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Geschichte

Limburg und das Limburger Becken sind seit mehr als 35.000 Jahren besiedelt. Es fanden sich Spuren von Cro Magnon-Menschen, jungsteinzeitlicher Jäger, der Michelsberger Kultur und der Urnenfeldkultur, aus der Eisenzeit und Latenézeit, aus römischer und fränkischer Zeit. Zuletzt wurden 2012/2013 auf dem Greifenberg Reste eines Marschlagers Cäsars gefunden.

Erstmals schriftlich erwähnt wurden Lindenholzhausen und Ahlbach 772, Dietkirchen 841 und die heutige Kernstadt am 10. Februar 910, als König Ludwig das Kind dem Gaugrafen Konrad Kurzbold einen Hof in Oberbrechen schenkte, damit der das neu gegründete Limburger Kanonikerstift ausstatten konnte.

Vom Aussterben der Konradiner 966 bis ins 12. Jahrhundert sind die Machtverhältnisse in der Stadt unklar. Mit der Übernahme der Herrschaft durch die Grafen von Peilstein-Kleeberg-Mörle Anfang des 12. Jahrhunderts und dann der Leininger nahm die Stadt einen wirtschaftlichen und technischen Aufschwung. Um 1160 wurde die erste (hölzerne) Lahnbrücke errichtet, die im 14. Jahrhundert durch einen (steinernen) Neubau ersetzt wurde. Um 1232 entstand in Limburg eine der ersten Franziskanerklöster in Deutschland. Zu dieser Zeit wurde auch die erste Stadtmauer errichtet. Der Siedlungsplatz hatte damit alle Merkmale einer Stadt: Markt, Siegel und Mauer. 1235 wurde die neu errichtete Stiftskirche geweiht, die seit 1827 als Limburger Dom bekannt ist.

Ab Anfang des 13. Jahrhunderts regierten die Isenburger die Stadt. In dieser Zeit stand Limburg die Stadt und Bürgerschaft in gar großen Ehren und Glückseligkeit von Leuten und Reichtum, heißt es in der Limburger Chronik des Tilemann Elhen von Wolfhagen.

Limburg wurde bei einem Brand fast vällog zerstört

1289 wurde die Stadt durch einen Brand fast völlig zerstört. Rund 60 Jahre später wütete die Pest in Limburg. … in den kleinen Städten wie Limburg starben alle Tage zwanzig oder vierundzwanzig oder dreißig … Und starben zu Limburg mehr denn vierundzwanzighundert Menschen, ausgenommen Kinder, schrieb Chronist Tilemann.

1406 starb mit Johann II. der letzte isenburgische Stadtherr. Nach einer Übergangszeit übernahm Kurtrier die Regierung, dem bereits seit 1344 ein Teil der Stadt verpfändet war. Der Erzbischof von Trier verpfändete seinerseits nach 1420 die halbe Stadt. Erst 1624 wurde dies wieder eingelöst.

Limburg verlor an Bedeutung, da es nur noch eine kleine Landstadt innerhalb des Trierer Kurstaates war.


Vom Dreißigjährigen Krieg war die Stadt sehr stark betroffen. Die Truppendurchzüge und Einquartierungen drückten die Bürger, Landbewohner flüchteten aus Angst vor marodierender Soldateska hinter die Stadtmauern. Felder blieben so unbestellt, es gab Hungersnöte. Auch in den folgenden Jahrzehnten litten die Bürger aufgrund der zentralen Lage der Stadt immer wieder unter den Auswirkungen der in Europa tobenden Kriege. So kam es etwa 1796 in Folge der Französischen Revolution zu Kämpfen zwischen französischen und österreichischen Truppen in der „Schlacht bei Limburg“.

1827 wird Limburg Sitz eines Bischofs

Die großen Umwälzungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts trafen auch die Stadt. 1802 übernahm Nassau-Weilburg die Stadtherrschaft, 1803 Nassau-Usingen das Stift St. Georg, das nach fast 900 Jahren des Bestehens aufgelöst wurde. Auch die übrigen geistlichen Einrichtungen wurden säkularisiert, zuletzt 1817 das Franziskanerinnen-Kloster Bethlehem.

