Archivalie der Woche 330 - Freundebuch 1882
Ein Freundebuch ist seit langem vor allem bei Kindern sehr beliebt. Es ist aber keineswegs eine Erscheinung der jüngsten Zeit. Auch im 19. Jahrhundert gab es so etwas bereits. Ein Exemplar befindet sich im Nachlass Theodor Bogner, den das Stadtarchiv vor wenigen Wochen erhielt.
Unter dem Titel „Erkenne Dich selbst. Album zur Characteristik der Freunde u. Freundinnen“ wurde es mit aufwändiger Goldprägung auf dem Einband vertrieben. Es war aber nicht für Kinder gedacht, sondern für Erwachsene. Vier Personen trugen 1882 etwas ein, zwei unterschrieben: stud. iur. et. can. F. Birkenbihl und v. Eltester. 25 Fragen waren zu beantworten, beginnend mit „Deine Lieblingseigenschaften am Manne?“. Die Antworten lauteten Charakterstärke oder Selbsterkenntnis, bei der gleichen Frage bezogen auf Frauen waren es Aufopferung, Offenheit und Treue. Einer schrieb beim Mann „verlebt“, bei der Frau „verliebt“.
Lieblingsfiguren der Geschichte wurden abgefragt (Karl XII., Königin Luise, Friedrich II., „Kaiser Wilhelm I. der Siegreiche“) und in der Poesie (Iphigenie, Siegfried, Dorothea „aber ohne Hermann“) , Lieblingsfarben, -komponisten, -maler, -schriftsteller. Auf die Frage „Wovor fürchtest Du Dich?“ lauten die Antworten „Vor Räubern“, „Vor der Blamage“, „vor Wahnsinn“.
Mit der Frage nach dem persönlichen Motto endet die Liste. „Ich wanke nicht“, schrieb v. Eltester.
Insgesamt betrachtet ist das „Freundebuch“ des späten 19. Jahrhunderts eine interessante Quelle für Ansichten und Meinungen der Zeit.
16.11.2025