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Archivalie der Woche 167 - Helene Thau

Bis in die Gegenwart zählt sie zu den prominentesten Lehrkräften der Limburger Schulgeschichte: Helene Thau, die langjährige Leiterin des Lyzeums.
Sie kam 1844 in Neuwied zur Welt. Mit 18 Jahren legte sie die Prüfung zur Lehrerin ab und arbeitete danach einige Jahre im Ausland. Nach 1871 wirkte sie an verschiedenen Orten, ehe sie 1884 die Leitung der evangelischen Höheren Töchterschule bzw. Lyzeum in Limburg übernahm. Sie wurde im Laufe der Zeit derart populär, dass die Schule im Volksmund als „Thau-Schule“ bezeichnet wurde – ein Begriff, der bis in die Gegenwart fortwirkt. Die Lehranstalt erfreute sich eines guten Rufes, nicht nur bei den evangelischen, sondern auch bei den jüdischen Familien in Limburg, die gerne ihre Töchter hinschickten, bis die Nazis dies unterbanden (1939 wurde die Schule zwangsweise aufgelöst und nach 1945 nicht wieder eröffnet).
Eine Schülerin formulierte ihre Erinnerung an Helene Thau so: „… daß Fräulein Helene Thau jedem, der mit ihr irgendwie zu tun hatte, als eine … vollkommene Persönlichkeit erscheinen mußte, die Respekt und Hochachtung einflößte. Ich glaube, sie hatte keinerlei Feinde und stand in allen Schichten der Bevölkerung, einerlei, wes Glaubens … in hohem Ansehen. Beweis dafür, daß sie bis an ihr Lebensende an ihrem Geburtstag eine Art Wallfahrtsziel war, an dem man sein mehr oder weniger großes Geburtstagspäckchen deponierte. Ich habe das beobachtet, wie sich die Diezer Straße zu einer Art Promenade am 6. Februar entwickelte. Mit Päckchen rau, auf der anderen Seite ohne Päckchen zurück. Wo gibt’s denn das, daß man schulfrei hat, weil die Leiterin Geburtstag hat?!“
Mit 70 Jahren musste Helene Thau ihre Tätigkeit krankheitsbedingt aufgeben. Ihre große Beliebtheit zeigte sich auch noch danach, so etwas als sich anlässlich ihres 90. Geburtstages im Februar 1934 die Schülerinnen ihr vor ihrem Haus in der beflaggten Schlittstraße ein Ständchen brachten. Helene Thau starb am 10. Mai 1934 in Limburg und wurde auf dem Hauptfriedhof beigesetzt. Ihr Grabstein ist noch erhalten.
Literaturhinweis: Die Thau-Schule in Limburg 1874-1939. Eine Chronik. Limburg 1970.

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