Ab 1818 wurde die Stadtmauer abgebrochen. Nur wenige Teile (äußerer Brückenturm, Katzenturm und ein Mauerstück am Huttig) blieben erhalten.

Am 11. Dezember 1827 wurde Limburg Sitz eines Bischofs. Jakob Brand (1776-1833) wurde an diesem Tag ins Amt eingeführt. Auf ihn folgten bis in die Gegenwart zwölf weitere Bischöfe. Die evangelischen Christen erhielten 1831 mit der Kapelle in der Erbach erstmals ein eigenes Gotteshaus. 1866 wurde eine neue evangelische Kirche gegenüber dem 1862 erbauten Bahnhof errichtet. Die Kapelle wurde zur Synagoge. Die jüdische Gemeinde nutzte sie bis 1903, als eine neue Synagoge an der Schiede gegenüber dem Gericht eingeweiht wurde.

Limburg wächst im 19. Jahrhundert

Auch in anderer Hinsicht entwickelte sich die Stadt weiter. Die Einwohnerzahl wuchs (1850: 3625; 1866: 4395; 1880: 5797; 1895: 7500). 1850 wurde das Krankenhaus gegründet. 1862 erhielt Limburg Anschluss an das Eisenbahnnetz. Der für den Bau der Strecke verantwortliche Ingenieur Moritz Hilf, ein gebürtiger Limburger, wurde zum ersten Ehrenbürger ernannt. Im gleichen Jahr erhielt die Stadt eine Straßenbeleuchtung.

Im preußisch-österreichischen Krieg 1866 hatte der Herzog von Nassau auf Seiten der Österreicher gestanden und musste nach deren Niederlage sein Land verlassen. Nassau und damit auch Limburg wurden preußisch. Im Jahr darauf wurde die Stadt Teil des Unterlahnkreises mit Sitz in Diez und 1886 Kreisstadt des neu gebildeten Kreises Limburg.

Wichtigster Arbeitgeber war ab 1862 für fast 140 Jahre das Eisenbahn-Ausbesserungswerk. Nach 1870 erlebte die eisenverarbeitende Industrie einen deutlichen Aufschwung. 1884 wurde die erste Wasserleitung verlegt, 1892 begann für die Stadt das elektrische Zeitalter.

Das Rathaus wird errichtet

Aufgrund der gestiegenen Einwohnerzahl wuchs auch die Verwaltung, so dass ein neues Rathaus errichtet wurde. 1899 wurde es in Betrieb genommen. Auch entstanden um diese Zeit mehrere Schulen. 1874 wurde die Evangelische höhere Töchterschule (Thau-Schule) eingerichtet, 1895 die Marienschule, 1901 wurde das bisherige Progymnasium zum Vollgymnasium mit Realprogymnasium umgewandelt (heute: Tilemannschule).

Im ersten Weltkrieg blieben 285 Limburger auf den Schlachtfeldern. In Dietkirchen gab es ein großes Gefangenenlager. Die Revolution 1918 lief sehr gemäßigt ab. Oberstes Ziel aller Beteiligten war eine Sicherstellung der Lebensmittelversorgung. Als 1923 Separatisten in die Stadt einfielen, hatten sie trotz französischer Besetzung keine Chance, ihre Ideen umzusetzen, da sie bei der Bevölkerung auf entschiedene Ablehnung stießen.

Limburg während der Zeit der Nationalsozialisten

Während der Zeit der Weimarer Republik war Limburg eine Hochburg des Zentrums. Dennoch drängten sich auch hier nach dem 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten in die Schalthebel der Macht. Bürgermeister Dr. Marcus Krüsmann (1879-1964), Mitglied des Zentrums, wurde aus dem Amt gedrängt. Geschäfte jüdischer Inhaber wurden boykottiert, politisch missliebige Personen verhaftet. Bereits im Frühjahr 1933 flohen die ersten Limburger vor den Nazis ins Ausland.

