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Erinnerung an 195 Opfer aus Limburg

Es wird schwerer, die Erinnerung an die Verbrechen in der nationalsozialistischen Zeit und an den Holocaust wach zu halten, denn immer weniger Zeitzeugen stehen zur Verfügung, um authentisch darüber zu berichten. Umso wichtiger ist es, das Erinnern auch in Form von Gedenktagen aktiv zu begehen, verdeutlichte Elena Kopirovskaja als Vorsitzende der jüdischen Gemeinde. Jüdische Gemeinde, Stadt Limburg und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit hatten sich darauf verständigt, aus Anlass des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar an die Limburger Opfer am Sonntag, 30. Januar, zu erinnern.

Aufgrund der Corona-Pandemie fand dieses Gedenken wieder in einem sehr kleinen Rahmen statt. Rabbiner Oleksandr Hofman machte nach seinem Totengebet deutlich, dass nur die Erinnerung und das Erzählen von und über den millionenfachen Mord an der jüdischen Bevölkerung davor bewahrt, dass sich diese schrecklichen Ereignisse wiederholen. Vor der Stele mit den Namen der jüdischen Opfer aus Limburg auf dem jüdischen Friedhof forderte Elena Kopirovskaja die Anwesenden dazu auf, alle derer zu gedenken, die in Limburg und den Stadtteilen ihre Heimat hatten und von dort aus deportiert und ermordet wurden. Die Vorsitzende las dazu auch die Namen der jüdischen Opfer vor.

„Ich schäme mich für jeden Namen, der hier genannt wird. Wir müssen deshalb immer wieder daran erinnern, was in diesem Land möglich war“, verdeutlichte Bürgermeister Dr. Marius Hahn. Er erinnerte an den Jahrestag der Wannsee-Konferenz, auf der vor 80 Jahren hochrangige Vertreter der NS-Reichsregierung und der SS die bürokratische Organisation des Holocaust besprachen … und sich anschließend zum Frühstück zusammensetzten.

Es erschrecke ihn, so Hahn, wie wenig heute gerade bei jüngeren Menschen über diese Verbrechen bekannt sei und er findet es geradezu abstoßend, wenn sich Teilnehmer von Kundgebungen oder an so genannten Spaziergängen einen Davidstern an die Kleidung heften und darunter den Schriftzug „Impfgegner“ anbringen. Der Limburger Bürgermeister hofft drauf, dass die Gedenkveranstaltung im kommenden Jahr wieder in einem größeren Rahmen stattfinden kann, damit das Erinnern sich besser verbreitet.

Nicht nur jüdische Bürgerinnen und Bürger wurden Opfer der NS-Diktatur, auch politisch Andersdenke, Gewerkschafter oder auch Behinderte wurden ermordet. Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker verlas die Namen der nichtjüdischen Opfer im Rahmen der Gedenkveranstaltung.

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