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Stadt als Arbeitgeber: Beruf und Familie besser miteinander vereinen

Die Stadt darf sich weiter mit dem Zertifikat „berufundfamilie“ schmücken. Zum dritten Mal hat die Stadtverwaltung als Unternehmen das Audit erfolgreich durchlaufen und ist von der berufundfamilie Service GmbH nach dem ersten Audit 2015 nun zum zweiten Mal re-auditiert worden. Die Stadtverwaltung gehört damit zu einem Kreis von über 350 Arbeitgebern mit über einer Million Beschäftigen oder Studierenden, die jüngst ausgezeichnet wurden.

„Die Entscheidung, beruflich kürzer zu treten, bereue ich bis heute nicht. Die Zeit mit der Familie ist unersetzlich. Vor allem in Zeiten der Pandemie bin ich mit meinem Modell äußert flexibel für die Kinderbetreuung“, sagt Clemens Gemmer, der in der Stadtverwaltung im Körperschaftsbüro arbeitet und damit Verbindungsglied zwischen Politik und Verwaltung ist. Gemmer ist zweifacher Vater und leitete bis Ende 2020 in Vollzeit die Abteilung Körperschaftsbüro. Mit der Geburt der zweiten Tochter hat er sich dazu entschieden, in Zukunft mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen und das Angebot der Stadt, Beruf und Familie besser miteinander zu verbinden, anzunehmen.

Auch Selina Tondock nutzt das Angebot der Stadt. „Während meiner Schwangerschaft habe ich mir viele Gedanken gemacht, wann und in welchem Umfang ich nach der Geburt meines Kindes wieder arbeiten gehe. Da die Stadt mir die Möglichkeit gibt, den größten Teil meiner Arbeit im Homeoffice zu erledigen, habe ich mich dazu entschieden, direkt nach dem Ende meiner Mutterschutzfrist in Teilzeit wieder arbeiten zu gehen“, erzählt die Mitarbeiterin aus der Abteilung für Personal und Organisation.

Den Aufgaben gerecht werden

Ohne diese Möglichkeit hätte sie mit dem Wiedereinstieg ins Berufsleben länger gewartet. „Durch die flexible Gestaltung von Arbeitszeit und Arbeitsort und mit der Unterstützung meiner Familie werde ich so meinem Kind und meinen Aufgaben in der Personal- und Organisationsabteilung gerecht“, ist Selina Tondock überzeugt. Mit einer Wochenarbeitszeit von 15 Stunden ist sie wieder eingestiegen, vor der Geburt lag ihre Arbeitszeit bei 41 Stunden.

Clemens Gemmer hat seine Wochenarbeitszeit ebenfalls reduziert, im Rahmen seiner Elternzeit von 39 auf 26 Stunden, zudem wechselte er auf eigenen Wunsch das Aufgabengebiet innerhalb der Abteilung. Im nächsten Schritt beantragte Clemens Gemmer zwei Tage Homeoffice pro Woche. „Dies wurde problemlos und einvernehmlich genehmigt“, sagt der Verwaltungsmitarbeiter. Und die zusätzlich benötigte technische Ausstattung wurde kurzfristig zur Verfügung gestellt und eingerichtet.

Familienbewusste Arbeitswelt

Beruf und Familie miteinander zu verbinden, das ist Bürgermeister Dr. Marius Hahn ein wichtiges Anliegen, das nicht erst mit der Corona-Pandemie verfolgt wird, sondern seit Jahren einen hohen Stellenwert einnimmt. „Wir stehen heute als Arbeitgeber mit privaten Unternehmen und auch mit Einrichtungen der öffentlichen Hand in Konkurrenz. Als Stadt können wir dabei nicht punkten, Spitzengehälter zu zahlen. Wir müssen auf anderen Ebenen als Arbeitgeber überzeugen“, macht der Bürgermeister deutlich. Punkten will die Stadt bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Im Rahmen der nun virtuell stattgefundenen Zertifikatsfeier machte Bundesfamilienministerin Lisa Paus deutlich: „Ohne Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die ihre Beschäftigten aktiv unterstützen, kann die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht gelingen.“ Mit dem audit berufundfamilie sendeten die Unternehmen an ihre Beschäftigten die klare Botschaft, wonach sie sich systematisch und nachhaltig für eine familienbewusste Arbeitswelt einsetzten.

Oliver Schmitz als Geschäftsführer der berufundfamilie Service GmbH verwies auf das Jahresmotto „miteinander vereinbaren – gesund, fair, zusammen“. Dies stellten in einer Zeit der Umbrüche die insgesamt 343 Zertifikatempfänger sicher, die in und vor der Krise unzählige Ideen und Maßnahmen entwickelt hätten, die zukunftsweisend für die jeweiligen Organisationen und die gesamte Arbeitswelt seien. „Wir freuen uns daher nicht nur über das Erreichte, sondern auf das, was noch ansteht“, unterstrich Schmitz.

