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Hans-im-Glück-Preis geht an Sarah Jäger

Ein Novum beim „Hans-im-Glück-Preis“: erstmalig werden zwei Einreichungen einer Autorin ausgelobt. Die Bucheinsendungen „Nach vorn, nach Süden“ und „Die Nacht so groß wie wir“ von Sarah Jäger überzeugten die Jury des Jugendliteraturpreises der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn, wobei „Nach vorn, nach Süden“ das Ge-winnerbuch darstellt.

 „Die Autorin setzte sich gegen 98 Mitbewerber*innen durch. Insgesamt wurden 47 Bücher und 51 Manuskripte eingereicht, informiert Anna Vössing, die Leiterin des Kulturamtes der Stadt Limburg.“

„Die Sprache ist es, die uns von Anfang an in den Bann gezogen hat. Und die so behutsam wie ungewöhnlich gezeichneten Figuren. Das muss man können. Sarah Jäger ist neu in der Jugendbuchszene, aber reich an Erfahrung. Die Essener Buchhändlerin hat bei McDonalds gejobbt und im Call-Center einer Bank gearbei-tet, hat als ausgebildete Theaterpädagogin mit Jugendlichen Themen erarbeitet und Stücke geschrieben. Sie weiß, worüber sie schreibt, und das merkt man.

In ihren beiden ersten Romanen tasten die einzelnen Figuren die anderen Figuren ab, sodass sich für die Leserin nach und nach eine Biografie erschließt und die komplexen Beziehungen der Jugendlichen untereinander sichtbar werden. So ver-hindert Sarah Jäger einen auktorial überheblichen Erzählgestus, die Figuren wirken nicht überzeichnet, sondern werden mit fühlbarer Sympathie ertastet, erschlossen. In »Nach vorn, nach Süden« stammen die Protagonist*innen bis auf die unsi-chere Erzählerin Lena aus dem prekären Milieu, eher eine Seltenheit im deutsch-sprachigen Jugendbuch, und bilden eine Schicksalsgemeinschaft, verbunden durch ihre Aushilfsjobs im örtlichen Penny-Markt. Dort, im Hinterhof des Supermarkts, hängen sie ihren Träumen nach, sind einander Stützen und Familienersatz und entschließen sich, nach Jo zu suchen, der vor einem halben Jahr aus ihrer Gruppe verschwunden ist und nur ab und an eine Postkarte von unterwegs schickt. So beginnt ein Roadmovie mit ganz unterschiedlichen Motivationen für die Reise, aber Jäger bleibt nicht an der Oberfläche, sondern geht episodisch in belastende Erkenntnisse aus der Vergangenheit ebenso hinein wie in die Zukunftsängste, schildert die sich entwickelnde Gruppendynamik.

Das gilt auch für „Die Nacht so groß wie wir“, die im Zeitraum eines einzigen Tags den Zerfall einer Freundesclique beschreibt, die Nacht einer entgleisten Abiturfeier, in der verschwiegene Geheimnisse an den Tag kommen und sich jeder von ihnen einem eigenen Abgrund stellen soll. Haben sie bislang geglaubt, sie wüssten alles voneinander, müssen sie nun erkennen: Es ist nicht so. Jede und jeder muss seine eigenen Dramen durchstehen. Ähnlich wie die Penny-Markt-Freunde fehlt auch ihnen ein familiärer Rückhalt, die Clique ist Schutzschild und Rückzugsort“, so die Begründung der Jury.

Die Preisverleihung findet am Dienstag, 18. Oktober 2022 um 19.00 Uhr im Historischen Rathaus (Fischmarkt 21, 65549 Limburg a. d. Lahn) gemäß den dann geltenden Verordnungen und Allgemeinverfügungen zur Bekämpfung des Corona-Virus statt. Eine Lesung mit Sarah Jäger findet am Mittwoch, 19. Oktober 2022 in der WERKStadt Lounge (Bahnhofsplatz 2, 65549 Limburg a. d. Lahn) statt. Die genaue Uhrzeit wird noch bekannt gegeben.

