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Limburg: Eine neue Bleibe für Frauen ohne Wohnsitz

Seit 2017 gibt es in der Rudolf-Schuy-Straße eine Notunterkunft für Wohnsitzlose. Die Einrichtung wird nur von allein lebenden Männern bewohnt und bietet Rückzugsmöglichkeiten und Privatsphäre. Nun bietet die Stadt auch Frauen eine ähnliche Unterkunft in Form von Containern an. 

Das ist als befristete Lösung angedacht, bis die Stadt in der jetzigen Caritas-Einrichtung in der Eisenbahnstraße eine feste Bleibe findet.

„Die ersten Bewohnerinnen haben die neue Einrichtung bezogen“, sagt Semanta Dejanovic, die im Ordnungsamt für Menschen ohne Wohnsitz zuständig ist. Unter den drei Bewohnerinnen ist auch eine Frau, die zuvor die städtische Unterkunft in der Brückengasse bewohnte. Das Haus der Stadt soll wegen baulicher Mängel möglichst bald komplett geräumt sein. Ein dort noch lebendes Pärchen wird Ende Februar in eine eigene Wohnung ziehen, für ein weiteres Pärchen sucht die Stadt noch eine Bleibe.

„Mit den Männern haben wir den Anfang gemacht, nun wollen wir auch die Wohnsituation für die Frauen verbessern“, macht Limburgs 1. Stadtrat Michael Stanke deutlich. Mit der Einrichtung in der Rudolf-Schuy-Straße gibt es seit 2017 eine Bleibe, die Rückzugsmöglichkeiten und durchaus auch etwas Privatsphäre bietet. Die Bewohner dort haben zudem eine Betreuung durch den Caritasverband, ein Sicherheitsdienst ist in den Abend- und Nachtstunden aktiv, ein Hausmeister ist stundenweise vor Ort, nicht zuletzt gibt es dort sogar ärztliche Sprechstunden und die Caritas bietet auch Corona-Tests an. „Unser Ziel war und ist es, den Bewohnern eine Bleibe zu bieten, die wichtige Standards erfüllt“, so Stanke.

Was in der Rudolf-Schuy-Straße auf Dauer angelegt ist, die Einrichtung wurde 2019 erweitert und bietet neben neun Einzel- und elf Doppelzimmern noch eine Notschlafstelle mit sechs Plätzen mit separatem Eingang, ist für die Frauen in der Innenstadt von vornherein als Übergangslösung konzipiert. Die Bleibe in der Rudolf -Schuy-Straße ist Männern vorbehalten, die unter den Wohnsitzlosen deutlich stärker vertreten sind.

Wohncontainer als Übergangslösung

Dennoch gibt es schon seit geraumer Zeit Überlegungen von allen Beteiligten, auch für allein lebende Frauen eine Unterkunft zu schaffen, die abschließbare Zimmertüren zur Verfügung stellt, über ausreichende sanitäre Anlagen verfügt und in der auch eine Betreuung stattfinden kann. Ein entsprechendes Grundstück wurde mit Hilfe der Wohnsitzlosenhilfe der Caritas gefunden. Dort stehen nun drei Container mit Einzelzimmern, Duschen und Waschgelegenheiten zur Verfügung stellen. 

Die Bewohnerinnen dort werden wie die Männer in der Rudolf-Schuy-Straße durch die Caritas betreut, der Sicherheitsdienst ist ebenfalls auch für den neuen Standort zuständig. Die Bleibe in den Containern verschwindet, wenn das der Stadt gehörende Gebäude, Eckhaus Eisenbahnstraße/Wallstraße, von der  Wohnsitzlosenhilfe der Caritas in Richtung ihres neuen Domizils verlassen wird. So sieht es ein 2018 vorgelegtes Konzept der Verwaltung vor. Auch das benachbarte Gebäude, das sich im Besitz der Caritas befindet, soll in das Betreuungskonzept für Frauen integriert werden.

Geht alles glatt, soll dies 2024 der Fall sein. Bis dahin wird es die Brückengasse als Notunterkunft nicht mehr geben. Mit dem Bezug des Hauses in der Eisenbahnstraße wird es nach Angaben von Semanta Dejanovic jedoch auch möglich werden, Notunterkünfte in der Ste-Foy-Straße oder auch im Finken aufzugeben und zu räumen. Die Wohnungen können dann wieder anders genutzt werden.

Es fehlt Wohnraum für Menschen ohne Wohnsitz

Allerdings sind Stadt und Caritas dabei noch mit anderen Entwicklungen konfrontiert, die die Arbeit, die Begleitung und Betreuung erschweren. Die Zahl der Betroffenen nimmt zu. Ende 2017 lag die Zahl der in Notunterkünfte eingewiesenen Personen noch bei 70, hinzu kamen noch 14 Männer im Wohnheim der Caritas. Aktuell sind rund 120 Menschen von Obdachlosigkeit betroffen, etwa 90 von ihnen sind in Unterkünften der Stadt untergebracht. Daneben nimmt auch die Zahl der Personen mit psychischen Auffälligkeiten stetig zu, was die Anforderungen an die Betreuung erhöht und die Unterbringung in Wohnungen zusätzlich erschwert.

„Unsere gemeinsame Arbeit setzt auch auf Prävention, auf die Vermeidung von Wohnungslosigkeit. In Limburg selbst können wir hier immer wieder etwas bewirken. Doch der Zuzug aus Gemeinden außerhalb Limburgs nimmt zu, dort haben wir keine Möglichkeit zur Prävention“, macht der 1. Stadtrat Michael Stanke deutlich. Wichtig sei es jedoch auch, dass sich jede einzelne Kommune ihrer Verantwortung stellt. „Mein Eindruck: Das ist derzeit nicht der Fall“, so Stanke. Nach dem Hessischen Gesetz für Sicherheit und Ordnung (HSOG) ist jede Kommune verpflichtet; Menschen, die keine Wohnung haben und sich selbst nicht helfen können ein Obdach zur Verfügung zu stellen.

„Was wir täglich merken in unserer Arbeit: Es fehlt an bezahlbaren Wohnungen. Das ist grundsätzlich ein Thema, tritt in Limburg selbst jedoch verschärft auf“, sagt Harry Fenzl als Leiter der Wohnsitzlosenhilfe der Caritas. Nach seiner Einschätzung ist das ein Problem, dem sich die Gesellschaft in Gänze stellen muss. „Hilfe können hier viele leisten, das ist nicht an Verwaltung oder Politik gekoppelt“, macht Fenzl deutlich. Haus- und Grundstücksbesitzerinnen und -besitzer sind da ebenso aufgefordert wie Institutionen, Unternehmen, Vereine oder Kirchengemeinden, leer stehenden Wohnraum oder ganze Häuser zur Miete anzubieten. Auch Grundstücke für mobile Häuser oder Container können eine Hilfe sein. Interessenten können sich bei der Stadt Limburg unter (06431) 203290 oder per E-Mail an semanta.dejanovic@stadt.limburg.de melden.

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