Immer wieder neue Ziele

Mit jeder Re-Auditierung sind neue Ziele verbunden. Mit der Re-Auditierung 2018 erhielt die Stadt den Auftrag, ein besseres Angebot an Telearbeitsplätzen zu machen. In diesem speziellen Bereich hat die Corona-Pandemie wie ein Katalysator gewirkt. Die Ausstattung der Beschäftigten mit mobilen Geräten hat sich deutlich verbessert, Homeoffice ist aufgrund der Pandemie verstärkt möglich. Doch auch unabhängig von Corona nutzen derzeit bereits 41 Mitarbeitende die Möglichkeit, zeitweise zu Hause zu arbeiten.

„Natürlich ist Homeoffice heute in aller Munde, doch es gibt noch viele weitere Faktoren, die Einfluss darauf haben, dass sich Arbeit und Beruf gut miteinander verbinden lassen“, verdeutlicht Hahn. Der Verwaltung liege viel daran, entsprechende Signale aus den inzwischen zahlreichen Bewerbungsverfahren aufzunehmen. „Da geht es häufig um flexible Arbeitszeiten oder auch darum, nur in Teilzeit in der Verwaltung zu arbeiten“, berichtet der Bürgermeister. Und dann gibt es natürlich noch andere Faktoren, die zur Work-Life-Balance beitragen, wie die Unterstützung bei Angeboten für die körperliche Fitness, das Job-Ticket oder auch das Bike-Leasing.

Für den Bürgermeister ist klar, wenn sich Beruf und Familie besonders gut miteinander verbinden lassen, hat auch die Stadt als Arbeitgeber davon einen Nutzen. Deshalb wurden in der Verwaltung in der Vergangenheit die Arbeitszeitkonten angehoben und gibt es die Möglichkeit, einmal im Jahr Plusstunden, die das Konto überschreiten, auf den nächsten Monat übertragen zu lassen. Mitarbeitende, die zu Hause Kinder betreuen oder Angehörige pflegen, haben die Möglichkeit, die Kernarbeitszeit aufzuheben. Mit der Re-Auditierung 2018 gab es unter anderem das Ziel, die Stichtagsregelung für den noch zu nehmenden Resturlaub des Jahres auf den 31. März des folgenden Jahres zu erweitern, die dann zur Überbrückung von Betreuungszeiten in den Ferien oder auch zur Pflege flexibler eingesetzt werden können.

Mobile Telearbeit ausweiten

Zu dem, was sich in einer ständigen Weiterentwicklung befindet, gehört die Ausweitung und Optimierung der Telearbeit. Das ist auch eine Aufgabe, die mit nun erfolgten Re-Auditierung verbunden ist und in den kommenden Jahren weiter verfolgt wird. „In den kommenden Jahren geht es darum, das Thema mobile Telearbeit stärker zu verankern und auszuweiten. Bisher geht es bei uns bei der Telearbeit vor allem um Homeoffice. Das wollen wir weiter entwickeln“, verdeutlicht Petra Weiß von der Abteilung Personal und Organisation.

Weitere Aufgaben aus der vereinbarten Zielvereinbarung ergeben sich zum Beispiel bei der Arbeitszeit. Auch hier will die Verwaltung flexibler werden und schließt dabei auch die Mitarbeitenden des Betriebshofes nicht aus. Ein wichtiges Aufgabenfeld ist auch die Unterstützung von Mitarbeitenden, die Kinder betreuen oder Angehörige pflegen. Hierbei geht es zum einen um entsprechende Angebote bezüglich der Arbeitszeit oder der Organisation von Arbeit, gleichzeitig aber auch um die entsprechende Information.

Übergang in den Ruhestand

„Das ist eine Daueraufgabe für uns, unsere Mitarbeitenden über die entsprechenden Möglichkeiten zu informieren“, sagt Petra Weiß. Auch im Hinblick auf einen flexiblen Übergang in den Ruhestand befindet sich die Verwaltung in der Umsetzung. Hierbei ist die Verwaltung neben der tariflichen Möglichkeit der Altersteilzeit auch offen für Sabbatical und/oder die Herabsetzung der Arbeitszeit. Für Mitarbeitende gibt es ab deren 55 Lebensjahr ein entsprechendes Informationsangebot.

Das audit familieundberuf geht auf eine Initiative der gemeinnützigen Hertie-Stiftung zurück. Rund 1900 Unternehmen, Institutionen und Hochschulen haben bislang das Audit für sich genutzt. Weitere Informationen unter: https://www.berufundfamilie.de

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