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Kultur live beim Limburger Lesedom

Spannende Krimis, Ausflüge zu Glücksorten im Westerwald oder in entfernte Länder und vergangene Zeiten, Tipps für Hundehaltung und mehr. Die Welt der Bücher ist vielfältig und bunt … und das trifft auch auf den Limburger Lesedom zu, der in diesem Jahr trotz Corona-Pandemie stattfand. Anders als in den Jahren zuvor, doch mit einem dankbaren Publikum und Autorinnen und Autoren, die sich freuten, ihre Werke wieder einmal öffentlich präsentieren zu können.

Limburgs Bürgermeister Dr. Marius Hahn brachte es während der Eröffnungsveranstaltung auf den Punkt: „Kultur live zu erleben ist doch etwas ganz anderes als eine digitale Präsentation.“ Zusammen mit etwas mehr als 30 weiteren Kulturinteressierten war er zu Gast im Kolpinghaus, in dem der Lesedom stattfand und wo Daniel Speck mit seinem Roman „Jaffa Road“ sowohl zu einer geografischen wie zu einer Zeitreise einlud. Geografisch spannt Speck einen Bogen von Berlin in den Mittelmeerraum und den Nahen Osten, zeitlich beginnt sein Werk in der Nachkriegszeit und führt in die Gegenwart. Speck verbindet die trennenden Welten seiner jüdischen, christlich und muslimischen Protagonisten und fordert in seinem Werk Verständnis und Versöhnung.

Davon war Andreas Föhr weit entfernt. Der Jurist schreibt Krimis, die er rund um den Tegernsee ansiedelt. „Unterm Schinder“ lautet ein Titel seiner Reihe mit Kommissar Clemens Wallner. In der Lesung gehörte die Aufmerksamkeit jedoch viel mehr dem Polizeiobermeister Leonard Kreuthner, der reichlich Chuzpe und Bauernschläue in sich vereinigt und auch nicht davor zurückschreckt, den Pfad des Gesetzes einmal kurz zu verlassen, um an gewünschte Informationen heranzukommen.

Roman und Wirklichkeit

Kein Wunder daher, dass Föhr im anschließenden Gespräch mit Moderator Johannes Siebenmorgen betonte, dass die tatsächlichen Kriminalfälle und die an den Ermittlungen und Aufklärung beteiligten Fachleute sich kaum als Vorlagen für Romane eignen. Föhr, der auch eine Vielzahl von Drehbüchern für bekannte und erfolgreiche Serien geschrieben hat, warb für die Form des Romans, da sie mehr Tiefe und Facettenreichtum zulasse.

Dass es einen deutlichen Unterschied zwischen geschriebenen Krimis und der tatsächlichen Arbeit an Kriminalfällen gibt, verdeutlicht auch der Podcast mit dem Titel „Rechtsmedizin – Dichtung und Wahrheit“, der vom Kulturamt parallel zum Lesedom angeboten wurde und der immer noch abrufbar ist. Professor Marcel A. Verhoff, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Frankfurt am Main, und Vanessa Nischik klären zum einen über Klischees auf, die der Rechtsmedizin als solche und dem Beruf des Rechtsmediziners anhaften, und geben zum anderen einen realen Einblick in den Alltag eines Rechtsmediziners.

Vielfältiger Lesedom

Der Samstagmorgen beim Lesedom war dann eine Hommage an den Westerwald, denn Autor Andreas Stahl stellte seine Glücksorte in der Mittelgebirgslandschaft vor. In seinem Band hat er 80 unvergessliche Erlebnisse zusammengefasst, alle eine Liebeserklärung an den Westerwald. Ganz im Zeichen der Hunde beziehungsweise der engen Verbindung zwischen Hund und Frauchen/Herrchen stand dann der Nachmittag mit Elli Radinger. Dabei thematisierte sie auch das Abschiednehmen von den geliebten Vierbeinern.

Peter Prange ist Bestsellerautor. Mit ihm verabschiedete sich der Lesedom in diesem Jahr. Prange stellte im Kolpinghaus sein neu erschienenes Werk „Traumpalast“ vor. Der Autor entführt dabei in eine überaus bewegte Zeit nach dem 1. Weltkrieg, in die wilden 20er Jahre in Berlin. Er beschreibt in seinem neuesten Roman die Entstehung der Ufa-Filmfabrik, der Traumfabrik. Zusammen gehalten wird der Plot von einer berührenden Liebesgeschichte. Das kann überaus spannend sein, denn in seinem Roman ist es Prange nach eigenen Angaben ein Anliegen zu verfolgen, wie es möglich wurde, dass ein Kulturvolk wie die Deutschen den Barbaren Hitler wählen konnte und sich damit selbst entmündigte.

Lob für die Veranstaltung

„Wir sind sehr zufrieden mit der Veranstaltung“, sagt Anna Vössing als Leiterin des Limburger Kulturamts. Zusammen mit ihren Kolleginnen und Silvia Kremer von der Dombibliothek haben sie den Lesedom unter erschwerten Bedingungen auf die Beine gestellt. „Es ist toll, den Bürgerinnen und Bürgern von Limburg und aus der Region eine solche Bandbreite an Autoren kostenfrei zugänglich zu machen“, sagt sie.

Nach den Lesungen gab es zahlreiche Rückmeldungen. Den Besucherinnen und Besuchern haben die Lesungen sehr gefallen und sie zeigten sich auch froh darüber, wieder einmal live bei einer kulturellen Veranstaltung gewesen zu sein, berichtet die Leiterin des Kulturamts. Und auch von den Autoren gab es Lob für das im Kolpinghaus verfolgte Hygienekonzept mit einer begrenzten Anzahl von Gästen.

Die Lesedom-Verlängerung

Auch wenn sich im Kolpinghaus die Türen des Lesedoms geschlossen haben, zu Ende ist er noch nicht. Mit Lisa Krusche ist die Hans-im-Glück-Preisträgerin des vergangenen Jahres noch zu Gast in der Stadt, sie hat drei Leseveranstaltungen in verschiedenen Schulen. Und auch der Podcast zur Rechtsmedizin ist weiterhin noch abrufbar unter https://www.limburg.de/Tourismus-Freizeit/Kunst-Kultur-/Limburger-Lesedom/

Der Limburger Lesedom ist eine Veranstaltung im Rahmen des Literaturfestivals Leseland Hessen und findet mit freundlicher Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen sowie hr2-kultur statt. Unterstützt wird die vom Magistrat der Kreisstadt und der Dombibliothek organisierte Veranstaltung von der EVL - Energieversorgung Limburg, der Kreissparkasse Limburg, der Sparda-Bank Hessen sowie dem Dom Hotel.

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