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Datum: 24.01.2020

Neujahrsempfang: Wie sich der Fußball in Deutschland organisiert

Profifußballer wechseln für Millionensummen den Verein, werben für die unterschiedlichsten Produkte und locken tausende von Zuschauern in die Stadien. Doch wie genau finanziert sich ein Profi-Fußballverein und welches Geschäftsmodell steckt hinter der Bundesliga?

Darüber sprach Oliver Frankenbach, Vorstandsmitglied bei Eintracht Frankfurt, beim Neujahrsempfang der Stadt Limburg im Rathaus. Dabei hat es Tradition, dass jedes Jahr ein bestimmter Themenschwerpunkt ausgewählt wird und neben Vertretern aus der Politik auch passend zum Thema Vertreter aus der Gesellschaft eingeladen werden – diesmal die sportreibenden Vereine aus Limburg.

Bürgermeister Dr. Marius Hahn machte in seiner Begrüßung deutlich, dass der Stadt Limburg die Vereine am Herzen liegen und sie bereit ist, diese finanziell zu unterstützen. Alleine 2019 wurden die sportreibenden Vereine für ihre kontinuierliche Arbeit mit rund 116.650 Euro gefördert und die Vereine aus dem Tätigkeitsgebiet Kultur- und Brauchtumspflege mit insgesamt 11.120 Euro. Darüber hinaus wurden die Vereine mit Investitionszuschüssen in Höhe von rund 55.500 € unterstützt.

Für die Realisierung von Kunstrasenplätzen in den Stadtteilen Ahlbach, Offheim, Eschhofen und Staffel hat die Politik in den Haushalten 2016 und 2017 insgesamt 2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, die in den Jahren 2017 bis 2019 bewilligt wurden. Für das Funktionsgebäude auf der Sportanlage des SC Offheim wurde ein Investitionszuschuss in Höhe von 143.000 € zur Verfügung gestellt.

Hahn dankte den Vereinen für ihre wertvolle Arbeit. „Sie bieten Raum und Zeit für Gemeinschaft, Toleranz und Integration.“ Dabei mahnte er auch an, seinen Mitmenschen ohne Vorbehalt und ohne Vorurteil zu begegnen: „Solidarität darf kein abstraktes Fremdwort sein, sondern muss als Auftrag verstanden werden, der zum Fundament einer verantwortungsbewussten Gemeinschaft gehört.“

Diese Erfahrung hat auch Gastredner Oliver Frankenbach gemacht, der in seiner Jugend aktiv im Verein Fußball gespielt hat, zuletzt beim Turn- und Sportverein Mensfelden und dort in der Kreisliga. Seit September 2015 leitet er als Vorstandsmitglied die Geschicke der Eintracht Frankfurt AG.

In seinem Vortrag, der von vielen Bildern und Grafiken unterstützt wurde, erläuterte er die Organisation des Fußballs in Deutschland, stellte die Haupteinkunftsarten im Profifußball vor und zeigte die Gesellschaftsstruktur mit den unterschiedlichen Geschäftsfeldern bei Eintracht Frankfurt.  „2001 wurde der Lizenzfußball aus dem Deutschen Fußball-Bund ausgegliedert und es gründete sich der Ligaverband, in dem die 36 Proficlubs organisiert sind“, sagte Frankenbach.

Am Beispiel der Saison 2017/18 machte Frankenbach die Umsatzstruktur der Fußball-Bundesliga deutlich. Insgesamt wurden in der Saison 3,8 Milliarden Euro Umsatz generiert. Rund ein Drittel davon stammt aus der Vergabe von Medienrechten. Rund 23 Prozent des Umsatzes kommt durch Werbung zustande, 16,9 Prozent sind Transferzahlungen, also Ablösesummen für einen Spieler. Die Zuschauer in Stadien und der Verkauf von Merchandising-Artikeln machen den kleineren Teil aus – 14,1 Prozent und 8,6 Prozent.

Bei der Eintracht Frankfurt sieht die Umsatzstruktur ähnlich aus. Der Gesamtumsatz liegt bei 201,4 Millionen Euro (Saison 2018/19).

Frankenbach zeigte im Limburger Rathaus auch die Besonderheiten des Rechnungswesens im Profifußball. Ein besonderer Schwerpunkt seien dabei die Spielerwerte. Eine weitere Besonderheit sei das Lizensierungsverfahren. Für jede Spielzeit müsse eine Lizenz zur Teilnahme am Spielbetrieb der jeweiligen Liga beantragt werden, sagte Frankenbach. Neben der Erfüllung einer Vielzahl von technischen Kriterien wie die Anforderungen an die Spielstätte komme in der medialen Außenwirkung vor allem der Erfüllung der wirtschaftlichen Voraussetzungen eine besondere Bedeutung zu. „Die Clubs müssen nachweisen, dass sie wirtschaftlich in der Lage sind, den Spielbetrieb die komplette Spielzeit über zu gewährleisten“, sagte Frankenbach.

Musikalisch umrahmt wurde der Neujahrsempfang der Stadt Limburg durch das Schülerstreichquartett „Quartetto turbulento“ von der Kreismusikschule Limburg mit Aaron Bieske (Violine), Theresa Brümmer (Violine), Tobit Kurth (Viola), Floris Kurth (Violoncello) unter der Leitung von Simone Kurth.

 

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