Die Jury

Jutta Bummel, Buchhändlerin,
Gabriele Fachinger, Bibliothekarin,
Jutta Golz, Bibliothekarin,
Dr. Stefan Hauck, Fachredakteur beim Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel
Ralf Schweikart, M. A., Redakteur und freier Journalist.

Der Preis

Der Preis wurde im Jahr 1977 von dem Schriftsteller Hans-Christian Kirsch und seiner Frau gestiftet. 1987 wurde er von der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn als Förderpreis für Jugendbuchautoren und -autorinnen übernommen. Er wird im Turnus von zwei Jahren vergeben. Der Preis war bisher mit 3.000,00 Euro dotiert und mit der Übergabe einer Kugel mit 24-karätiger Blattvergoldung verbunden. Nun gibt es erstmals ein Preisgeld in Höhe von 3.500,00 Euro, der nun überreichte symbolische Preis besteht aus einer Feder und einem Tintenfass aus Glas, ein Kunstwerk der Glasfachschule Hadamar.


Geschichte des Preises

Der Hans-im-Glück-Preis wurde 1977 von dem Schriftsteller Hans-Christian Kirsch und seiner Frau Elinor als Jugendbuchpreis gestiftet. Als eine Art "Opfer an die Götter" empfanden sie damals den Preis für Anfänger unter den Jugendbuchautoren und -autorinnen, den sie selbst jährlich mit 2.000 DM, einem Westerwälder Krug und einer Woche Schreibklausur in ihrem Haus in Nomborn ausstatteten. Der Name "Hans im Glück" deswegen, weil er seine Glücksgüter bedenkenlos und glücklich verschenkte.

Die Initiative für die erste Ausschreibung des Preises entsprang der Erfahrung, wie schwer es im Literaturbetrieb gerade jungen bzw. unbekannten Autoren gemacht wird, sich mit ihren ersten Veröffentlichungen durchzusetzen.

1987 wurde der von der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn als Förderpreis für Jugendbuchautoren und-autorinnen übernommen. Die Übernahme unterstreicht die Bedeutung des Literaturpreises für die kulturell interessierte Öffentlichkeit und sichert sein Bestehen auf Jahre hinaus.

Der Hans-im-Glück-Preis wird seit 1990 alle zwei Jahre an Autorinnen und Autoren verliehen, die bislang nicht mehr als drei literarische Werke veröffentlich haben und nun auf dem Gebiet der Jugendliteratur an die Öffentlichkeit treten. Für den Preis können Manuskripte und bereits veröffentliche Neuerscheinungen eingereicht werden.

Der Förderpreis für Jugendbuchautoren und -autorinnen ist mit 3.500,00 Euro dotiert. Außerdem wird ein symbolischer Preis überreicht, der aus aus einer Feder und einem Tintenfass aus Glas, entworfen und gestaltet von der Glasfachschule Hadamar, besteht.

