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Die Demokratie als Staatsform zu schätzen wissen, sie auch zu verteidigen und für sie einzutreten, das ist eine wichtige Einstellung und Aufgabe. Die Entwicklungen auf der Erde, in Europa oder auch das verstärkte Aufkommen von politischen Kräften im eigenen Land, die grundlegende Prinzipien der Demokratie in Frage stellen, steht dem aktuell entgegen. Für junge Menschen ist es wichtig, sich zu positionieren, klare Standpunkte zu beziehen. Auf dem Jugendkongress des „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ in Berlin ging es genau um diese Themen – mit Limburger Beteiligung.
Thema des Jugendkongresses in Berlin war auch die Verfolgung und das Unrecht gegenüber den Sinti und Roma während der NS-Zeit. Zu denen, die die Gedenkstätte besuchten, gehörte auch Elena Liebelt (links) aus der Limburger Delegation. Fotohinweis: bfdt (Bündnis für Demokratie und Toleranz)
„Die Wertschätzung für die Demokratie kam gut rüber. Und wir haben gelernt, dass wir uns für sie einsetzen müssen“, fasst Ariana Vetter in der Limburger Kulturenwerkstatt zusammen. In der Werkstatt ist auch der Anlaufpunkt für das Jugendforum der Partnerschaft für Demokratie in Limburg. Zwölf junge Menschen aus diesem Forum hatten sich zusammen mit Tobias Kurth, er koordiniert die Arbeit und das Engagement des Bündnisses in der Domstadt, auf den Weg nach Berlin gemacht. „Engagiert für Demokratie“ lautete dort das Motto der Zusammenkunft. Über 70 Workshops und Foren standen den Jugendlich und jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis 20 Jahren zur Verfügung.

„Demokratie ist nicht selbstverständlich“, sagt Cara Schneider. Das ist nicht nur ein Thema in Berlin gewesen, ist auch nicht nur ein Thema im Jugendforum, sondern wird in der täglichen Begegnung deutlich. Schülerinnen und Schüler an den Schulen, die Cara, Ariana oder auch Elena Liebelt sowie andere Kongressteilnehmende aus Limburg besuchen, haben einen Teil ihres bisherigen Lebens in Ländern verbracht, die autoritär oder auch totalitär geführte Staaten sind. „Hier in Limburg, in Deutschland können wir frei unsere Meinung sagen, das ist in anderen Ländern keineswegs selbstverständlich“, so Elena.

Neue Erfahrungen

Aber Demokratie und offene Gesellschaft geraten auch in der eigenen Heimat unter Druck. Extremistische Positionen nehmen in der politischen Auseinandersetzung zu, rechte Musik breitet sich aus, salafistische Propaganda trifft in einem westlichen Land auf nahrhaften Boden, Stammtischparolen verbreiten sich über das Netz viel schneller und weiter. Und oft haben sie das zum Ziel, was Demokratie ausmacht: Vielfalt der Kulturen, der Meinungen, offene Diskussionen.

„Ich habe in Berlin aber auch zum ersten Mal so richtig erlebt, was Antisemitismus bedeutet“, sagt Elena. Sie ist auf dem Kongress mit jungen Menschen zusammengekommen, die Juden sind und in Deutschland leben. „Von ihnen zu erfahren, welchen Anfeindungen und Beleidigungen sie ausgesetzt sind, hat mir die Augen geöffnet“, erzählt sie weiter. In Limburg und Umgebung hat sie das noch nicht so wahrgenommen.

„Natürlich bekommen wir auch mit, dass es bei uns zu Hause ausländerfeindliche Äußerungen gibt oder auch Aktionen. Dann sind aber vor allem muslimische Bürger die Opfer“, berichtet Cara. Das Thema wurde natürlich auch in Berlin aufgegriffen, denn Rassismus oder auch Fremdenfeindlichkeit gibt es in vielen Erscheinungsformen und Ausprägungen

Geschichte mit Diktaturen

Natürlich geht es auf einem solchen Kongress auch um die deutsche Vergangenheit. Es gehört einfach dazu, sich mit Ausgrenzung, Verfolgung und Holocaust auseinanderzusetzen. Eine Geschichte, die die Verfolgung von Sinti und Roma einschloss, die aber auch zu Widerstand führte, der jedoch nicht den Sturz des NS-Regimes erreichte und eine Geschichte, die Spuren einzelner Menschen hinterließ, zum Beispiel eines jüdischen Mädchens mit Namen Anne Frank. Und es gibt in der deutschen Geschichte noch eine zweite Diktatur, die mit der Stasi die eigene Bevölkerung rund um die Uhr überwachen ließ.

Ganz wichtig auf dem Kongress und deren Teilnehmer/innen auch die Impulse des Mitmachens. Beim Poetryslam hat die Delegation aus Limburg mitgewirkt, Hiphop-Texte mit demokratischen Botschaften kreiert oder beim Gospel mitgesungen. „Das hat alles richtig Spaß gemacht und war mit dem Tagesprogramm im Kongresszentrum am Alexanderplatz noch lange nicht erledigt“, erzählt Ariana. Die Diskussionen, der Meinungsaustausch ging auch in den Abendstunden weiter.

Was bleibt?

Das Bundesprogramm "Demokratie leben" wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend gefördert.
Und was bleibt von all dem? „Es bleibt das Erlebnis von vielen jungen Menschen, die sich sehr respektvoll und höflich begegnet sind“, sagt Cara. „Für mich bleibt, dass soziales Engagement mit viel Anerkennung gewürdigt wurde und Wertschätzung erfahren hat“, ergänzt Ariana. Und Elena spricht von einem Motivationsschub, der hoffentlich noch lange anhält und bei ihr dazu führt, „Demokratie mehr zu leben“. Nicht mehr den Mund zu halten, wenn sich Diskriminierung vor den eigenen Augen und Ohren abspielt oder historische Ereignisse geleugnet werden.

Tobias Kurth, der als Begleiter mit in Berlin war, hat auch seine Erfahrungen gemacht. „Unsere Leute haben den Kongress komplett durchgezogen, da ist niemand auf Tauchstation gegangen.“ Er ist davon überzeugt, dass das Zusammentreffen von vielen Gleichgesinnten und die anspruchsvollen und abwechslungsreichen Workshops und Foren sich positiv auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auswirkt, sie engagiert für die Demokratie bleiben und ihre Erfahrungen auf lokaler Ebene weitergeben.

Die Bildungsfahrt fand im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie Limburg statt, die aus Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird.

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