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Kunstpreis der Stadt Limburg geht an Jürgen Noltensmeier aus Leipzig

„Der Kunstpreis 2021 war zum Thema „Makellos?“, wobei das Fragezeichen durchaus als bedeutsam begriffen werden sollte“, informiert Anna Vössing, die Leiterin des Kulturamtes der Stadt Limburg. Insgesamt reichten 79 Künstlerinnen und Künstler eine Bewerbung ein und nach der Sichtung der höchst vielfältigen Ideen und Arbeiten, entschied sich die Jury einstimmig, den Kunstpreis 2021 an den in Leipzig lebenden Maler Jürgens Noltensmeier zu verleihen. „Neben Noltensmeier, der das Thema beispiellos umgesetzt hat, begeisterten auch die Bewerbungen der Künstler Renate Bühn, Frenzy Hoehne, Burkhard Kern, Paula Pelz alias Jan Hendrik Pelz, Grit Reiss, Benjamin Vogel und Thomas Witzke.

Die Jury begründet die Wahl wie folgt:

Jürgen Noltensmeiers Arbeiten sind im besten Sinn realistisch zu nennen. Jedoch ohne einen fotografischen Realismus zu bestärken, obwohl Fotografien seinen Arbeiten als Merkskizzen und Themensammlung vorausgehen.
Sein Thema sind Häuser, eigentlich eher Fassaden - anonyme Gleichförmigkeiten, lediglich durch hier und da aus dem Raster von Fenstern, Türen oder Balkongeländern ausscherenden Asymmetrien gestört. Es sind Fassaden, die mit Eternit, Plastikschindeln oder Verbundwerkstoffen manchmal so verdeckt sind, dass ihre hinterliegende Struktur und Bauweise nicht mehr sichtbar ist. Jürgen Noltensmeier beobachtet genau und referiert mit einer gewissen anteilnehmenden Prägnanz. Sowohl seine Bilder von kompletten Ansichten als auch seine Nahsichten, z.B. von Fenstern oder Balkongeländern, sind geprägt von Distanz und Nähe. Distanz wird erzeugt durch das hermetisch Abgeschlossene der Darstellung - von Flächen, Vertikalen und Horizontalen der Norm–Architektur, die kein weiteres Eindringen in die Raumtiefe und das Dahinter nahelegt. Die Nähe erzeugt Jürgen Noltensmeier durch seine Maltechnik. In zügigem Duktus setzt er großzügige, lasierende Farbbahnen in die sorgfältig angelegte Komposition. Diese ergeben Flächen, die wir Wand, Balkon oder Fenster nennen. Aus Grau, Ocker, abgetöntem Weiß, Blau-Grün und Gelb, sowie zartem Rosa im Hintergrund erzeugt er feinste, hochästhetisierte Nuancen angeschmutzter Alltagsfarben. Durch diese Aspekte kann man viele seiner Bilder auch als abstrakt bezeichnen, abstrakt im Wortsinn: „als auf das Wesentliche reduziert“.
Welch eine Malerei?! Alles ist gleichzeitig und untrennbar verbunden. Wir sehen immer das Thema „Makellos?“, dass nicht makellos ist und oft von Unwirtlichkeit bestimmt wird. Zu sehen ist aber auch, dass es „nur“ Fläche, Geometrie und Duktus der ineinander verwobenen und übereinander liegenden Farben sind, die unsere Blicke festhalten. Solches ist die Essenz jahrelanger, intensiver Erfahrungen des Malers, seines Sehens, Reflektierens und seiner genauso freien wie präzisen Wiedergabe. Jürgen Noltensmeiers kontrolliert freie Malerei ist in sinnlich wahrnehmbarer Hinsicht makellos.“

Preisverleihung und Ausstellungseröffnung finden am Freitag, 17. September 2021 um 19:00 Uhr in den Kunstsammlungen der Stadt Limburg gemäß den dann geltenden Verordnungen und Allgemeinverfügungen zur Bekämpfung des Corona-Virus statt. Ausstellungsdauer: bis 21. November 2021.

Veranstalter
Magistrat der Kreisstadt Limburg a. d.Lahn / Förderkreis Bildende Kunst Limburge. V.
mit freundlicher Unterstützung der Kreissparkasse Limburg

Der Preis

Künstlerinnen und Künstler werden aufgefordert, sich mit einem eigenen Ausstellungskonzept zu bewerben, in dem sich das gestellte Thema widerspiegelt. Das prämierte Projekt wird von Mitte September bis Mitte November in den Kunstsammlungen der Stadt Limburg vorgestellt. Alle Techniken sind zugelassen. Eine Altersbegrenzung besteht nicht. Voraussetzung für die Bewerbung ist eine künstlerische Ausbildung sowie eine regelmäßige künstlerische Tätigkeit. Der Preis wird grundsätzlich nicht geteilt. 

Das Ziel

des Preises ist es, durch das Preisgeld und die Ausstellung Künstlerinnen, Künstlern bzw. Künstlergruppen die Möglichkeit einzuräumen, eigene, bereits vorhandene oder neue Vorstellungen und Werke mit der gestellten Thematik zu verbinden, daraus ein individuelles Ausstellungskonzept für die als Anlage beigefügten Raumpläne der Kunstsammlungen der Stadt Limburg zu entwickeln und damit an die Öffentlichkeit zu treten. Die Jury trifft bewusst keine inhaltlichen Aussagen zum gestellten Thema, damit eine eigene Definition gefunden wird und eine unabhängige Umsetzung erfolgen kann. Der Preis wird grundsätzlich nicht geteilt. 

Die Jury

  • Johannes Bröckers, Journalist
  • Dr. Gabriel Hefele, Kunsthistoriker
  • André Kramm, Architekt, Vorsitzender des Förderkreises Bildende Kunst Limburg e. V.
  • Eckhard Kremers, Künstler
  • Anna Vössing, Leiterin des Kulturamtes der Stadt Limburg 

Kunstpreis der Stadt Limburg 2021: “Makellos?“