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Sarah Jäger überzeugt beim Limburger Hans-im-Glück-Preis gleich doppelt

Ein Novum beim „Hans-im-Glück-Preis“: Erstmalig werden zwei eingereichte Werke einer Autorin ausgelobt. Die Bucheinsendungen „Nach vorn, nach Süden“ und „Die Nacht so groß wie wir“ von Sarah Jäger überzeugten die Jury des Jugendliteraturpreises der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn gleich doppelt. 

Das Buch „Nach vorn, nach Süden“ ist das Gewinnerbuch.

„Die Autorin setzte sich gegen 98 Mitbewerberinnen und Mitbewerber durch. Insgesamt wurden 47 Bücher und 51 Manuskripte eingereicht“, informiert Dr. Anna Vössing als Leiterin des Kulturamtes der Stadt Limburg über die Entscheidung der Jury und das Interesse an dem Preis. Die Preisverleihung durch Bürgermeister Dr. Marius Hahn ist für Dienstag, 18. Oktober, vorgesehen.

„Die Sprache ist es, die uns von Anfang an in den Bann gezogen hat. Und die so behutsam wie ungewöhnlich gezeichneten Figuren. Das muss man können. Sarah Jäger ist neu in der Jugendbuchszene, aber reich an Erfahrung“, heißt es in der Begründung der Jury. Sarah Jäger arbeitet in Essen als Buchhändlerin, hat auch schon bei McDonalds gejobbt und im Call-Center einer Bank gearbeitet. Als ausgebildete Theaterpädagogin erarbeitete sie mit Jugendlichen verschiedene Themen und schrieb Theaterstück. „Sie weiß, worüber sie schreibt, und das merkt man“, so das Fazit der Jury.

Figuren langsam ertasten

In ihren beiden ersten Romanen tasten einzelne Figuren die anderen Akteure ab, sodass sich für die Lesenden nach und nach eine Biografie erschließt und die komplexen Beziehungen der Jugendlichen untereinander sichtbar werden. So verhindert Sarah Jäger eine überhebliche Erzählperspektive. Ihre Figuren wirken nicht überzeichnet, sondern werden mit fühlbarer Sympathie ertastet, erschlossen.

In »Nach vorn, nach Süden« stammen die Hauptpersonen bis auf die unsichere Erzählerin Lena aus dem prekären Milieu, eher eine Seltenheit im deutschsprachigen Jugendbuch, und bilden eine Schicksalsgemeinschaft, verbunden durch ihre Aushilfsjobs im örtlichen Penny-Markt. Dort, im Hinterhof des Supermarkts, hängen sie ihren Träumen nach, sind einander Stützen und Familienersatz und entschließen sich, nach Jo zu suchen, der vor einem halben Jahr aus ihrer Gruppe verschwunden ist und nur ab und an eine Postkarte von unterwegs schickt.

So beginnt ein Roadmovie mit ganz unterschiedlichen Motivationen für die Reise.

Sarah Jäger bleibt dabei nicht an der Oberfläche, sondern geht episodisch in belastende Erkenntnisse aus der Vergangenheit ebenso hinein wie in die Zukunftsängste, schildert die sich entwickelnde Gruppendynamik.

Zerfall von Freundschaften

Das gilt auch für „Die Nacht so groß wie wir“, die im Zeitraum eines einzigen Tags den Zerfall einer Freundesclique beschreibt, die Nacht einer entgleisten Abiturfeier, in der verschwiegene Geheimnisse an den Tag kommen und sich jeder von ihnen einem eigenen Abgrund stellen soll. Haben alle in der Clique bislang geglaubt, alles voneinander zu wissen, müssen sie nun erkennen: Es ist nicht so. Jede und jeder muss seine eigenen Dramen durchstehen. „Ähnlich wie die Penny-Markt-Freunde fehlt auch ihnen ein familiärer Rückhalt, die Clique ist Schutzschild und Rückzugsort“, verdeutlicht die Jury.

Die Preisverleihung findet am Dienstag, 18. Oktober 2022, um 19 Uhr im Historischen Rathaus (Fischmarkt 21 in Limburg) statt. Eine Lesung mit Sarah Jäger findet am Mittwoch, 19. Oktober 2022, in der WERKStadt Lounge (Bahnhofsplatz 2), im Rahmen des Limburger Lesedoms statt. Die genaue Uhrzeit wird noch bekannt gegeben.

Die Jury setzt sich zusammen aus: Jutta Bummel (Buchhändlerin), Gabriele Fachinger (Bibliothekarin), Jutta Golz (Bibliothekarin), Dr. Stefan Hauck (Fachredakteur beim Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel) und Ralf Schweikart (Redakteur und freier Journalist).

Der Preis

Der Preis wurde im Jahr 1977 von dem Schriftsteller Hans-Christian Kirsch und seiner Frau gestiftet. 1987 wurde er von der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn als Förderpreis für Jugendbuchautoren und -autorinnen übernommen. Er wird im Turnus von zwei Jahren vergeben. Der Preis war bisher mit 3.000 Euro dotiert und mit der Übergabe einer Kugel mit 24-karätiger Blattvergoldung verbunden. Nun gibt es erstmals ein Preisgeld in Höhe von 3500 Euro, der nun überreichte symbolische Preis besteht aus einer Feder und einem Tintenfass aus Glas, ein Kunstwerk der Glasfachschule Hadamar.

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