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Datum: 26.11.2020

Mehr Verbindungen durch Mobilität auf Abruf

Die Mobilität verändert sich. Ohne eigenes Auto von einem zum anderen Ort kommen, dennoch bequem, effizient und klimafreundlich, das ist die aktuelle Herausforderung. Möglich werden soll dies in Limburg mit der On-Demand-Mobilität.

Der englische Begriff bedeutet zu Deutsch Mobilität auf Abruf. Per App oder Anruf wird ein Fahrzeug bestellt, welches den Nutzer zum gewünschten Ort bringt. Gleichzeitig gehen Anfragen anderer Nutzer ein und eine Software berechnet die günstigste Strecke, sodass mehrere Nutzer gemeinsam fahren können.

„Dies ist eine deutliche Erweiterung unseres erfolgreichen Anrufsammeltaxis, zugleich setzen wir dabei auf Digitalisierung“, sagt der Betriebsleiter der Stadtlinie, Limburgs 1. Stadtrat Michael Stanke. Als Vorteile im Vergleich zum Anrufsammeltaxis, auch bekannt als AST, nennt er das Fahren mit Elektro-Fahrzeugen, die Buchungsoption mittels App und die Softwaren, die optimale Strecken berechnet, sodass Leerfahren entfallen.

Ausweitung der Fahroptionen rund um die Uhr

Kern ist aber die massive Ausweitung der Fahroptionen rund um die Uhr. Die Mobilität, vor allem für Bürger in den Limburger Stadtteilen, wird deutlich ausgeweitet. So wird es nun schon tagsüber möglich sein, Verbindungen zwischen den Stadtteilen und in Teilen der Kernstadt, in denen heute keine Direktverbindungen existieren, mit dem neuen Angebot zu nutzen. „Die Stadtlinie kommt damit in die Stadtteile – eine langjährige Forderung wird somit erfüllt“, sagt Stanke.

Durch die eingesetzten Elektro-Fahrzeuge hat die On-Demand-Mobilität natürlich auch Auswirkungen auf die Luft in Limburg. Gerade vor dem Hintergrund der Klage der Deutschen Umwelthilfe und der Forderung die Grenzwerte der Luftreinhaltung in Limburg einzuhalten, ist der On-Demand-Dienst ein Baustein in einem ganzen Bündel von Maßnahmen.

Start im Juni 2021

Starten soll der On-Demand-Dienst bereits im Juni 2021 und dann das Anrufsammeltaxi ablösen. Im Mai ist ein Testbetrieb vorgesehen. Fünf Elektrofahrzeuge wird die Stadt Limburg dafür anschaffen, vier für den täglichen Betrieb und eins als Reserve, wenn Wartungen oder Reparaturen anstehen oder wenn es zu unvorhersehbaren Störungen kommt.

Der On-Demand-Dienst wird zwischen speziellen Haltestellen verkehren. Möglich sind dann beispielsweise Fahrten zu medizinischen Einrichtungen, zum Arbeitsplatz, zu Einkaufsstandorten oder zu Freizeit-, Sport-, und Kultureinrichtungen. „Gleichzeitig werden dann Verbindungen zwischen den Stadtteilen und zum ICE-Gebiet aufgenommen“, sagt Stanke.

Zuschlag: 1,50 Euro

Wer den On-Demand-Dienst nutzen will braucht eine reguläre Fahrkarte und zahlt einen speziellen Zuschlag, der bei circa 1,50 Euro liegen wird.

Mit dem On-Demand-Projekt ist Limburg einer von zehn Partnern, die den neuen Dienst in Zusammenarbeit mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund umsetzen. Dadurch ergeben sich Synergien wie die gemeinsame Ausschreibung einer App oder der Austausch über Marketing-Kampagnen.

Stanke ist überzeugt, dass mit dem On-Demand-System ein deutlicher Ausbau des ÖPNV in Limburg erreicht wird. „Dieses Ziel verfolgen wir als Stadt seit Jahrzehnten mit unserer Stadtlinie. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Leistung der Stadt, keineswegs um eine Pflichtaufgabe“, sagt Stanke. Zunächst wurden die etablierten Buslinien eins bis vier um zwei Linien erweitert, zum ICE-Bahnhof und zur Dietkircher Höhe. Dazwischen lag die Einführung eines Anrufsammeltaxis als Meilenstein, das die Betriebszeiten des ÖPNV in Limburg deutlich erhöht hat. Nun folgt die Mobilität auf Abruf mit dem On-Demand-Dienst.

Kosten: 2,5 Millionen Euro

Nachdem ein Konzept erstellt wurde, wird die Stadtlinie nun den Fahrbetrieb, die Ladestationen, die Rechtsberatung und das Marketing des On-Demand-Dienstes ausschreiben. Insgesamt wird das Projekt die Stadt Limburg über einen Zeitraum von vier Jahren 2,5 Millionen Euro kosten, davon übernehmen Bund und Land 50 Prozent als Förderung.

Akteure sind neben der Stadtlinie Limburg lokale und regionale Verkehrsanbieter im Landkreis Offenbach, in Hofheim, Kelsterbach, im Landkreis Darmstadt-Dieburg, im Main-Taunus-Kreis, in Frankfurt a.M., Taunusstein und Hanau; mit eigenständigen Projekten sind zudem Verkehrsbetriebe aus Darmstadt, Wiesbaden und Mainz dabei. Alle lokalen und regionalen On-Demand-Angebote sollen in eine Auskunftsplattform des RMV eingebunden werden.

Prüfung von Verbesserungen

Im Auftrag der Stadtverordnetenversammlung hat die Stadtlinie weitere Maßnahmen zur Verbesserung des Limburger Busverkehrs geprüft: Verbindungen zwischen Krankenhaus und Tilemannschule im 15-Minutentakt, eine Erweiterung der Linie 6 bis Dietkirchen und ein Busringverkehr, um die Stadtteile anzubinden, eine Umweltspur und autonom fahrende Busse.

„Diese Maßnahmen können zwar nicht direkt umgesetzt werden, jedoch wird eine deutliche Verbesserung der Verbindungen durch das On-Demand-System erreicht“, sagt der Betriebsleiter der Stadtlinie Michael Stanke.

Autonome Busse

Beim Thema autonom fahrende Busse steht die Stadtlinie im Austausch mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund, der aktuell ein Pilotprojekt dazu durchführt, die Busse im Anschluss aber nicht etablieren wird. Auch für Limburg wäre ein Pilotprojekt denkbar, nicht aber die spätere Umsetzung, da die Stadt das Fahrzeug für mehr als 100.000 Euro anschaffen müsste und ein Fahrer in der aktuellen Stufe des autonomen Fahrens noch benötigt würde.

Erweiterungen im Stadtlinienverkehr können nicht vor 2025 umgesetzt werden, denn bis dahin läuft der Vertrag mit dem von der Stadt beauftragten Busunternehmen. Da der Beauftragung des Unternehmens eine Ausschreibung vorwegging, können die Konditionen nicht während der Vertragslaufzeit geändert werden. Im Vertrag ist jedoch ein Kontingent für Erweiterungen enthalten, welches durch die Einrichtung der neuen Buslinie 6 zur Dietkircher Höhe ausgeschöpft wurde.

Umweltspur

Geprüft wird aktuell die Einrichtung einer Umweltspur, die den Verkehr fördern soll, der die geringste Umweltbelastung darstellt, also Busse und andere ÖPNV-Angebote. Die Prüfung wird vom Hessischen Umweltministerium durchgeführt.