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Datum: 16.06.2020

Artenschutz durch Regenrückhaltebecken

Der Schutz der Artenvielfalt liegt der Stadt Limburg am Herzen und sie tut einiges auf diesem Gebiet. Die Stadtgärtner gestalten die Beete in der Stadt bienen- und insektenfreundlich und stellen Insektenhotels auf. Auch mit der Gestaltung der Regenrückhaltebecken wird die Artenvielfalt gefördert. Ein gutes Beispiel sind die Becken im Gewerbegebiet Nördlich der Kapellenstraße in Offheim, welche in Mittelhessen Pilotcharakter haben.

Um dort weiter die Artenvielfalt zu stärken hat die Stadtverwaltung nun ein spezielles Mähkonzept erarbeitet. Dies teilt die Grünflächen um die beiden Regenrückhaltebecken jeweils in drei Teile ein, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Jahr gemäht werden. Der erste Teil wird Ende Juni gemäht, der zweite Ende September oder Anfang Oktober. Im Jahr darauf wird gewechselt, der erste Teil wird im Herbst und der zweite Teil im Sommer gemäht. Die dritte Fläche ist am äußeren Rand der Becken und wird immer im Herbst gemäht.

Der Mähzeitpunkt und die -häufigkeit wirkt sich auf Pflanzen und Tiere aus. Das bedeutet, einige Arten werden verdrängt, andere gefördert. Einige Wildpflanzen blühen beispielsweise erst spät und brauchen den Platz, der durch die Mahd entsteht. Gemähte Flächen sorgen aber auch dafür, dass Greifvögel wieder jagen können und Mäuse nicht zu viele Schäden anrichten können.

Verbesserung der Artenvielfalt durch versetzte Mahd

„Mit der zeitlich versetzten Mahd wollen wir eine Verbesserung und der Erhalt der Artenvielfalt fördern“, so die Vertreter des Abwasserverbandes Limburg und der Stadt, die für die Unterhaltung des Regenrückhaltebeckens zuständig sind.

Gras und Pflanzen werden dabei nicht ganz kurz gemäht, sondern nur auf zehn Zentimeter. Dies schützt viele Kleinlebewesen am Boden. Zum Konzept gehört außerdem, das Aufsammeln des Mähgutes anstatt den Bewuchs zu mulchen. So magert die Fläche aus, was vor allem die Ansiedlung von Wildblumen und Kräutern fördert. Die Auswirkungen des versetzen Mähens auf die Vegetation der Becken wird jährlich geprüft und wenn nötig geändert und angepasst, kündigt die Stadt an.

Unterschiedliche Lebensräume

Durch seinen Aufbau schafft das Regenrückhaltebecken unterschiedliche Lebensräume für verschiedene Arten. Am Südhang ist es besonders trocken, sodass sich dort Pflanzen entwickeln, die gut mit dieser Extremsituation zurechtkommen. Außerdem gibt es magere Wiesenflächen und Wildwiese mit Salbei und Margeriten. Im unteren Bereich des Beckens schließen sich die Feuchtwiesen an und es gibt Wasserflächen mit Binsen und Schilfbeständen - ein Lebensraum für viel Amphibien.

In den oberen und mittleren Randbereichen werden die Lebensräume durch die Baum- und Strauchpflanzungen ergänzt, die Nahrungs- und Fortpflanzungsstätten für viele Insekten und Vögel bilden.

„Die Natur hat sich hier einiges zurückgeholt. Das wollen wir erhalten und bestmöglich fördern“, sagt der 1. Stadtrat Michael Stanke. Am Südhang des Beckens soll daher im Herbst ein Eidechsen-Quartier entstehen. Durch die exponierte und sonnige Lage der Böschung tummeln sich dort schon jetzt zahlreiche Eidechsen und Reptilien. Altholz und grober Schotter sowie Sand sollen ihnen Unterschlupf bieten und die Arten gezielt fördern.

Zum Hintergrund:

Nördlich der Kapellenstraße wurde 60 Hektar großes Gewerbegebiet ausgewiesen. Durch die damit einhergehende Versiegelung der Flächen fließt Regenwasser schneller und intensiver ab. Um dem entgegenzuwirken wurden Regenrückhaltebecken angelegt, die das Wasser in den Käsbach einleiten. Das erste Becken wurde 2015 gebaut hat ein Speichervolumen von 3.500 Kubikmeter. Das Besondere ist dabei die gestaffelte Abflusssteuerung. Durch ein spezielles Ventil und eine Lage aus Sedimenten laufen kontinuierlich 30 Liter Wasser pro Sekunde ab. Regnet es stark, füllt sich das Becken und verwandelt sich in ein Klärbecken, sodass nur behandeltes Wasser in den Käsbach abgeleitet wird. Ist das Becken dann mit rund 2.000 Kubikmetern deutlich gefüllt, fließt das Wasser über ein zweites Ventil in einen größeren Abfluss. Das zweite Becken wurde 2017 gebaut und funktioniert nach demselben Prinzip. Es hat ein Speichervolumen von 2.950 Kubikmetern und liegt hinter dem ersten Becken. Überlaufendes Wasser fließt über eine Dammscharte und eine Mulde in das erste Becken. 

Damit vereinen die Regenrückhaltebecken in Offheim die Belange des Natur- und Artenschutzes mit denen der ordnungsgemäßen Entwässerung – und dass sogar  auf sehr attraktive weise, denn viele Bürgerinnen und Bürger benutzen das Areal zum Spazieren gehen. Wege, die um die Becken angelegt sind, machen dies möglich.