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Ein bedeutender Künstler des Scherenschnitts wird 130

Heute vor 130 Jahren wurde Ernst Moritz Engert am Mittwoch, 24. Februar 1892 in Yokohama, Japan geboren. Bekannt ist er als anerkannter Meister der Scherenschnittkunst des 20. Jahrhunderts. Anlässlich seines 130 Geburtstages wurde der Engert Raum in den Limburger Kunstsammlungen neugestaltet.

„Wir haben Engerts Werke im Bezug zu anderen Künstlern, die sich ebenfalls mit der Scherenschnitttechnik auseinandergesetzt haben, gestellt. Außerdem wollen wir einen Überblick über sein Leben und seine Schaffensphasen zeigen“, erklärt Dr. Anna Vössing, Leiterin des Kulturamtes der Stadt Limburg.

Über 1000 Werke, unter ihnen Scherenschnitte, Zeichnungen und druckgrafische Blätter, umfasst die Sammlung der Ernst-Moritz-Engert-Stiftung, die der Künstler 1978 selbst gründete. Ausgesuchte Werke sind ständig in den Kunstsammlungen im zweiten Obergeschoss ausgestellt.

„Es ist sehr beeindruckend, was man aus der Technik des Scherenschnittes machen kann und ich freue mich, dass wir die Arbeiten eines so bedeutenden Künstlers in unseren Kunstsammlungen ausstellen“, erläutert Bürgermeister Dr. Marius Hahn.

Nicht nur die traditionellen Porträts, auch ganze Szenen fertigte Engert aus schwarzem Tonpapier mit einer Schere an. Dabei bestechen die Werke durch ihre Dynamik und die Wiedergabe von Bewegung. Zwar sind die Objekte abstrahiert, aber sie büßen dabei nicht ihren Detailreichtum ein.

„Bei der Betrachtung der Arbeiten muss man sich Zeit nehmen, um sich von den Nuancen beeindrucken zu lassen. Und obwohl die Arbeiten über 100 Jahre alt sind, muten sie doch sehr zeitgemäß an“, so Dr. Anna Vössing zu den Arbeiten von Engert.

Das Leben und Schaffen des Künstlers

Der Sohn eines Kaufmanns und Bankiers und einer Lehrerin und Journalistin floh 1900 aufgrund der Unruhen vor dem russisch-japanischen Krieg mit seinen Eltern nach Deutschland.

Mit 15 Jahren begann er, angeregt durch einen Jahrmarktbesuch in Rinteln, mit der Schere und schwarzem Papier zu arbeiten. Als Modelle für seine ersten Bildnisschnitte dienten ihm seine Familie und Mitschüler. Von 1909 bis 1911 studierte er an der Kunstschule von Wilhelm von Debschitz.

Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges pendelte er zwischen Berlin, Leipzig, München und Bonn, wo er unter anderem im Kabarett "Die Mördergrube" auftrat und an der ersten Ausstellung des Rheinischen Expressionismus im Kunstsalon Cohen teilnahm. Mit 22 heiratete er die Malerin Alice Clara von Anders mit der er drei Kinder hatte. Beide Söhne fielen im Zweiten Weltkrieg.

1917 wurde er aufgrund einer Verwundung an der Front zur Künstlerischen Figurenbühne des 1. Ersatzbataillons des 2. Bayerischen Infanterieregiments versetzt. Dort belebte er seine seit 1909 bestehende Liebe zum Schattenspiel, der er sich vor allem bis Anfang der 1920er-Jahre intensiv widmete, wieder. Er gestaltete Schattenfiguren auf Papier, die Ausgangspunkt oder Vorentwurf für die aus Sperrholz ausgesägten Figuren waren.

Mitbegründer der Darmstädter Sezession

Als Scherenschneider durch expressive Silhouetten und Grafiken machte er sich in bekannten Künstlerkreisen einen Namen. So fand er Aufnahme in den renommierten Kreis der Rheinischen Expressionisten um August Macke in Bonn und in die Darmstädter Sezession und wurde 1919, kurz nach dem Ersten Weltkrieg, einer der 21 Mitbegründer. Das noch heute verwendete Signet der Darmstädter Sezession, der Bogenschütze, stammt von ihm.

Für die Bonner Printmedien setzte er seine 1928 geleistete Arbeit von 1934 bis 1943 in Berlin fort. Im Auftrag verschiedener Berliner Tageszeitungen besuchte er, wie schon in Bonn, Theaterpremieren, hielt Szenen als Scherenschnitte fest, die dann am Folgetag in der Zeitung abgedruckt wurden. In Berlin lernte er 1932 auch seine zweite Frau Anna Luise Fischer kennen, mit der eine weitere Tochter hatte.

Umzug und Wirken in Hadamar

Im Zweiten Weltkrieg musste er als Kartograf dienen, bevor er 1944 Berlin verließ und nach Hadamar zog. Dort wurde er erneut eingezogen und geriet für kurze Zeit in Kriegsgefangenschaft. Nach Kriegsende wohnte er mit seiner Schwester Dora Engert, einer Hebamme, weiter in Hadamar im Haus seiner Eltern.

Eine Augenkrankheit führte dazu, dass er keine Farben mehr sehen konnte. Dies behinderte ihn jedoch nicht in seiner Arbeit, die gelegentlich, besonders bei Werbegrafiken, sogar farbig ausfiel. In den 1950er und 1960er-Jahren schuf Engert, in seinem Atelier der ehemaligen Synagoge in Hadamar für die Spielschar der Tilemannschule in Limburg Bühnenbilder, Kostüme und Plakate. Seine Sehfähigkeit nahm jedoch immer weiter ab, sodass er sich 1970 zwei Augenoperationen unterzog, die seine Sehfähigkeit vollständig wiederherstellte.

Bis er 1981 zu seiner ältesten Tochter Ursula nach Lich bei Gießen zog, arbeitete er in Hadamar, wo er nach seinem Tod 1986 beigesetzt wurde.

Die Engert Ausstellung ist nicht barrierefrei, kann jedoch digital hier https://www.limburg.de/Tourismus-Freizeit/Kunst-Kultur-/ besucht werden.

Vom 22.07. bis zum 18.09. wird parallel zu Engerts Werken die Ausstellung der Cut Out Gruppe angeboten. Die zeitgenössischen Künstler setzen sich ebenfalls mit der Technik der Scherenschnitte auseinander. So soll ein Bogen in die „Jetzt-Zeit“ gespannt werden.

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