Die bisherigen Preisträger

  • 2022: Sarah Jäger, „Nach vorn, nach Süden“, Rowohlt Verlag
  • 2020: Lisa Krusche, Das Universum ist verdammt groß und super mystisch, unveröffentlichtes Manuskript
  • 2018: Christina Erbertz, Drei (fast) perfekte Wochen, Verlagsgruppe Beltz & Gelberg
  • 2016: Lea-Lina Oppermann, Die Wahrheit und wir, unveröffentliches Manuskript
  • 2014: Elisabeth Steinkellner,Raben, unveröffentlichtes Manuskript
  • 2012: Thorsten Nesch, Joyride Ost, rororo Taschenbuchverlag – Rotfuchs 
  • 2010: Beate Teresa Hanika, Rotkäppchen muss weinen, Fischer Verlag
  • 2008: Gabi Kreslehner, Ringlotten im Erdbeerbaum, unveröffentlichtes Manuskript
  • 2006: Marlene Röder, Im Fluss, unveröffentlichtes Manuskript
  • 2004: Zoran Drvenkar, Cengiz & Locke, Carlsen Verlag Hamburg
  • 2002: Björn Kern, KIPPpunkt, dtv München, Reihe Hanser
  • 2000: Andreas Steinhöfel / Anja Tuckermann, David Tage - Mona Nächte, Carlsen Verlag Hamburg
  • 1998: Mario Giordano, Der aus den Docks, rororo Rotfuchs Verlag Reinbek
  • 1996: keine Preisvergabe
  • 1994: Michael Wildenhain, Wer sich nicht wehrt, Ravensburger Buchverlag
  • 1992: Karin Sennheiser,Die Lingards, unveröffentlichtes Manuskript und Lutz van Dick, Der Partisan, Alibaba Verlag Frankfurt am Main, Verdammt starke Liebe, rororo Rotfuchs Verlag Reinbek
  • 1990: Jürgen Banscherus, Valentin - Valentino, Arena-Verlag Würzburg
  • 1989: Inge Meyer-Dietrich,Plascha oder: Von kleinen Leuten und großen Träumen, anrich verlag Kevelaer
  • 1988: Monika Seck-Agthe,Liebe ist was Großes, Otto Maier Verlag Ravensburg
  • 1987: Ilse Behl, Der Spätzünder oder: Pappkameraden, anrich verlag Kevelaer
  • 1986: Reinhold Ziegler,Es gibt hier nur zwei Richtungen, Mister, Verlag Beltz & Gelberg Weinheim
  • 1985: Rudolf Herfurtner, Das Ende der Pflaumenbäume, Manuskript - erschienen im Verlag Sauerländer Aarau
  • 1984: Birgit Nowiasz, Nordwind, unveröffentlichtes Manuskript
  • 1983: Herbert Friedmann, Mensch, Mücke, Manuskript - erschienen im Signal Verlag Baden-Baden
  • 1982: Karin König / Hanne Straube / Kamil Taylan,Merhaba - Guten Tag, Lamuv Verlag Bornheim-Merten und
  • Norbert Klugmann, Es muß im Leben doch mehr als alles geben, Reihe panther Rowohlt Verlag Reinbek / Hamburg
  • 1981: keine Preisvergabe
  • 1980: Helma Fehrmann und Peter Weismann, ...und plötzlich willste mehr, Weismann Verlag München
  • 1979: Dagmar Chidolue, Fieber oder Der Abschied der Gabriele Kupinski, Verlag Beltz & Gelberg Weinheim
  • 1978: Elfie Donnelly,Servus Opa, sagte ich leise, Cecilie Dressler Verlag Hamburg

Preisträgerin 2020: Lisa Krusche

  • Datum: 18.11.2020

    Verleihung Hans-im-Glück-Preis an Lisa Krusche

    Lisa Krusche hat 2020 den Hans-im-Glück-Preis der Kreisstadt Limburg für Jugendliteratur erhalten. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte die im Limburger Rathaus geplante feierliche Verleihung nicht stattfinden. Bürgermeister Dr. Hahn gratulierte jedoch per Brief und sendete den Scheck über 3.000 Euro und die Kugel mit 24-karätiger Blattvergoldung nach Braunschweig, dem Wohnort von Lisa Krusche. Vor der Kamera packt Lisa Krusche die Sendung aus und lässt alle an der Verleihung teilhaben.

Lesung

  • Datum: 18.11.2020

    Das Universum ist verdammt groß und super mystisch - eine Lesung von Lisa Krusche

    Wie kann eine Geschichte enden, die mit einer Wasserpflanze als Haustier beginnt? Dieser Frage geht Lisa Krusche in ihrem Manuskript »Das Universum ist verdammt groß und super mystisch« nach und erhält dafür den »Hans-im-Glück-Preis der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn für Jugendliteratur« 2020.

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Kontakt

Dr. Anna Vössing Amtsleiterin Kulturamt

Fischmarkt 21
65549  Limburg a. d. Lahn

  • Telefon: 06431 203-915
  • E-Mail
  • Raum: H1

Andrea Beßler

Fischmarkt 21
65549 Limburg a. d. Lahn

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