Die 700-Jahr-Feier des Doms 1935 wurde zu einer Machtdemonstration der katholischen Kirche, gegen die die Nationalsozialisten kurz darauf mehrere Großveranstaltungen setzten.

1938 wurde die Synagoge an der Schiede durch den SS-Sturm 7/78 zerstört. Das Gebäude brannte aus, was den Flammen entging, wurde an den folgenden Tagen geplündert oder zerstört. Zugleich wurden mehrere Geschäfte und Wohnhäuser jüdischer Limburger verwüstet. Zahlreiche Juden verließen die Stadt, um zunächst in Frankfurt oder andernorts Sicherheit zu finden, aber viele wurden Opfer der Mordmaschinerie. An sie erinnert eine Stele auf dem jüdischen Friedhof. Insgesamt 189 Limburger starben während der Terrorherrschaft der Nazis, weil sie Juden, Behinderte, politisch Anderdenkende und religiös Motivierte waren oder aus anderen Gründen nicht in das Weltbild der braunen Machthaber passten.

Autobahnbrücke erhält einen zweiten Lahnübergang

1939 erhielt Limburg mit der Autobahnbrücke einen zweiten Lahnübergang. 1945 wurde sie von abrückenden deutschen Wehrmachtssoldaten gesprengt. 378 Limburger fielen als Soldaten, 195 zivile Opfer waren zu beklagen. Die Stadt wurde wiederholt bombardiert, doch blieb die Altstadt weitgehend verschont. Ziel war vor allem das Gebiet um den Bahnhof und das Reichsbahnausbesserungswerk. Im März 1945 marschierten amerikanische Soldaten in Limburg ein. Dabei kam es in letzter Minute noch zu Schusswechseln, bei denen es zahlreiche Tote gab.

1965 wurde Josef Kohlmaier (1921-1995) neuer Bürgermeister. In seiner Amtszeit nahm die Stadt eine rasante Entwicklung: 1967 Städtepartnerschaft mit Ste.-Foy-lès-Lyon/Frankreich, 1968 Baubeginn der Wohnstadt Blumenrod, 1968 Bau einer neuen Lahnbrücke, ab 1971 Vergrößerung der Stadt durch die Gebietsreform, 1971 Einweihung des neuen Krankenhauses auf dem Schafsberg, 1977 Einweihung der neuen Stadthalle. 

1989 lud die Stadt die noch lebenden jüdischen Bürger ein, die vor den Nationalsozialisten geflohen waren. 31 folgten der Einladung, die meisten sahen erstmals seit ihrer Flucht die Heimatstadt wieder.

1997 wurde mit Martin Richard (CDU) erstmals ein Bürgermeister direkt gewählt. Er setzte sich gegen Amtsinhaber Peter R. Arnold (SPD) durch und übte das Amt bis 2015 aus.

ICE-Anschluss

Um die Jahrtausendwende erhielt Limburg Anschluss an das neue ICE-Netz der Bahn. 2004 entstand auf der Anhöhe zwischen Limburg und Lindenholzhausen der bislang einzige Bahnhof in Deutschland, an dem ausschließlich ICE-Züge halten.

2012/2013 erhielt Limburg ungewollt weltweite Aufmerksamkeit durch die Auseinandersetzungen um Bischof Franz-Peter Tebartz van Elst und die ausufernden Kosten des neuen Bischofssitzes. 

Erstmals wurden im November 2013 in der Stadt Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Bisher (Stand: 1.1.2020) gibt es 108 in Limburg, weitere werden folgen.

2015 wurde Dr. Marius Hahn (SPD) als Nachfolger von Martin Richard in das Amt des Bürgermeisters gewählt.

Anfang 2019 erwarb die Stadt einen Unternehmenssitz auf der Dietkirchener Höhe, um dort große Teile der Verwaltung unterzubringen.

Kurzgefasste Limburger Geschichte von Stadtarchivar Christoph Waldecker