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Datum: 21.02.2020

Luft in Limburg: »Wir sind auf dem richtigen Weg«

Die Luft in Deutschlands Städten wird sauberer, allerdings bleibt die Belastung durch Schadstoffe hoch, oftmals noch zu hoch. Auch in Limburg sind die Belastungen durch Stickstoffdioxid an allen Messstellen im vergangenen Jahr zurückgegangen, der Grenzwert von 40 µg/m³ (40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft) wird in der Stadt an drei von sechs Messstellen eingehalten; an der Luftmessstation an der Schiede sowie an den Passivsammlern am Standort Schiede I (Musikhaus Sandner) sowie der Frankfurter Straße werden die Grenzwerte noch überschritten.

„Wir sind auf dem richtigen Weg, haben unser Ziel aber noch nicht erreicht. Allerdings ist es beruhigend zu sehen, dass die zahlreichen getroffenen Maßnahmen bereits zu Verbesserungen geführt haben, auch wenn leider weiter ein Dieselfahrverbot in Limburg droht“, verdeutlicht Bürgermeister Dr. Marius Hahn. Damit befindet sich Limburg in der gleichen Situation wie andere Städte, die ebenfalls noch Überschreitungen von Grenzwerten verzeichnen. Als positiv bewertet Hahn den Rückgang der gemessenen Belastungen durch Stickstoffdioxid an allen sechs Messstationen zwischen 1,3 und 6,9 µg/m³, die aktuelle Werte liegen zwischen 22,1 (Luftmessstation Stephanshügel) und 52,1 µg/m³ (Passivsammler Schiede I).

Im vergangenen Jahr lag zum ersten Mal der Passivsammler am Standort Schiede II (Höhe Kreissparkasse) mit 38,6 µg/m³ unter dem Grenzwert von 40 µg/m³ im Jahresmittel (2018 noch 41,8 µg/m³). Der Passivsammler in der Diezer Straße verzeichnete einen Rückgang von drei Mikrogramm pro Kubikmeter auf 32,8 µg/m³. Dieser Passivsammler weist seit 2015 Belastungen unter dem Grenzwert auf. Die Messstation am Stephanshügel, die die allgemeine Hintergrundbelastung messen soll, weist für 2019 einen Wert von 22,1 µg/m³ auf, im Vorjahr waren es noch 24 µg/m³.

Die Passivsammler, sie dienen der Kalibrierung der Werte im Vergleich mit dem automatisierten Messverfahren in den Luftmessstationen, in der Frankfurter Straße und Schiede I weisen in 2019 zwar auch zurückgehende Belastungszahlen auf, überschreiten den Grenzwert mit 46,1 (Frankfurter Straße) und 52,1 (Schiede I) jedoch deutlich. In 2018 lagen die gemessenen Werte noch bei 47,4 und 54 µg/m³, 2015 bei 52,7 und 62,7 µg/m³.

Größte Rückgang bei Messstation an der Schiede

Den größten Rückgang verzeichnet die Luftmessstation an der Schiede (vor Karstadt). Im vergangenen Jahr lag der Jahresmittelwert bei 42,3 µg/m³ gegenüber 49,2 µg/m³ in 2018. Der starke Rückgang wird vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klima, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit lokalen Windphänomen in Verbindung gebracht. Das gab es bereits 2017, als der Wert von 51,1 (in 2016) auf 43,2 µg/m³ sank, um dann auf wieder auf 49,2 µg/m³ zu steigen.

Die unterschiedlichen Messwerte an der Schiede zwischen Passivsammler und Luftmessstation, dazwischen liegen lediglich die vier Fahrspuren der Straße, ist nach Angaben des Ministeriums und des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie auf die Bebauung und die damit verbundene Verwirbelung der Luftmassen zurückzuführen.

Die Hauptwindrichtung in Limburg liegt in West-Südwestrichtung, die Schiede ist an dieser Stelle in Südost-Nordwestrichtung ausgerichtet, befindet sich somit quer zur Windrichtung. Der Wind wird durch die hohe Bebauung abgebremst und in der Straße verwirbelt. Dadurch kommt es zu den höheren Werten auf der Straßenseite, die in den Schiedetunnel führt.

