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Konzentriert, direkt, unverstellt und lustig

Im vergangenen Jahr erhielt die Autorin Lisa Krusche den Limburger Hans-im-Glück-Preis für ihr Manuskript „Das Universum ist verdammt groß und super mystisch“. Die Übergabe des Preises fand aufgrund von Corona auf dem Postweg (Urkunde und vergoldete Kugel) und per Überweisung (Preisgeld) statt. Den Aufenthalt in Limburg holte sie nun nach und verlängerte den Limburger Lesedom mit drei Lesungen in Limburger Schulen. Im Interview mit der Pressestelle lobte die Preisträgerin ihre Lesepublikum als konzentriert, direkt, unverstellt und lustig ... Kinder eben.

Noch einmal herzlichen Glückwunsch zu dem Hans-im-Glück-Preis. Können Sie sich daran erinnern, als Sie im vergangenen Jahr die Nachricht von dem Preis erhielten?

Lisa Krusche: Ich kann mich noch gut daran erinnern. Ich habe mich sehr über den Anruf gefreut, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich den Hans-im-Glück-Preis erhalte. Diese Anerkennung war für mich auch deswegen so besonders, weil die Figuren im Buch mir so am Herzen liegen, und es mein erstes Buch ist, dass nicht in der Schublade gelandet ist. Was mich zudem sehr gefreut hat, dass sich eine Jury für mein Manuskript entschieden hat, in der viel unterschiedlicher Sachverstand zum Thema Schreiben und Bücher zusammenkommt.

Der Preis ist bisher auch mit der Verleihung einer vergoldeten Kugel verbunden gewesen. Was ist mit der Kugel passiert, verstaubt sie jetzt irgendwo an einem dunklen Ort?

Lisa Krusche: Auf keinen Fall. Die vergoldete Kugel steht bei mir gut sichtbar im Wohnzimmer. Ich finde, das ist wirklich ein schöner Award und ein cooles Symbol für den Hans-im-Glück-Preis.  

Aber die Kugel ist nicht alles …

Lisa Krusche: Nein, es gab auch ein Preisgeld. Und das ist natürlich auch immer eine ziemlich gute Sache. Besonders im Corona-Jahr, in dem keine Lesungen stattfanden und deswegen ein großer Teil der Einnahmen als selbstständiger Schriftstellerin wegfielen.

Aus dem preisgekrönten Manuskript ist inzwischen ein Buch geworden. Hat der Hans-im-Glück-Preis dabei geholfen?

Lisa Krusche: Ich denke schon, dass ein Preis dabei hilfreich sein kann. Ich bin jedenfalls mit der Hilfe meiner Agentin nach der Vergabe des Hans-im-Glück-Preises bei Beltz gelandet. Ein großes Glück! Beltz macht ein feines Programm und einfach schöne Bücher. Ich bin auch sehr glücklich über mein eigenes Cover, das Felicitas Horstschäfer gestaltet hat. Das Buch ist Ende Juli erschienen. Es war ein aufregendes Jahr, im April kam ja schon mein Debütroman „Unsere anarchistische Herzen“ bei S.Fischer heraus.

In Ihrem preisgekrönten Buch kümmert sich die Hauptfigur Gustav um eine Wasserpflanze, die er Agatha nennt, er begibt sich auf eine Vatersuche mit seinem Großvater. Es ist zugleich eine Zirkusgeschichte und noch mehr. Wie kommt so etwas bei den Schülerinnen und Schülern an?

Lisa Krusche: Ich bin ja derzeit wirklich viel unterwegs und lese an ganz unterschiedlichen Orten. In Limburg war ich in vierten bis sechsten Klassen.

Die Kids hören auf jeden Fall immer konzentriert zu. Und sie stellen im Anschluss ganz unterschiedliche Fragen zu dem Buch, den Figuren, zum Schreibprozess. Manchmal auch zu ihrem eigenen Schreiben und wie man beispielsweise einen Verlag findet. Da sitzen ein paar zukünftige Kolleg*innen in den Stuhlreihen. Ich mag es, Kindern vorzulesen. Ihre Reaktionen sind viel direkter, lustiger, unverstellter als die von Erwachsenen.

Wie wichtig sind Ihnen solche Begegnungen?

Lisa Krusche: Es ist schön in diesen Resonanzraum zu treten. Das öffentliche Vorlesen ist für mich das Gegenteil des Schreibens. Beim Schreiben bin ich allein mit meinen Gedanken. Beim Vorlesen setze ich mich und das von mir Geschriebene dem Außen aus. Ich gehe auch noch mal in eine andere Auseinandersetzung mit dem Text, wenn ich mir überlege, was ich wie vortrage. Und manchmal gibt es bei Lesungen auch Impulse für kommende Projekte.

Lisa Krusche, 1990 in Hildesheim geboren, lebt als Schriftstellerin in Braunschweig. Sie ist die 27. Preisträgerin des Hans-im-Glück-Preises der Stadt Limburg. Im vergangenen Jahr erhielt sie zudem noch den Deutschlandfunk-Preis. 2019 war sie Stipendiatin des 23. Klagenfurter Literaturkurses und wurde mit dem Edit Radio Essaypreis ausgezeichnet. 2021 erhielt sie ein Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats im Literarischen Colloquium Berlin.

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