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Synagoge

Limburg hat eine Jahrhunderte alte jüdische Tradition. In einer Urkunde von 1278 wurde erstmals ein „Abraham iudeus de Limpurg“ erwähnt. Im Laufe der Zeit gab es an verschiedenen Stellen der Altstadt Synagogen.

Die erste Nachricht von einer solchen stammt aus dem Jahre 1336. 1867 kaufte die jüdische Gemeinde Limburgs die Kapelle in der Erbach. Damit gab es nun erstmals ein eigenes Gebäude für die Synagoge. Aufgrund des Wachstums der jüdischen Bevölkerung war der Bau aber nach wenigen Jahrzehnten zu klein. 1902 wurde ein Grundstück an der Schiede erworben und bald darauf der Grundstein für die neue Synagoge gelegt. Sie entstand nach den Plänen des Architekten Wilhelm Spahr, der auch für die Synagoge an der Universitätskirche Marburg verantwortlich zeichnete.

"Dies ist das Tor des Herrn"

Die Synagoge wurde „in romanischem Styl ausgeführt. Über der Kreuzung des Haupt- und der Seitenschiffe erhebt ein 8-eckiger Thurm. Die sämtlichen Gesimse, Fensterbänke, Rosettenfenster, Hauptportal, die Ecken der einzelnen Gebäudetheile sind von Trachyt hergestellt. Die beiden Treppen in den Treppenthurm (bis zur 1 Etage) sind ebenfalls von Trachyt.“ So steht es im Brandkataster von 1903. Das Hauptschiff des Gotteshauses war mehr als 25 Meter lang und über 9 Meter breit. Ferner hatte die Synagoge einen Sitzungs- und Versammlungssaal und eine Wochentagssynagoge mit 20 Plätzen. Über den Eingang war ein Satz aus Psalm 118 gemeißelt: „Dies ist das Tor des Herrn. Nur der Fromme soll es durchschreiten.“

Die Beter wandten sich nach Osten zum dort stehenden Altar, der von Kandelabern umgeben war. Einige Stufen hoch befand sich die Lade mit den Thora- Rollen. Zu beiden Seiten an der Wand waren Tafeln mit den Namen der im ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten angebracht.

"Zierde des Straßenbildes"

Der Bau wurde als sehr gelungen betrachtet, und in einem Artikel der katholischen Zeitung „Nassauer Bote“ 1915 wurde die Synagoge als „Zierde des Straßenbil-des“ bezeichnet. Am 4./5. September 1903 fand die feierliche Einweihung des neuen Gotteshauses statt. Die Bevölkerung und Vertreter aller Behörden nahmen daran teil.

Am 9. November 1938 zerstörten SS-Leute vom Sturm 7/78 das Gotteshaus. Der im Anbau wohnende Hausmeister konnte sich nur mit knapper Not über das Dach retten. Das Gebäude brannte aus. Am nächsten Morgen setzte die Plünderung ein. Was nicht den Flammen zum Opfer gefallen war, wurde zerschlagen und auf die Schiede geworfen. Dann wurde die Synagoge unter Wasser gesetzt.

Am 8. Mai 1939 kaufte die Stadt Limburg das Grundstück, kurz darauf wurde die Synagoge abgebrochen. 1941 erwarb die Industrie- und Handelskammer das Gelände. 1950 kam es zwischen IHK und Hessischem Finanzministerium einerseits und der Jewish Restituion Successor Organisation/New York andererseits zu einem Vergleich das Grundstück betreffend. Auf dem ehemaligen Synagogengelände steht heute ein Wohn- und Geschäftshaus. 1980 wurde eine Plakette, 1987 eine Gedenktafel angebracht. Am 22. April 2015 wurde ein Bronzemodell der Synagoge eingeweiht.

von Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker M.A