Wie im aktuellen Luftreinhalteplan aufgeführt, war eine Aufstellung der Luftmessstation auf der „schlechteren“ Straßenseite aufgrund der dort nicht vorhandenen technischen Anschlüsse nicht möglich.

 Es braucht Zeit, bis Vorhaben umgesetzt werden

„Wir arbeiten intensiv daran, Verbesserungen zu erreichen“, darauf weist der 1. Stadtrat Michael Stanke hin. Doch bis Vorhaben umgesetzt werden, braucht es Zeit. Finanziell ist die Stadt auf Unterstützung durch den Bund angewiesen, Fördergelder gibt es aus dem Sofortprogramm „Saubere Luft“. Die Stadt hat auch schon Förderbescheide erhalten, jüngst zum Aufbau eines digitalen Fahrgastinformationssystems. Voraussetzung für Mittel aus dem Sofortprogramm ist der sogenannte Green City Plan, den die Stadt aufstellen musste. Darin sind zahlreiche Vorhaben enthalten, mit denen die Luftqualität in der Stadt verbessert werden soll.

Der 2017 in Betrieb gegangene Verkehrsleitrechner soll zum Beispiel mit zusätzlichen Daten gefüttert und zu einem Verkehrsleitsystem ausgebaut werden. Die Planung für dynamische Fahrgastinformationen sind abgeschlossen, die Ausschreibung der Anlagen für Nutzer des öffentlichen Personenverkehrs soll in Kürze folgen. Die Stadt fördert die Anschaffung von Lastenfahrräder mit elektrischem Antrieb und hat inzwischen zusammen mit der EVL ein E-Carsharingangebot aufgebaut, was die Verwaltung auch selbst nutzt.

Ab 1. März werden die Busse der Stadtlinie nach der neuesten Euro6-Norm unterwegs sein, verschiedene Lücken im Radwegenetz der Innenstadt wurden bereits geschlossen, zahlreiche weitere Lückenschlüsse sind vorgesehen; zudem gibt es Überlegungen für Radhauptwege und eine verbesserte Infrastruktur für Radler. Eine neue Buslinie verstärkt die Verbindung zwischen der Innenstadt und der Dietkircher Höhe.

Vorbereitungen für City-Logistik-Konzept und für Parkraumkonzept laufen

Nach Angaben von Eva Struhalla, Leiterin des Amts für Verkehrs- und Landschaftsplanung, laufen zum Beispiel auch Vorbereitungen für ein City-Logistik-Konzept in der Innenstadt. Dazu wurde im Vorfeld ein Arbeitskreis mit CityRing, IHK und dem Altstadtkreis ins Leben gerufen, ein Interessebekundungsverfahren hat stattgefunden und die Erstellung eines Konzepts soll nun ausgeschrieben werden. Ähnliches gilt auch für ein neues Parkraumkonzept sowie die Überarbeitung des Parkleitsystems.

„Es wird dabei immer wieder deutlich, dass nachhaltige Verbesserungen Zeit benötigen und nicht per Mausklick zu erreichen sind“, wirbt Stanke für etwas Geduld. In vielen Bereichen ist die Stadt auf Unterstützung durch Landkreis als zuständige Straßenverkehrsbehörde, das Land oder Verkehrsverbünde angewiesen. „Wenn es zum Beispiel um gemeinsame Tarife oder Übergangstarife im öffentlichen Personenverkehr geht, um eine Ausweitung des Busangebotes ins Limburger Umland oder auch um Einbindung der Schulen in Mobilitätsmaßnahmen, kann die Stadt alleine nichts erreichen“, verdeutlicht Bürgermeister Hahn. Und nicht nur die Stadtverwaltung sei gefragt, um mit Jobtickets ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei Wegen in und durch die Stadt den Umstieg auf Bus und Bahn schmackhaft zu machen. „Da sind alle großen Arbeitgeber in Limburg gefordert, Beiträge zu einer Entlastung zu leisten“, so Hahn.