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Das Ziel: Bessere Bedingungen für den Radverkehr

Frauen, Männer, Kinder auf dem Fahrrad sind inzwischen auch in Limburg täglich unterwegs. Nicht nur als Touristen, auch als Pendler nutzen sie das Zweirad. Der Anteil der Radelnden am Verkehrsaufkommen könnte jedoch größer sein, auch wenn er gefühlt Jahr für Jahr zulegt. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil am Verkehrsaufkommen bei 15 Prozent liegen, das hat sich die Stadt zum Ziel gesetzt. Ein Radverkehrskonzept soll helfen, dieses Ziel zu erreichen. Radlerinnen und Radler machten im Jahr 2018 sieben Prozent des Verkehrsaufkommens aus. In vier Beiträgen stellen wir die wesentlichen Inhalte des vorgeschlagenen Konzepts vor.

Wer mehr Radfahrende auf den Straßen haben will, muss deren Zufriedenheit steigern. Das wird aus einer Untersuchung Mobilität in Deutschland – Analysen zum Radverkehr und Fußverkehr des Ministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur aus dem Jahr 2019 deutlich. Dort, wo der Anteil des Radverkehrs besonders hoch ist, ist auch die Zufriedenheit mit den Bedingungen für die Radelnden besonders hoch.

„Unser Ziel ist es, die Situation für die Menschen, die sich bei ihrem Weg in und durch die Stadt für das sehr umweltschonende Fahrrad oder Pedelec entscheiden, deutlich zu verbessern“, macht Bürgermeister Dr. Marius Hahn deutlich. Der Magistrat empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung dazu, ein Radverkehrskonzept mit verschiedenen Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Manche davon recht zügig, andere mit einem etwas größeren zeitlichen Vorlauf. „Nicht alles davon wird allen in der Stadt gefallen, aber manchmal sind Einschnitte notwendig, um gleichberechtigte Teilhabe aller Teilnehmer am Verkehr zu erreichen“, betont der 1. Stadtrat Michael Stanke. Die Verbesserungen kommen direkt den Radelnden zugute, gleichzeitig profitieren jedoch alle davon, wenn der motorisierte Kfz-Verkehr sinkt und dadurch auch die Schadstoffbelastung sinkt.

Trennung Rad- und Fußverkehr

Mit dem Erstellen des Radverkehrskonzepts wurde das Ingenieurbüro IKS aus Kassel beauftragt. Zwei öffentliche Workshops mit Anregungen, Wünschen und Kritikpunkten flossen dabei mit ein, ebenso die Begleitung durch einen Arbeitskreis, in dem sich Vertreter von Interessenverbänden und der Fachämter der Stadt versammelten. Festgestellt wurden dabei erhebliche Mängel in der Infrastruktur für die Radfahrenden wie Lücken im Radwegenetz, fehlende Abstellanlagen, schlechte Sichtbeziehungen, nicht mehr ausreichende Breiten bei den Schutzstreifen und mehr.

Alexander Gardyan als Projektleiter hatte dabei in den Workshops verdeutlicht, dass es sich bei dem Radverkehr um Fahrverkehr handelt und deshalb eine Trennung zum Fußverkehr anzustreben ist. Das Büro hat unter seiner Leitung dabei verschiedene Maßnahmen in Handlungsfeldern entwickelt, um die Sicherheit und den Komfort innerhalb des Radverkehrsnetzes und damit die allgemeine Qualität für Radfahrende zu verbessern. Die im Radverkehrskonzept entwickelten Maßnahmen sind in die Handlungsfelder unterteilt: Velorouten, Hauptrouten, Einbahnstraßen, Fahrradabstellanlagen, touristische Routen, kleinteilige und punktuelle Mängel sowie sonstige Maßnahmenempfehlungen, Daueraufgaben und allgemeine Handlungsfelder.

