemüsebelieferung der hiesigen Bevölkerung, die seither schon recht spärlich war, vollkommen unzureichend werden.“
Eine Reihe Schreiben drehen sich um den Verkauf des „Preussischen Hofes“ (heute: Domhotel) und um das Gesuch eines Flörsheimer Fischhändlers, in Limburg einen Betrieb eröffnen zu dürfen (was abgelehnt wurde).
Aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg finden sich Schreiben zur Wiedereröffnung von Betrieben, wobei gerne darauf hingewiesen wurde, dass man nicht Mitglied der NSDAP gewesen war, die Einsetzung von Treuhändern oder die Freigabe von requiriertem Material. 1949 wurde die Akte geschlossen.
21.12.2025