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Zu viel Wasser, Baustelle am Emsbach macht Zwangspause

Die äußeren Zeichen sind nicht zu übersehen. Betonplatten in der Wiese, liegende Spundbohlen, eine Brücke über den Wasserlauf sowie ein Verbindungsgraben unterhalb des Wehrs im Emsbach zwischen dem Mühlgraben und dem Bachlauf, den es zuvor nicht gab. Alles deutet auf eine Baustelle hin. Eingerichtet ist sie, gearbeitet wurde dort auch schon, aber der Wasserstand im Bach lässt derzeit keine Arbeiten zu.

Im Verlauf des Emsbachs zwischen Lindenholzhausen und Ennerich soll eine neue Fischaufstiegsanlage gebaut werden. Aus artenschutzrechtlichen Gründen sind die Arbeiten in den Wintermonaten vorzunehmen und sollen daher eigentlich Ende Februar abgeschlossen sein. Das ist aber völlig unrealistisch, denn das Wetter in den zurückliegenden Wochen hat der Baustelle eine Langzeitpause verordnet. „Deshalb gab es auch schon Rücksprachen und Ortstermine mit der Oberen Wasserbehörde und der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium, denn aktuell gehen wir davon aus, dass frühestens Anfang März die Arbeiten wieder anlaufen können“, sagt Sabina Schmidt, Leiterin der Abteilung Kanalbau in der Stadtverwaltung. Damit werden die Arbeiten dann in die Frühlingswochen hineinreichen, was besondere Rücksicht im Bereich des Naturschutzes erfordert.

Ziel der Arbeiten ist es, an der Wehranlage kurz vor Ennerich eine neue Fischaufstiegsanlage zu bauen, die den Fischen im Bach auch ein Wandern und damit einen Aufstieg ermöglicht. An der Wehranlage ist bereits vor 30 Jahren eine Aufstiegsanlage gebaut worden. Mit dem dort gestauten Wasser wird eine privat betriebene Wasserkraftanlage versorgt, die den Bach zur Stromerzeug nutzt.

80 Meter langes Bauwerk

Wie Manfred Hastrich von der Kanalbauabteilung der Stadt mitteilt, erfüllt die alte Aufstiegsanlage jedoch ihre Funktion nicht. Deshalb wird sie entfernt und durch eine sogenannte raue Rampe ersetzt. „Dabei wird das Gefälle über eine viel längere Strecke verteilt. Außerdem wird es in dem neuen rund 80 Meter langen Bauwerk insgesamt 23 Becken mit 24 Riegeln geben, die den Fischen die Möglichkeit geben sollen, dass Wehr als Hindernis beim Aufstieg zu passieren“, erläutert Hastrich. Die 1992 errichtete Anlage habe genau dieses Ziel nicht erfüllt.

Bereits vor acht Jahren hat das RP auf die Problematik hingewiesen. Anlass dafür war eine geplante Erhöhung der Wehrkrone durch die Eigentümer der Wasserkraftanlage. Eigentümerin der Wehranlage ist die Stadt Limburg, die Eigentümer der Wasserkraftanlage müssen sich jedoch an den Kosten für die neue Fischaufstiegsanlage beteiligen.

Flutmulde als Ausgleich

Nach Angaben von Hastrich soll bei dem neuen Bauwerk möglichst viel Material der bestehenden Fischaufstiegsanlage verbaut werden. Nicht nur das geringe Gefälle ist dabei eine deutliche Verbesserung für die Fische, sondern auch die Konstruktion mit den zahlreichen Becken, die auch bei Niedrigwasser im Bach einen ausreichenden Wasserstand gewährleisten, um den Fischen einen Aufstieg zu ermöglichen. In dem Bach leben unter anderem Äschen und Groppen.

Zu dem verbesserten Naturschutz mit dem Aufbau der neuen Aufstiegsanlage gehört auch eine neu angelegte Flutmulde, die entlang des durch das Tal verlaufenden Weges (zugleich Radfernweg R8) entstehen soll. Die Flutmulde ist eine Ausgleichsmaßnahme zur Erhöhung der Wehrkrone, um die Wasserversorgung der Wasserkraftanlage zu verbessern und wird vom Betreiber der Stromgewinnungsanlage finanziert.

Um mit schwerem Gerät dem Bachlauf nahe kommen zu können, sind die Fahrwege mit Betonplatten ausgelegt. Allerdings ist der Untergrund nicht das einzige Kriterium, das Einfluss auf den Arbeitsablauf hat. Aufgrund der außergewöhnlich starken Niederschläge in den vergangenen Wochen ist der Wasserstand derart hoch, dass die Arbeiten bisher noch nicht wieder aufgenommen werden konnten.

Verbindungsgraben zur Entlastung

Wasser hat Kraft, das zeigt sich auch an der extra angelegten Verbindung zwischen dem Mühlgraben unterhalb der Wehranlage und dem Bachlauf. Da bei den Arbeiten kein Wasser über das Wehr in die Baustelle laufen darf, wurde die Krone zusätzlich erhöht. Dadurch fließt das komplette Wasser des Bachs zunächst durch den Mühlgraben in Richtung Wasserkraftanlage. Damit dort nicht zu viel Wasser ankommt, wurde der Ablauf angelegt, der wieder in den Emsbach fließt. Doch die Wassermassen haben diesen Verbindungsgraben erheblich ausgeweitet und Erde weggespült. Durch das Einbringen von Spundbohlen ist die fortschreitende Erosion zwischenzeitlich gestoppt worden.

Der angelegte Verbindungsgraben wird nach Fertigstellung der neuen Fischaufstiegsanlage verfüllt, die Wiese in ihren Ursprung versetzt und dann kann das Wasser seinen Weg wieder über Emsbach und Mühlgraben nehmen. Natürlich werden auch das Baufeld und die Wege wieder instandgesetzt.

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