Kurzfristig umsetzbar

Umgesetzt werden soll das Konzept, sofern es die Stadtverordnetenversammlung beschließt, in einem Zeitraum von zehn bis 15 Jahren. Allerdings gibt es durchaus Vorhaben und Verbesserungen, die sich kurzfristig auf den Weg bringen lassen oder schon in Arbeit beziehungsweise in Vorbereitung sind. In Planung und Umsetzung befinden sich zum Beispiel die Verbreiterung der Radweginfrastruktur in der Ste.-Foy-Straße, der Grabenstraße oder dem Eschhöfer Weg. Im Zuge der Sanierung der Westerwaldstraße (2. Bauabschnitt) ist ein Schutzstreifen vorgesehen. Ein Schließen der Netzlücke entlang der B8 zwischen Staffel und der Westerwaldstraße wird in Amtshilfe für Hessen Mobil geplant und umgesetzt. Und in der Konrad-Kurzbold-Straße sollen möglichst zügig attraktive Abstellanlagen zur Verfügung stehen.

Als kurzfristig umsetzbar werden weitere Vorhaben vom Fachamt eingestuft. Der Magistrat trägt diese Einschätzung mit und empfiehlt daher der Stadtverordnetenversammlung, diese auf den Weg zu bringen. Dabei handelt es sich um die Öffnung weiterer Einbahnstraßen. In der zentralen Innenstadt sind dies die Hospitalstraße und die Graupfortstraße. Da davon maßgeblich auch der ruhende Verkehr, also geparkte Autos, betroffen sind, soll dies im Zusammenhang mit der aktuell laufenden Erarbeitung des Parkraummanagementkonzepts betrachtet werden, um Synergieeffekte zu erzielen.

Weitere Einbahnstraßen öffnen

Mit der Adelheidstraße und der Annastraße gibt es zwei weitere Einbahnstraßen, die für den gegenläufigen Radverkehr geöffnet werden sollen. Da die Straßen jedoch über sehr begrenzte Flächen verfügen, sind dort entsprechende Markierungsarbeiten und das Anlegen von Aufmerksamkeitsbereichen in den Einmündungsbereichen notwendig. In der Parkstraße ist die Einbahnstraßenregelung für Radfahrende zwar schon seit vielen Jahren aufgehoben, die Situation ist jedoch für alle Verkehrsteilnehmenden unbefriedigend. Um ausreichend Platz zu erhalten, müssen Parkplätze aufgegeben werden. Ziel ist es, in dem Stadtquartier eine Fahrradzone auszuweisen. Sollten dort dann positive Erfahrungen gemacht werden, könnte auch andere Stadtquartieren Fahrradzonen bekommen.

Als kurzfristig umsetzbar gilt auch die Öffnung von Wirtschaftswegen für den Radverkehr. Damit lassen sich einige Netzlücken außerorts schließen. Fünf Wirtschaftswege sind davon betroffen, die bisher dem landwirtschaftlichen Verkehr vorbehalten sind. Mit dem Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ sind diese Wege dann auch offiziell von Radfahrenden zu nutzen.

Ebenfalls als kurzfristig umsetzbar wird die Aufhebung der nicht mit der Straßenverkehrsordnung (StVO) im Einklang stehenden Benutzungspflicht für einige Radwege eingestuft. Die Benutzungspflicht entspricht an diesen Stellen nicht der StVO, da die Radwege oder die gemeinsamen Geh- und Radwege nicht über die entsprechenden Breiten verfügen. Abhilfe lässt sich dadurch schaffen, dass die entsprechenden Bereiche mit „Gehweg, Radfahrer frei“ auszuweisen sind. Damit wird eine Benutzungspflicht aufgehoben. Für Radfahrende besteht dann die Möglichkeit, sowohl den Seitenraum als auch die eigentliche Fahrbahn zu nutzen. Betroffen davon sind die Zeppelinstraße, die Mainzer Straße in Linter und die Frankfurter Straße in Lindenholzhausen.

In der zweiten Folge stehen die großen Maßnahmen wie ein Radweg entlang der Diezer Straße im Mittelpunkt.

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