Datum: 13.07.2025
Archivalie der Woche 312 - Einwohnermeldekarten Ludwig und Helene Rosenthal
Zwei unscheinbare Karten im Format 11,3 x 15,5 Zentimeter, wie die erste Limburger Einwohnermeldekartei tausende enthält. Und doch lässt sich an ihnen ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte ablesen. Es handelt sich um die Karten des Ehepaares Ludwig Rosenthal und Helene Rosenthal geb. Auerbacher.
Ludwig Rosenthal wurde 1885 in Limburg geboren. Er war „israelitischer“ Religion, wie auf der Karteikarte vermerkt ist, also Jude, und ging dem Beruf des Kaufmanns nach. Als die Karte angelegt wurde, vermutlich 1919, war er noch ledig. Dies wurde ein Jahr später korrigiert: er ehelichte am 6. September 1920 die 1897 in Saarbrücken geborene Helene Auerbacher.
Wir erfahren, dass Ludwig Rosenthal seit seiner Geburt im Haus seiner Eltern (in der Hospitalstraße) gewohnt hatte, als 16-jähriger nach Frankfurt ging – vielleicht zur Ausbildung – und schließlich nach Limburg zurückkehrte. 1905 ging er für einen Monat nach Koblenz, wohnte dann wieder bei seinen Eltern und zog schließlich am 20. Juli 1920 in das Haus Am Huttig 1.
Seine Frau, die ebenfalls jüdischen Glaubens war, zog zwei Tage vor der Hochzeit ebenfalls dort ein.
Das Haus lag direkt neben der Obermühle, die Ludwig Rosenthal 1918 erworben hatte und künftig betrieb. Die Einträge auf den Karteikarten enden mit dem Datum 19.6.1937, New Rochelle, USA. Das Ehepaar war Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung geworden. Sie waren gezwungen, die Obermühle an die „Obermühle GmbH“ der Bäckergenossenschaft zu verkaufen – die sogenannte „Arisierung“, die Verdrängung jüdischer Unternehmer und Geschäftsleute aus dem Wirtschaftsleben. Möglicherweise ahnte das Ehepaar, dass damit der Höhepunkt der Verfolgung noch nicht erreicht war, so dass sie sich entschlossen, ihre Heimatstadt zu verlassen und in die USA zu fliehen. So überlebten sie. Ludwig Rosenthal starb 1958 mit 72 Jahren, Helene Rosenthal 1964 wenige Tage vor ihrem 67. Geburtstag. Ihr Haus Am Huttig 1 steht inzwischen nicht mehr, an dieser Stelle wurde der Kindergarten errichtet. Die „Obermühle GmbH“ betrieb die Mühle noch bis 1969.