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Stele wird zum Schaufenster für Kunst

Die Stele in der unteren Bahnhofstraße dient nun der Kunst. Die Künstlergemeinschaft der LahnArtist nutzt sie als Ausstellungsstandort. Beate Sehr macht mit ihren Bildern den Auftakt. „Ein Hoch auf den Frühling“ und „Schönheit im Wandel“ hat sie dort positioniert.

„So bunt war das hier noch nie“, zeigt sich Bürgermeister Dr. Marius Hahn erfreut, dass nun auch die zweite noch verbliebene Stele genutzt wird: Entsprechend des politischen Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung dient sie als Präsentationsort für Kunst. Die Stele in der Werner-Senger-Straße wird von Vereinen aus Limburg und den Stadtteilen sowie von der Stadt selbst genutzt, um auf Veranstaltungen oder Aktionen aufmerksam zu machen. Das Angebot in der Werner-Senger-Straße gibt es schon seit über einem Jahr.

Beide Stelen, die dritte in der oberen Bahnhofstraße wurde komplett entfernt, da der Standort für eine Informationsstele zum Angebot des ÖPNV benötigt wurde, sind frei von elektronischer Technik. Um die Stele in der unteren Bahnhofstraße für die Präsentation von Kunst nutzen zu können, waren zunächst Gespräche mit den LahnArtists notwendig. Dabei wurde schnell deutlich, dass das Sichtfenster zur Seite der Häuser und abgewandt das Laufweges allein nicht ausreicht, sondern ein zweites Fenster zur Fahrbahnseite aus dem Metallkörper herausgeschnitten werden muss.

Täglich im Stadtbild

Auch war es notwendig, das Innenleben neu aufzubauen. Der in der Stele befindliche Schlitten ließ ein Aufhängen von Bildern nicht zu und musste neu gebaut werden. „Für uns ist das eine gute Möglichkeit, uns täglich im Limburger Stadtbild zu präsentieren“, sagt Renate Kuby, Vorsitzende der LahnArtists. Nach ihren Angaben wird die in der Stele präsentierte Kunst regelmäßig gewechselt, um möglichst vielen Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit zu geben, ihre Werke dort zu zeigen. Aktuell ist das noch eine Phase des Ausprobierens, da nicht klar ist, wie stark sich die Stele unter Sonneneinstrahlung aufheizt und wie die Bilder darauf reagieren.

Mit zwei Bildern von Beate Sehr startet die Stele in ihre neue Verwendung. Die beiden Bilder füllen die komplette Sichtfläche aus und zeigen eine Magnolienblüte im Zeitpunkt ihres Öffnens und eine Rosenblüte, die sich bereits im Prozess des Abstrebens befindet. „In der Zeit von 2018 bis 2021 habe ich mich mit dem Thema ,Werden und Vergehen‘ beschäftigt. Entstanden ist dabei eine Werkreihe, die insbesondere die Veränderung der Natur in das Blickfeld rückt“, beschreibt Beate Sehr Entstehungszeit und Thema der Bilder.

Schönheit bleibt

Das Vergehen von Blättern und Blüten bildet dabei den Schwerpunkt. „In diesem Prozess findet zwar eine Verwandlung statt, aber die Schönheit bleibt. Mehr noch, das Verwelken einer Blüte offenbart eine enorme Farbintensität. Die Blüte beginnt zu leuchten bevor sie stirbt und im Verfall in Brauntöne übergeht. Die Blüten setzen nochmals alles daran, Aufmerksamkeit zu erregen, sie verlocken mit weithin geöffnetem Blütenkörper“, beschreibt Beate Sehr die Aufgabenstellung.

Ausgestellt werden mit „Ein Hoch auf den Frühling“ eine Magnolienblüte, die Teil eines Diptychons ist, im Zeitpunkt der Öffnung und Preisgebung ihres Inneren. Das zweite Bild zeigt eine Rosenblüte, die sich im Prozess des Absterbens befindet und dennoch durch das Glühen der Farben ihre Schönheit offenbart. 

Beate Sehr hat ihre beiden Bilder mit Acrylfarbe auf Reinleinen gemalt. Dabei wurde bei der Magnolienblüte die Balance zwischen Zufall und Kontrolle ausgelotet, während bei der Rosenblüte Wert auf die detailreiche Ausarbeitung gelegt wurde, ganz im Stil der altmeisterlichen Maltechnik. Beate Sehr ist seit 2015 Mitglied der Lahnartists, seitdem auch Kursleiterin für Ölmalerei und übernimmt Ausstellung- und Vortragstätigkeit im Verein, seit 2020 Mitglied des Vereins Leipziger Grafikbörse und eröffnete ihr eigenes Atelier mit Galerie in Limburg.

Nicht bewährt

Die Stelen, aufgestellt in den Jahren 2012 bis 2014, hatten der Stadt in der Vergangenheit einiges an Aufmerksamkeit beschert. Die Stelen waren zunächst Bestandteil eines Leitsystems durch die Innenstadt und sollten helfen, Quartiere zu verbinden. Die Körper aus Corten-Stahl waren dabei mit Technik ausgestattet, um als Informationsportale dienen zu können. Doch die Technik war störanfällig und der Betrieb sehr energieintensiv, vor allem durch die notwendige Kühlung. Im November 2019 wurden sie vom Netz genommen. Die politische Diskussion um eine weitere Nutzung führte dann dazu, die Stele in der Werner-Senger-Straße Vereinen und Institutionen als Info-Stele zu überlassen und die Stele in der Bahnhofstraße für die Präsentation von Kunst zur Verfügung zu stellen.

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