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Datum: 03.02.2020

Das Schloss im Schatten des Domes

Das Limburger Schloss fristet sein Dasein im Schatten des Domes, der es zum Wahrzeichen der Stadt geschafft hat. Das Schloss dahinter gerät ein wenig in Vergessenheit. Dabei hat der Komplex eine lange und abwechslungsreiche Geschichte mit ganz unterschiedlichen Nutzungen und Verwendungen. In unserer fünften und letzten Folge der Schoss-Serie geht es um die Geschichte des Komplexes.   

Die Geschichte des Schlosses beginnt vermutlich im 7. oder 8. Jahrhundert als zentrale fränkische Fluchtburg. Siedlungsspuren auf dem Berg hoch über der Lahn gibt es aus noch früheren Zeiten, Befunde weisen auf eine eisenzeitliche, keltische Besiedlung hin. Im 10. Jahrhundert entwickelt sich eine Gaugrafenburg als Herrschaftsmittelpunkt an der Lahnfurt der „Hohen Straße“ zwischen Köln und Frankfurt. Innerhalb des Burgbereichs, der vom steil abfallenden Felsen bis zur heutigen Domstraße reicht, entsteht im Ostteil der Anlage eine Herrenburg. 910 gründet Graf Konrad, genannt Kurzbold, das Stift mit Stiftskirche, Vorgängerbau des Doms. Die Burg wird um 1000 bis 1100 weiter ausgebaut. Mit Beginn der Herrschaft des Stifts über die Burg beginnt auch die befestigte städtische Siedlung vor der Burg.

Mit den Planungen für den Bau der neuen Stiftskirche wird um 1180 begonnen, um 1200 werden die Stadtmauern errichtet. Unter den Isenburger Grafen, die um 1220 die Lehnsherrschaft über Burg und Stadt, Vogtei und Stift erreichen, wird die Burg zur Residenz ausgebaut, der Wohnturm errichtet und die Kapelle ausgebaut. Um 1250 wird Imagina von Isenburg auf der Burg geboren, die spätere Frau des deutschen Königs Adolf von Nassau. 1379 folgt der Bau des Saalbaus. Der Ausbau zu einer Verteidigungsfestung scheitert am Widerstand der Limburger Bürger.

Schloss geht an Kurfürstentum Trier und dann in preußischen Besitz

Von 1400, 1407 sterben die Isenburger als Herren von Limburg aus, bis 1803 dient das Schloss dem Kurfürstentum Trier als Verwaltungssitz für seine östlichen Gebietsteile. In dieser Zeit gibt es zahlreiche Umbauten. Die Kapelle wird 1534 überbaut, 1612 folgt der Renaissance-Fachwerkbau und 1720 der abseitige Barockbau als Wohnung für den trierischen Amtmann.

Mit der Säkularisation wird das Stift im Jahr 1803 nach fast 900 Jahren aufgelöst. Das Schloss und die Stadt waren bereits im Jahr zuvor in den Besitz von Nassau-Weilburg, dem später das Herzogtum Nassau folgt, übergegangen. Mit der erzwungenen Eingliederung Nassaus in das Königreich Preußen kommt das Schloss 1866 in preußischen Besitz. Von 1883 an bis zum Jahr 1963 werden die Räume des Schlosses für eine Gewerbe-/Berufsschule und eine Fortbildungsschule für Mädchen genutzt. In der Zeit von 1905 bis 1976 ist das Diözesanmuseum im Turm und angrenzenden Räumen.

Südflügel des Schlosses brennt 1929 nieder

Der Südflügel des Schlosses, der sogenannte Saalbau, brennt 1929 nieder, der Wiederaufbau folgt in den Jahren 1934/35. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der NS-Herrschaft übernimmt das Land Hessen das Schloss. Das Land bleibt Eigentümer bis zum Jahr 2000 und verkauft es dann für den symbolischen Preis von einer Mark pro Quadratmeter Grundfläche an die Stadt. Das Land nutzte die Immobilie von 1974 an als Regionalstelle Limburg des Landesinstituts für Pädagogik.

Daneben ist das Schloss untrennbar mit einigen Limburger Einrichtungen verbunden. Der erste Jugendclub „Black Out“ hat dort sein Domizil (1967 bis 1973), die Spielschar des Gymnasiums gibt dort Theatervorführungen, die Mährisch-Neustädter Heimatstube findet im Schloss eine Bleibe, ebenso die italienische und die portugiesische Gemeinde. Auch die Verbindung zwischen Schloss und Dommusik kann schon auf ein halbes Jahrhundert zurückblicken. 1970 beginnt der Domchor seine Proben im Schloss (Saalbau) abzuhalten, später kommen noch die Domsingknaben und die Mädchenkantorei hinzu.

Das Limburger Stadtarchiv befindet sich seit 1977 im Schloss und wird auch in Zukunft dort seine Bleibe haben, wobei die räumlichen Gegebenheiten sich deutlich verbessern sollen.