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Nahrungsmittel retten schafft man nur gemeinsam

Anlässlich des Internationalen Tag des Ehrenamtes hat die Stadt Limburg die Aktiven um Anne Olschewskis Foodsharing-Initiative für ihren außerordentlichen Einsatz bei der Rettung von Nahrungsmitteln und dem Aufbau eines „Fairteiler“ Netzwerks in Limburg und Umgebung geehrt. 

„Sie sind ein Beispiel und Vorbild für uns alle, denn Sie zeigen, dass jeder im Kleinen für eine gute Sache eintreten und mit viel Leidenschaft und Engagement daraus etwas Großes machen kann“, begründet Dr. Marius Hahn, Bürgermeister der Stadt Limburg, die Ehrung von Anne Olschewski und ihren Mitstreitern Petra Morgenstern, Traute von Romatowski und Benedikt Michel.

Seit 2017 setzt sich Anne Olschewski ehrenamtlich für Rettung von Lebensmitteln ein. Anfangs stand sie mit ihrem Vorhaben allein da. Heute hat sie rund 200 aktive Mitstreiter und mehrere Standorte, an denen „aussortiere“ Lebensmittel ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt werden – dem Verzehr. Die Welthungerhilfe beziffert, dass pro Kopf und Jahr in Deutschland etwa 78 Kilogramm Essen im Müll landen.

Dagegen will Anne Olschewski etwas tun. Den Anfang machte jedoch ihre Tochter, die in Frankfurt damit begann, Lebensmittel, die entsorgt werden sollten, in Supermärkten abzuholen, um sie an Freunde, Bekannte und Bedürftige zu verteilen. „Da stand sie vor einem Discounter mit drei prall gefüllten Ikea Taschen mit Lebensmitteln und wusste nicht, wie sie diese nach Hause bringen sollte“, erinnert sich Olschewski. Sie und ihr Mann besuchen die Tochter regelmäßig und unterstützen sie bei der Lebensmittelrettung. „Teilweise habe ich dann einiges mit ins Kalkwerk genommen und dort verteilt“, so Olschewski weiter.

Kostenfreie Lebensmittel stoßen auf Skepsis

So entstand schließlich die Idee, dass sie auch in Limburg Lebensmittel vor dem Müll retten könnte. Zuerst nutzte sie ihren Hof in Staffel in der Hans-Wolf-Straße 13 als „Fairteiler“ Station für die gerettete Nahrung. Bis dann ihr Mann einen Teil des Gartenzauns opferte, um dort mit Regalen eine Abholmöglichkeit für die geretteten Waren zu schaffen. „Das spricht sich natürlich herum und stieß zuerst nicht auf Begeisterung“, erläutert Olschewski die anfänglichen Schwierigkeiten. Doch als die die Gemeinde Staffel auf sie zukam und anbot, sich an einem „ordentlichen“ Fairteiler zu beteiligen, stieg die Akzeptanz. Es wurde eine kleine Gartenhütte auf ihrem Grundstück errichtet, in der die geretteten Lebensmittel von jedem abgeholt werden können. Und das ohne Bezahlung oder Gegenleistung. Jeder, der zu Hause Lebensmittel hat, die nicht verzehrt werden, kann diese zum Fairteiler bringen. Vorausgesetzt die Ware ist nicht verdorben.

Es gibt Stammkundschaft, die bereits vor den Fairteilern auf die neue Ware warten. Ebenso Laufkundschaft, die kurz anhält, wie beispielsweise einige Radfahrer, eine Banane oder Brötchen mitnehmen und weiterfahren.

Neben Nahrungsmitteln werden ebenso sämtliche Waren des täglichen Gebrauchs von den 48 Kooperationspartnern aus der Region gerettet. Das können Pflanzen sein, angebrochene Toilettenpapierpackungen und vieles mehr. „Das wöchentliche Angebot in den Fairteilern hängt immer von den Geschäften ab, mit denen wir zusammenarbeiten und die uns auch mal spontan Bescheid geben“, sagt Petra Morgenstern mit eine der ersten „Foodsaver“ (Lebensmittelretter) im Kreis.

