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Vor 100 Jahren wurde Josef Kohlmaier geboren

Vor 100 Jahren, am 3. Juli 1921, erblickte im pfälzischen Ginsweiler der Sohn eines Maurers das Licht der Welt, der zu einem der bedeutendsten Bürgermeister der Stadt Limburg werden sollte: Josef Kohlmaier. Aus diesem Anlass erinnert Bürgermeister Dr. Marius Hahn an das Wirken Kohlmaiers. Am 3. Juli wird er am Grab des Verstorbenen ein Blumengebinde niederlegen.

Von Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker

Nach Ablegung der Mittleren Reife 1938 am Gymnasium Bad Kreuznach wurde Josef Kohlmaier im Alter von 17 Jahren zum Reichsarbeitsdienst eingezogen und musste bald darauf den Wehrdienst ableisten. Als der Krieg ausbrach, war er noch Soldat und blieb es nun bis zum bitteren Ende 1945, zuletzt im Rang eines Oberfeldwebels.

Nach kurzer Kriegsgefangenschaft trat Josef Kohlmaier in den Dienst der Militärregierung im Sachgebiet „Kunst- und Gebäudeschutz“. Ab Februar 1947 war er dann als Sachbearbeiter im Regierungspräsidium Wiesbaden tätig, ab 1950 als geschäftsführender büroleitender Beamter. Für seine Tätigkeit erhielt er viel Anerkennung. So heißt es in einer Beurteilung: „Starke Entschlussfreudigkeit und Initiative, die zuweilen sogar etwas gebremst werden muss. – Scheut sich nicht, eine von ihm als richtig erkannte Auffassung gegenüber Vorgesetzten und nachgeordneten Stellen in sachlicher Art und Weise zu vertreten.“

Eine Stimme mehr

Als zum 1. Januar 1965 das Bürgermeisteramt in Limburg frei wurde, sah Kohlmaier, inzwischen 43 Jahre alt, die Chance zu einem Karrieresprung. Er bewarb sich und vermochte es, die Stadtverordneten von SPD und FDP von sich zu überzeugen. Die CDU nominierte den Hannoveraner Regierungsrat Dr. Elmar Vogels. Dieser bekam bei der Wahl zwölf Stimmen (wohl alle von der CDU), Kohlmaier erhielt eine mehr und war somit zum neuen Limburger Bürgermeister gewählt.

Am 1. April 1965 trat er das Amt an. In seiner Antrittsrede forderte er die Parteien auf, ihren Streit, den sie wegen der Besetzung des Bürgermeisterpostens ausgefochten hatten, nun zu begraben und konstruktiv zusammenzuarbeiten. Kohlmaier sollte nun für mehr als 20 Jahre das Ruder in der Hand halten. 1970, 1974 und 1980 wurde er im Amt bestätigt, davon zweimal einstimmig. Nur Christian Hartstein (1836 bis 1876) und Andreas Schlitt (1878 bis 1900) standen länger an der Spitze Limburgs.

Prägend für Limburg

In den zwei Jahrzehnten von Kohlmaiers Amtszeit veränderte Limburg sein Gesicht sehr stark. 1967 vollzog Kohlmaier den ersten Spatenstich für die Wohnstadt Blumenrod. Auch wurde die Stadt durch die Gebietsreform deutlich größer. Die vom Bürgermeister favorisierte große Lösung, nach der neben den heutigen Stadtteilen auch Elz, Diez, Holzheim, Malmeneich, Steeden, Ennerich und Dehrn zu Limburg gekommen wären, konnte er zwar nicht durchsetzen, doch verdoppelte sich zwischen 1971 und 1974 die Einwohnerschaft.

Wenn es darum ging, für Limburg etwas zu erreichen, ging er mitunter hemdsärmelig vor, ohne den Dienstweg zu beachten. Landrat Heinz Wolf war darüber wenig amüsiert. So gelang es Kohlmaier zum Beispiel, Ahlbach für einen Beitritt zu Limburg zu gewinnen, ohne dass es eine Landverbindung zwischen beiden Orten gegeben hätte. Doch damit hatte der Bürgermeister ein schlagkräftiges Argument, das wirtschaftlich interessante Offheim ebenfalls zu Limburg zu holen.

Zu den in Kohlmaiers Amtszeit begonnenen Projekten, die bis heute fortwirken, zählt die Altstadtsanierung. Dieser Teil der Stadt war in den 1960-er Jahren heruntergekommen. Nach 1970 begann die Wiederherstellung, und das so erfolgreich, dass Limburg 1979 eine Goldmedaille im Bundeswettbewerb „Stadtgestalt und Denkmalschutz“ erhielt. Ein weiteres wichtiges Projekt war der Bau des Schiede-Tunnels und der Lichfield-Brücke, durch die der Verkehrsfluss durch die Stadt deutlich verbessert wurden.

Namensgeber der Stadthalle

War Josef Kohlmaier 1965 als parteiloser Kandidat, aber favorisiert von SPD und FDP, ins Rennen um den Limburger Bürgermeistersessel angetreten, so entschied er sich 1973, Mitglied der CDU zu werden. Im Mai 1985 erklärte Kohlmaier, dass er zurücktreten wolle, ein Jahr vor Ablauf seiner Amtszeit. Am 30. November 1985 hatte er seinen letzten Arbeitstag. Mit dem Ausscheiden ernannte die Stadtverordnetenversammlung ihn zum Ehrenbürger (als dritter Bürgermeister nach Andreas Schlitt 1901 und Joseph Schneider 1960) und verlieh ihm den Titel „Altbürgermeister“. Kohlmaier trug das Bundesverdienstkreuz und war Offizier des belgischen Kronenordens. Diese Auszeichnung hatte er erhalten für die Hilfeleistung der städtischen Dienststellen nach dem verheerenden Busunglück 1966 auf der A3 zwischen Werschau und Niederbrechen, bei dem 34 Menschen ums Leben gekommen waren.

Seinen Lebensabend verbrachte Kohlmaier in Dietkirchen und zeitweise in seinem Geburtsort Ginsweiler in der Pfalz. Am 3. August 1995 starb er im Alter von 74 Jahren und wurde auf dem Limburger Hauptfriedhof beigesetzt. 1996, als er 75 Jahre alt geworden wäre, erhielt die in seiner Amtszeit erbaute Stadthalle den Namen „Josef-Kohlmaier-Halle“.

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