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Datum: 15.11.2020

Stilles Gedenken am Volkstrauertag

Zu einem stillen Gedenken am Volkstrauertag fanden sich am Ehrenmal auf dem Limburger Hauptfriedhof Landrat Michael Köberle, Bürgermeister Dr. Marius Hahn und der emeritierte Weihbischof Gerhard Pieschl ein.

Am Volkstrauertag, Sonntag, 15. November, wird in der gesamten Republik der Toten der Kriege und der Gewaltherrschaft gedacht. Verbunden ist dieser Tag in Limburg grundsätzlich mit einer zentralen Gedenkveranstaltung am Ehrenmal auf dem Hauptfriedhof. Aufgrund der Corona-Pandemie hatte die Stadt die zentrale Gedenkveranstaltung abgesagt, alle anderen vorgesehenen Gedenkveranstaltungen in den einzelnen Stadtteilen folgten.

Landrat Michael Köberle, Limburgs Bürgermeister Dr. Marius Hahn und der emeritierte Weihbischof Gerhard Pieschl fanden sich am Volkstrauertag zu einem stillen Gedenken am Ehrenmal auf dem Hauptfriedhof ein. Nach einem Totengedenken durch Bürgermeister Hahn und einem gemeinsamen „Vater unser“ legten Hahn und Landrat Köberle im Namen der Stadt und des Landkreises Kränze nieder.

Gedanken zum Volkstrauertag

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde der Volkstrauertag 1950 wieder eingeführt und erstmals neben vielen regionalen Veranstaltungen mit einer Feierstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages begangen.

Auch der Magistrat der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn hat in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in all den Jahren den Toten der Weltkriege mit einer zentralen Gedenkfeier auf dem Hauptfriedhof und Gedenkfeiern in den Stadtteilen gedacht, an denen die Bürgerinnen und Bürger Ihre Anteilnahme zeigen konnten.

Wir haben uns dieses Jahr schweren Herzens und nach reiflicher Überlegung entschlossen, angesichts der Covid 19-Pandemie auf die Feiern zu verzichten, um das Ansteckungsrisiko möglichst gering zu halten. Ich denke, Sie haben Verständnis dafür.

Ich möchte den Volkstrauertag jedoch zum Anlass für einige Gedanken nehmen.

Wie in jedem Herbst, wenn die Tage kurz und die Abende lang werden, gedenken wir in Deutschland der Toten. Zunächst derer, die uns noch nahe sind, der Toten, die uns erst kürzlich verlassen haben. Für die Älteren unter uns sind es die Eltern, doch für viele Jüngere dann auch die Großeltern oder gar Urgroßeltern, die sie noch erlebt haben. Am innigsten ist unser Gedenken immer, wenn wir die Toten noch gekannt haben und sie vermissen, weil sie durch ihr Leben ein Stück unseres Lebens geworden sind.

Schwerer fällt uns heute das Gedenken für die Millionen gefallener Soldaten der beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts. Über 100 Jahre liegt nun das Ende des Ersten Weltkriegs zurück, der Beginn des Zweiten Weltkriegs mehr als 80 Jahre, ein ganzes Menschenalter und mehr also. Die beiden Kriege sind Geschichte. Warum also immer noch dieses Gedenken, diese gemeinsame Stunde der Besinnung?

Der Volkstrauertag hat seine uneingeschränkte Berechtigung, denn er mahnt die heutige Generation zum Frieden. Denn Krieg ist nicht Geschichte, Krieg ist auch im 21. Jahrhundert immer noch Realität.

Wir gedenken am Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewalt, von Völkermord, Verfolgung und Vertreibung, aber auch des Widerstands. Wir erinnern uns an das unsägliche Leid, das Millionen Menschen in unserem Land und in anderen Teilen der Erde zugefügt wurde. Der Volkstrauertag ist nicht nur der Tag der Trauer. Er ist auch ein Tag der Mahnung zur Versöhnung, Verständigung und Frieden. Er fordert uns auf, aus den schrecklichen Erfahrungen unserer Geschichte zu lernen, aber dazu brauchen wir ein gutes Erinnerungsvermögen.

Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriege, in der Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir erinnern an Menschen, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als „lebensunwert“ bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen die Gewaltherrschaft geleistet haben und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung.

Wir denken aber auch an Menschen, die in diesem Jahr in unserem Land durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind.

Niemals dürfen wir damit aufhören, uns die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt bewusst zu machen.

In stillem Gedenken

Dr. Marius Hahn, Bürgermeister