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Datum: 04.03.2020

Über hundert Nachtwächter kommen nach Limburg

Sie zogen nachts durch die Straßen und Gassen der Stadt und sorgten für Ruhe und Ordnung. Sie warnten die schlafenden Bürger vor Feuern, Feinden und Dieben und achteten darauf, dass die Stadttore abgeschlossen sind: Die Nachtwächter. Heute gibt es diesen Beruf zwar nicht mehr, aber die „Deutsche Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, an diese Tradition zu erinnern, aber auch an die Tradition anderer historischer Figuren.

Einmal im Jahr kommen die über 200 Mitglieder des Vereins aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich zusammen, um sich auszutauschen und um sich weiterzubilden. Diesmal findet das Treffen von Freitag, 27. März, bis Sonntag, 29. März, in Limburg statt. 2019 traf sich der Verein in Wien, 2018 in Zwickau. Bisher haben sich über 100 Teilnehmer zu dem Treffen angekündigt.

„Durch seine historische Altstadt eigene sich Limburg ideal als Ort für das Treffen und natürlich auch durch unsere sehr engagierten Nachtwächterinnen und Nachtwächter“, sagt Bürgermeister Dr. Marius Hahn, der Schirmherr des Treffens ist.

 Nachtwächter führen bereits seit 13 Jahren durch Limburg

Bereits seit 13 Jahren führen acht Nachwächter, die zum Verkehrs- und Verschönerungsverein gehören, in traditioneller Gewandung Besucherinnen und Besucher durch die Stadt, berichten über den früheren Beruf und auch über die Stadt. „Ich freue mich sehr, so viele Kollegen in Limburg begrüßen zu dürfen“, sagt Ralph Elst, der Sprecher der Limburger Nachtwächter. Seit Mai 20019 ist er mit den Planungen für das große Treffen beschäftigt.

Das besondere Highlight des Treffens ist der öffentliche Auftritt aller Nachtwächter und historischer Figuren in ihren Gewändern am Samstag, 28. März, ab 15.30 Uhr in der Limburger Innenstadt. Die Nachtwächter ziehen dabei vom Rathaus in der Werner-Senger-Straße über den Neumarkt zum Kornmarkt. Dort werden alle Figuren und ihre zugehörigen Gruppen öffentlich vorgestellt. Auf ihrem Weg durch die Innenstadt erzählen die Nachtwächter und Figuren Geschichten und geben Einblicke in die Führungen, die sie in ihren Heimatstädten durchführen.

 

Drei Fragen an Ralph Elst, Nachtwächter in Limburg:

Was reizt sie an dem Beruf beziehungsweise der Figur des Nachtwächters?

Ich schlüpfe in eine Figur welche lange Zeit als unehrenhafter Beruf galt und welche bei seinen Rundgängen die eine oder andere Geschichte erlebte. Davon erzähle ich dann gerne. Indem ich die Kleidung, Hellebarde und Laterne eines Nachtwächters anlege fühle ich mich der Figur verbunden.

Welche Geschichten erzählen Sie als Nachtwächter in Limburg?

Eine Geschichte ist die Herkunft des Begriffs Torschlusspanik. Zu den Aufgaben des Nachtwächters gehörte es, die Tore der Stadt zu schließen. Kurz vorher wurde ins Horn geblasen, damit all die Frauen, draußen vor den Toren gearbeitet hatten, wussten, dass das Tor geschlossen wird. Oft gerieten die Frauen in Panik, wenn sie spät dran waren –Torschlusspanik also.

Gerne erzählen wir auch, dass es schon im Mittelalter High Heels gab. Gemeint sind damit die Trippen, also hölzerne Erhöhungen, die man unter die Schuhe schnallt, damit diese bei Regen und Matsch sauber bleiben. Den unsicheren und schwankenden Gang, der dadurch hervorgerufen wurde, nennt man heute noch „Trippeln“.

Warum sollte man eine Nachtwächterführung in Limburg besuchen?

In den Führungen erzählen wir nicht nur vom Beruf des Nachtwächters, sondern auch vom historischen Limburg. Wir zeigen, wo der damalige Haupthandelsweg von Köln nach Frankfurt durch Limburg führte, erzählen von der Pestwelle 1349 oder zeigen den Schinderhannes-Keller im Werner-Senger-Haus.

Vielleicht hören wir auch das eine oder andere Liebesgedicht, welches im Mittelalter der Angebeteten unter ihrem  Fenster dargebracht wurde.

 

Nachtwächterführungen

Die Nachtwächterführungen finden in den Wintermonaten von November bis Ende März jeden ersten Samstag im Monat um 19 Uhr statt, in den Sommermonaten jeden Samstag um 20 Uhr. Eine Führung dauert und 1,5 Stunden. Treffpunkt ist die Plötze. Der Eintritt kostet 8 Euro, für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren 4 Euro.

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