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Die ehemaligen Gärten am Limburger Schloss sollen wieder freigelegt und in ihrer Struktur sichtbar gemacht werden. Dazu ist es notwendig, das Areal zu roden. Das sorgt für Aufregung in der Netzgemeinde und teilweise auch in der Stadt. Dabei wird der Stadt die Vernichtung eines Biotops vorgeworfen. Der am Donnerstag vorgesehene Auftakt für die Räumung des Geländes ist abgebrochen worden, da einige der etwa 20 Protestierenden das Gelände betraten und damit ein Arbeiten mit Kettensägen nicht möglich war. Die Arbeiten sollen dennoch möglichst zügig aufgenommen werden.

Das Areal unterhalb des Schlosses war viele Jahre sich selbst überlassen. Die Bäume, die sich auf dem felsigen Untergrund angesiedelt haben, sind auf Dauer nicht standsicher.

Der Bereich unterhalb des Schlosses war in den vergangenen Jahren oder sogar Jahrzehnten sich selbst überlassen. Dort haben sich Pflanzen und Bäume, vor allem Robinien, angesiedelt, es ist ein Stück Natur in der Altstadt. Allerdings gibt es schon seit mehreren Jahren die Absicht, die alte Struktur der Gärten, die zum Schloss gehörten und bis ins 19. Jahrhundert regelmäßig bewirtschaftet wurden, wieder sichtbar und erlebbar zu machen.

Die Stadtverwaltung hatte, wie stets in der jüngeren Vergangenheit, den Eingriff in die Natur angekündigt, und dabei auf die Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege verwiesen. Zudem wurde in der Mitteilung auf die Schäden am Mauerwerk verwiesen, die mit dem Wurzelwerk der Bäume in Verbindung stehen. Verstärkend kommt gegenüber den ursprünglichen Kriterien die Verkehrssicherungspflicht hinzu. Im Rahmen einer Besichtigung nach den Sturm Frederike wurde aus fachlicher Sicht geraten, die Bäume auf dem Areal zu fällen. Es besteht die Gefahr, dass Bäume oder Äste auf das Areal der Kindertagesstätte „Am Huttig“ fallen können. Nach Einschätzung eines von der Stadt beauftragten Baum- und Artenschutzgutachters ist bei keinem Baum dauerhaft die Standfestigkeit zu gewährleisten. Robinen besäßen relativ flache Wurzel, die häufig zu Würzelfäule neigten. Zudem zeige sich an einigen Wurzeln, dass sie sich schon teilweise gelöst haben.

Baum auf Fels

Auf dem felsigen Untergrund finden die Wurzeln vor allem in Spalten und Rissen des Felsens halt. Die Stadt hat gerade auf dem Gelände des Schützenvereins im Eduard-Horn-Park die Erfahrung machen müssen, dass die Kombination aus Fels und Baumbewuchs auf Dauer Gefahren birgt. Auf dem Gelände, nach Angaben des Schützenvereins ein ehemaliger Steinbruch, hat es einen Felssturz gegeben, das Außenareal ist deshalb gesperrt. Ein geologischer Gutachter sieht in dem Baumbestand eine wesentliche Ursache für den Feststurz. Die Stürme im Januar hätten erheblich an den Bäumen gezerrt, die Bewegung habe sich auf die Wurzeln übertragen und dies wiederum die Gesteinsformation gelöst.

Nach Einschätzung des Kreisverbands des Naturschutzbundes Deutschland gilt die Robinie als problematischer Neophyt, der die Artenvielfalt bedrohen kann. Besondere Bäume, die als sogenannte Charakterbäume zu erhalten wären, seien auf dem Areal am Schloss nicht zu erkennen. Die Brombeersträucher als Rückzugsareal für Igel, Reptilien und Amphibien sollten erhalten werden. Nach Einschätzung des Nabu könnte die Umgestaltung des Bereichs und die Entfernung des Baumbestands zu einer Erhöhung der Artenvielfalt führen und dort sich zum Beispiel die besonders schützenswerten Zauneidechsen ansiedeln. Dieser Anregung wird die Stadt Rechnung tragen.

Langer Prozess

Es sind bereits Bäume auf dem Areal umgestürzt.

Nach Angaben der Stadt zieht sich der Prozess zwischen der Entscheidung zum Freilegen der historischen Gärten und der Umsetzung leider etwas zu lange hin. Die Anregung des Landesamtes durch den zuständigen Konservator für die Gartenpflege resultiere aus dem Jahr 2013. Von dieser Empfehlung ist der Ausschuss für Umwelt und Energie im März 2013 informiert worden. Dort gab es keinen Widerspruch gegen das Vorhaben. Nach den ursprünglichen Plänen sollte der Freischnitt in mehreren Etappen vorgenommen werden und sah zunächst auch nicht alle Bäume vor.

Die Umsetzung ist dann zeitlich immer weiter geschoben worden, um in den Bereichen Schloss, Schlossanlage und Domplateau im Ganzen weiterzukommen. Was dort geschehen soll, ist rund um die „Sanierung Schloss“ immer wieder mal thematisiert worden. Intensiver wurde die Beratung mit dem von der Stadtverordnetenversammlung 2016 ins Leben gerufenen Arbeitskreis „Domplateau“. Dieser Arbeitskreis aus Vertretern der einzelnen Fraktionen, des Ortsbeirates, des Behindertenbeirates, des Denkmalschutzes sowie der Kirche und der Stadtverwaltung beschäftigte sich wiederholt auch mit dem Thema Schlossgarten. Im Mai 2017 fand ein Ortstermin statt, bei dem das geplante Freischneiden bestätigt wurde, der Magistrat wurde in seiner jüngsten Sitzung über das Vorhaben und dessen Erweiterung aufgrund der fehlenden Standsicherheit informiert und hat es einmütig gebilligt.

Gewerbeschule und Museum

Ziel ist es, die Struktur der Gärten wieder erkennbar werden zu lassen. Wie dies konkret geschehen soll, kann erst nach einer Bestandsaufnahme erfolgen. Bekannt ist, dass die Gärten genutzt wurden, um Kräuter oder gegebenenfalls auch Gemüse anzubauen. Diese Nutzung geht in die Ursprungszeit des Schlosses zurück und ist seit Jahrzehnten nicht mehr verfolgt worden. Die Nutzung als öffentlich begehbarer Kräutergarten ist angestrebt. Die Stadt betreibt bereits seit vielen Jahren einen Kräutergarten in Blumenrod.

Die unterschiedliche Nutzung des Schlosses als Gewerbeschule (mit Beginn der 1880er-Jahre), Diözesanmuseum (1905 bis 1976), als Standort des Landesinstituts für Pädagogik oder als Treffpunkt der Jugend führte dazu, dass die Gärten immer mehr sich selbst überlassen waren und Bäume und Buschwerk wild sprießen. (Hinweis: In dem ursprünglichen Artikel ist die vorherrschende Baumart fälschlicherweise als Rubinie bezeichnet worden).

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