Die Anzahl der Foodsaver stieg in den letzten Jahren stetig an. Das hatte zur Folge, dass mehr Fairteilerstellen eingerichtet wurden. Im Umkreis um Limburg gibt es folgende Fairteiler: In Elz im hinteren Teil des Hofes des Jugendhauses in der Lehrgasse 14, Im Mehrgenerationenhaus Limburg Familienzentrum Müze e.V.  in der Hospitalstraße 10 in Limburg (Öffnungszeiten beachten) sowie im benachbarten Bundesland Rheinland-Pfalz in Eppenrod, Ober der Kirch (gegenüber dem Parkplatz).

Die Resonanz auf die Fairteiler ist gemischt. Oft haben die Nachbarn ein wachsames Auge auf die Fairteiler, damit kein Unsinn getrieben wird, weiß Benedikt Michel aus Elz zu berichten. Und Traute von Romatowski erzählt, dass anfänglich der ein oder andere Bedenken wegen der Räumlichkeiten in Eppenrod hatte, diese aber bei einem Gespräch ausgeräumt werden konnten und sehr gut angenommen werden.

Der Bedarf wird größer

Es ist nicht verwunderlich, dass Anne Olschewski sich einen weiteren Fairteiler in der Limburger Innenstadt und Hadamar wünscht, denn der Bedarf ist spürbar gestiegen. Finanzielle Mittel für einen solchen Standort stehen zur Verfügung. Die Rückmeldung bekommen sie und das Team der Initiative nicht nur vom Lädchen in Limburg, dass vom Förderkreis Obdachlosenhilfe Limburg betrieben wird. Bei den regelmäßigen Lebensmittelverteilungen in Diez greifen aktuell immer mehr Menschen auf das Angebot zu. Gleichzeitig werden weniger Lebensmittel gerettet, da der Lebensmittelhandel Aktionen mit „krummen Gemüse“ und einzelnem Obst anbietet.

Olschewski hat sich das Ziel gesetzt, dass keine Lebensmittel mehr weggeworfen werden, auch wenn das utopisch klingt. „Immerhin“ sagt sie mit Stolz „haben wir es gemeinsam geschafft, an einem Wochenende etwa eine Tonne Lebensmittel zu retten. Und das ist doch schon ein guter Anfang.“

Interessierte können sich in der öffentlichen Facebookgruppe: foodsharing.de - Bezirk Limburg, Diez und Umgebung über die Standorte der Fairteiler informieren und sich am Retten von Lebensmitteln beteiligen. 1664 Mitglieder hat die Facebookgruppe inzwischen, Tendenz steigend. Nicht nur die Fairteiler werden mit Lebensmitteln versorgt, auch sozialen Projekten wie dem Lädchen, dem Frauenhaus oder der Obdachlosenhilfe kommen die Spenden zugute. Um ihr Netzwerk auszuweiten und weitere nachhaltige Projekte anstoßen zu können hat sie den Verein „gemeinsam zusammen“ gegründet. Geschäfte, die Interesse an einer Kooperation haben, aber auch Bürger und Bürgerinnen, die einen Fairteiler aufstellen wollen, können sich an Anne Olschewski, Petra Morgenstern, Benedikt Michel und Traute von Romatowski wenden.

Die Idee des Foodsharing ist mit Raphael Fellmer 2011 in Berlin geboren. Er schließt dort erste Kooperationen mit Bio-Supermärkten ab, um nicht verkäufliche, aber noch genießbare Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren. Im selben Jahr kommt der Film “Taste the Waste” von Valentin Thurn in die Kinos. Während der Dreharbeiten entsteht in Köln die Idee, den Verein „foodsharing“ zur Rettung von Lebensmitteln zu gründen. Im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne kommt der Kontakt zwischen Raphael Fellmer und Vorsitzenden des Vereins zustande. Die ehrenamtlich programmierte Webseite www.foodsharing.de geht am 12.12.2012 online und ermöglicht als Plattform das Teilen von überflüssigem Essen zwischen Betrieben und Haushalten.

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