Datum: 24.08.2025
Archivalie der Woche 318 - Stiftung »Heppel-Stift«
Zu den herausragenden Persönlichkeiten der Stadtgeschichte zählt Josef Heppel (1849-1936). Er gründete die Blechwarenfabrik und war auch in der Kommunalpolitik aktiv. 1919 ernannte die Stadt ihn zu ihrem Ehrenbürger.
Nachdem Heppel die Blechwarenfabrik 1904 verkauft hatte, lebte er als Privatier. Er tat sich als großzügiger Spender hervor. So stiftete er den Georgsbrunnen, der heute auf dem Neumarkt steht, ergriff die Initiative zur Errichtung der Ölberggruppe an den Fußfällen im Tal Josaphat und der Kreuzkapelle, spendierte eine Wetterstation in den Bahnhofsgrünanlagen. Die Schaffung der Grünanlagen am Schafsberg war seinen Engagement zu verdanken. Außerdem unterstützte er mittellose, aber begabte Limburger Schüler bei der Finanzierung ihres Studiums.
Das dauerhafteste Denkmal setzten sich Josef Heppel und seine Frau Sophie Heppel geb. Haecker mit der Errichtung des „Heppel-Stiftes“ in der Diezer Straße. Die heutige „Archivalie der Woche“ ist die „General-Akte betr. Stiftung Heppel-Stift“ (Signatur: StALM II/5156). Die Akte enthält den Entwurf der Stiftungssatzung vom 15. August 1915. Danach verpflichtete sich das Ehepaar Heppel, ihr Haus Diezer Straße 65, ein weiteres Grundstück sowie 25.000 Mark in die Stiftung einzubringen. Es wird festgelegt: „Der Zweck der Stiftung ist caritativer Art.“ Im Haus sollen mehrere „Arme Dienstmägde Jesu Christi“ wohnen und im westlich der Schiede gelegenen Teil der Stadt unentgeltlich häusliche ambulante Krankenpflege ausüben. Weitere caritative Dienste bedurften der Zustimmung des Verwaltungsrates. Außerdem sollte der katholische Mädchenschutzverein im Haus seinen Sitz haben. Gegen Vergütung sollten mehreren katholischen erwerbstätigen jungen Mädchen und Frauen Wohnung gewährt werden.
Am 2. Mai 1916 teilte der Landrat dem Bürgermeister mit: „Auf Grund Allerhöchster Ermächtigung Seiner Majestät des Königs ist vom Staatsministerium … die Genehmigung erteilt worden.“
Im Dezember 1916 war der Neubau des Heppelstiftes fertiggestellt. In den 1920-er Jahren erhielt die Stiftung wiederholt Staatsbeihilfen. 1926 wurden Fragen zum Zweck beantwortet: „Das Heppelstift nimmt in erster Linie hilfsbedürftige, alleinstehende weibliche Personen auf. Es will ihnen ein angenehmes Heim bieten und sie in ihrer leiblichen Not stützen und pflegen.“ In zweiter Linie würden erwerbstätige Mädchen aufgenommen, um sie vor sittlichen Gefahren zu schützen. Mit der Beantwortung war auch der Antrag auf eine Beihilfe verbunden, die für Reparaturen erforderlich war. Ende der 1920-er Jahre waren Erweiterungsbauten nötig.
War das Heppelstift im 1. Weltkrieg bereits Lazarett, so diente es im 2. Weltkrieg der Aufnahme von Ausgebombten.
Die Akte endet mit der Anfrage des Oberlandesgerichtes Frankfurt von 1956, ob die Stiftung noch bestehe oder ob sie aus dem Verzeichnis gelöscht werden könne. Bürgermeister Joseph Schneider teilte mit, sie bestehe noch und bat darum, sie nicht zu löschen.
Das Heppel-Stift besteht bis in die Gegenwart, wenn auch das Gebäude inzwischen eine andere als die ursprüngliche Nutzung hat.