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Spielfreudiges Orchester vor dem Dom

Um 22 Uhr erhob sich das Publikum von den Sitzen und spendete reichlich Applaus. Fast zwei Stunden (Pause mit eingerechnet) hatte es dem Göttinger Symphonieorchester vor dem Limburger Dom gelauscht. Mit den letzten Tönen von Maurice Ravels „Bolero“ endete ein beeindruckender musikalischer Abend und das diesjährige Gastspiel der Weilburger Schlosskonzerte auf der Limburger Domplatte.

Manchmal passt eben alles zusammen. Das lässt sich in diesen Zeiten nicht oft behaupten. Der Freitagabend auf der Domplatte kam dem perfekten Abend schon sehr nahe. Wolkenloser Himmel, beeindruckender Sonnenuntergang, 650 besetzte Sitzplätze, ein spielfreudiges Orchester mit Nicholas Milton als Dirigenten, der durchaus Qualitäten als Entertainer zeigte und ein musikalisches Programm mit Ludwig van Beethoven 7. Sinfonie, Gershwins „Ein Amerikaner in Paris“ sowie Ravels „Boléro“, das zu dem malerischen Abend passte.

Was die Musik des Abends miteinander verband, ist das Motiv des Tanzens. Wie Milton dem Publikum erläuterte, habe Richard Wagner Beethovens 7. Sinfonie als „Apotheose des Tanzes“ bezeichnet. Tanzend, zumindest zeitweise, läuft auch Gershwin als Amerikaner durch Paris, lässt musikalisch den Duft von frischen Croissants erklingen, macht Paris durch das Hupen der Taxis (an dem Abend natürlich mit original französischen Hupen) hörbar. Und Maurice Ravel hat seinen „Boléro“ gleich für eine Tänzerin geschrieben. Und dieses Stück, das aus ständigen Wiederholungen bestehe, erhalte seinen Reiz durch seine wechselnde Orchestrierung, so der Hinweis des Dirigenten, der zum genauen Hören aufforderte, um genau dies auch herauszuhören.

Von der Atmosphäre angetan

„Wir sind stolz und froh darüber, heute zum ersten Mal vor Ihnen auf dem Limburger Domplatz zu spielen“, sagte Dirigent Nicholas Milton im Namen seines ganzen Orchesters. Das bot zahlreiche Musikerinnen und Musiker auf, so dass gegenüber den Vorgängerkonzerten eine größere Bühne notwendig war. Dafür strahlte schon die Bühne Optimismus aus, war doch gleich auf eine Überdachung verzichtet worden. Milton zeigte sich von der Atmosphäre neben dem Dom und über der Stadt überaus angetan, lediglich der Wind stellte zumindest vor der Pause so manche Herausforderung dar. Jedes Umblättern der Notenblätter war ein kleines Wagnis.

Und dann gab es in der Pause die tatsächliche oder vermeintliche Schlange vor der Toilette. Zumindest verkündete Milton nach Rückkehr an seinen Platz vor dem Orchester, dass er versprochen habe, aufgrund dieser Wartezeiten mit der Fortführung des Programms zu warten. Was er auch tat … und die Pause gleich für einen kleinen Werbeblock nutzte, in dem er auch die neue Einspielung von Brahms-Werken des Göttinger Symphonieorchesters hinwies. Und die gab es zu kaufen als CD, natürlich zu einem Sonderpreis, nur für die Limburger und nur an diesem Abend.

Aber auch das passte sich in seiner Art in einen Abend ein, der den Frauen und Männer sowohl vor und auf der Bühne Freude bereitet hat. Zwei kleine Wermutstropfen: Es gab keine Zugabe, dafür jedoch bei Beethovens 7. Sinfonie nach jedem Satz „Zwischenapplaus“.

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