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Erst Chrysler Building New York, dann Dom Limburg

Oliver Fluck ist in Limburg geboren und aufgewachsen, hat an einigen Orten der Welt länger Station gemacht und fotografiert, inzwischen lebt er in Kopenhagen. Mit seiner Foto-Ausstellung „Mitternachtsspaziergänge – von Limburg bis Shanghai“ ist er aktuell in den Kunstsammlungen vertreten. Von der Besucherzahl ist es bisher die größte Ausstellung von Oliver Fluck. Im Gespräch äußert der Künstler sich über seine Heimatstadt, seine Lieblingsmotive und mehr.

Herr Fluck, als Fotograf haben sie einen geschulten, einen professionellen Blick auf Landschaften, Architektur, auf Gegenstände. Wie ist Ihr Blick auf Limburg?

Oliver Fluck: Wenn man so wie ich in so einer kleinen Stadt aufwächst, dann gehen die damit verbundenen Eindrücke und Bilder in Fleisch und Blut über. Wenn ich auf Limburg blicke, dann betrachte ich kein Objekt. Jeder Blick ist auch eine Zeitreise für mich. Die Erlebnisse, die ich mit Limburg verbinde, sind vor allem in den 1980er und 1990er Jahren.

Aber auch nachdem Sie Limburg verlassen haben, sind Sie ja immer wieder in die Stadt zurückgekommen.

Oliver Fluck: Das stimmt. Aber es ist dann nicht so, als wenn ich an einen für mich neuen Ort komme, den ich dann entdecke. Meine Sichtweise auf Limburg ist geprägt durch das, was ich als Kind und Jugendlicher erlebt und gesehen habe. Natürlich entdecke ich Neues. Zum Beispiel das Einkaufszentrum WERKStadt, das war plötzlich da, als ich aus den USA zurückkam. In der alten Bahn-Werkstatt hatte ich noch meine praktische Gesellenprüfung abgelegt. Oder der ICE-Bahnhof, der kam, als ich in Wiesbaden lebte. Für mich erkennbar sind auch Veränderungen in Blumenrod, wo ich groß geworden bin. Es hat sich baulich einiges verändert. Was mir jedoch besonders auffällt, sind die vielen Zäune.

In der Ausstellung präsentieren Sie Nachtaufnahmen, auch von Limburg. Ein Foto fällt dabei besonders auf: Ein Gullydeckel in der Domstraße mit dem Dom im Hintergrund.

Oliver Fluck: Das Motiv habe ich eigentlich aus New York mitgebracht. Da habe ich ein nächtliches Bild über den Gullydeckel mit dem Chrysler Building im Hintergrund gemacht. Ich habe dem Bild den Titel „Das Chrysler Building aus der Rattenperspektive“ gegeben. Das war 2009 und das Motiv ist total gut gelaufen, also ich konnte es gut verkaufen. Als ich dann 2011 wieder in Limburg war, habe ich mir   vorgenommen, auch hier Sehenswürdigkeiten so zu fotografieren. Das Bild mit Gullydeckel und Dom ist dann dabei herausgekommen.

Gibt es Unterschiede in der Bebauung, bei denen Sie mal besser und mal schlechter Motive finden?

Oliver Fluck: In Deutschland fällt es mir schwer zu fotografieren. Fotografieren heißt für mich auch immer: Entdecken! Da ist mir Deutschland vielleicht einfach ein bisschen zu vertraut. Grundsätzlich geht es bei mir um Geometrie und um Lichtsituationen. In den USA finde ich die meisten Motive. Das hat viel mit der dort vorhandenen Architektur und mit dem Licht in den Städten zu tun. Da gibt es für mich sehr reizvolle Motive: viktorianische Gebäude oder Holzbauweisen und warme Anstriche, breite Straßen und die großen Städte, da wirkt oft cinematisch-filmisch   und hat dadurch einen speziellen Reiz für mich.

Und was passiert dann?

Oliver Fluck: Ich habe das Bild, wie es werden soll, meist schon im Kopf. Manchmal muss ich dann auf das richtige Motiv warten. Mit nachträglichen Bearbeitungen der Bilder gehe ich sehr zurückhaltend um. Es gibt schon mal die Situation, dass ich digital Müll entferne, Kaugummiflecken auf dem Boden wegmache oder auch Aufkleber verschwinden lasse, ansonsten sind die Bilder aber ungestellt und reale Momentaufnahmen. Lediglich bei den Kontrasten des Bildes arbeite ich dann wirklich mal nach.

Die Ausstellung von Oliver Fluck ist noch bis 5. September in den Kunstsammlungen der Stadt Limburg zu sehen. Die Kunstsammlungen sind geöffnet Dienstag und Mittwoch von 8.30 bis 14 Uhr, Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Ein Besuch ist aktuell nur mit Einhaltung der 3G-Regel möglich.

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