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Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers in Auschwitz gibt es heute noch einen Teich, den das KZ-Personal nutzte, um die Asche der ermordeten und anschließend verbrannten Juden zu entsorgen. Ein Ort, der sich an der Stätte des Grauens in Auschwitz bei Schülerinnen und Schülern der Limburger Peter-Paul-Cahensly-Schule besonders eingeprägt hat.

: Die Flamme auf der Stele mit den Namen der jüdischen Opfer flackerte, als Rabbiner Michael Jedwabny das Gebet vortrug und die Namen der Opfer vor den Anwesenden der Gedenkfeier verlas.

73 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers durch die Rote Armee ist Auschwitz immer noch ein Zeugnis des unbarmherzigen Vernichtungswillens der Nationalsozialisten. Sabrina Storz und Lennart Haßdenteufel legten davon auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde in Limburg Zeugnis ab. Anlass war der Holocaust-Gedenktag (27. Januar). Die jüdische Gemeinde hatte zusammen mit der Stadt am Sonntag zu einem Gedenken eingeladen. Dabei trugen Sabrina Storz und Lennart Haßdenteufel Passagen aus Tagebuchaufzeichnung vor, die im vergangenen Jahr von einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern zusammengetragen worden war, die Ausschwitz besuchten.

„Unsere Erinnerung darf nicht aufhören“, mit dieser Aufforderung hatte Elena Kopirovskaja als Vorsitzende der jüdischen Gemeinde die Gäste und Besucher, darunter Weihbischof Thomas Löhr und sein Vorgänger Gerhard Pieschl, begrüßt. Bürgermeister Dr. Marius Hahn mahnte, sich entschieden jeder Form des Hasses entgegen zu stellen. Mit Blick darauf, dass sich rechtes Gedankengut ausbreitet, sagte er: „Wer sich den Hetzern nicht mit aller Energie widersetzt, hat die Lehren der Vergangenheit nicht begriffen.“

Nach Einschätzung von Hahn wissen sich die Limburger Politik und Verwaltung in der Pflicht, den Opfern der NS-Zeit Ehre zu erweisen und ihrer zu gedenken. Limburg komme dem mit der Verlegung von inzwischen 85 Stolpersteinen, der Erforschung der Zeit zwischen 1933 und 1945 durch das Stadtarchiv und nicht zuletzt durch die Unterstützung von Initiativen und Einzelpersonen, die sich der Aufarbeitung der Geschehnisse in der NS-Zeit widmeten, nach.

Rabbiner Michael Jedwabny, der ein jüdisches Gebet anstimmte, blieb es vorbehalten, die Namen der jüdischen Opfer aus Limburg zu verlesen. 136 Frauen, Männer und Kinder wurden in den Vernichtungslagern ermordet, starben in der Haft oder flüchteten in den Selbstmord. Der Rabbiner forderte dazu auf, das Wort Gottes als Kompass für das menschliche Tun im Blick zu haben und ihm zu folgen. Dann könne der Mensch auch die ihm innewohnende Kraft des (selbst)zerstörerischen Tuns überwinden.

Sabrina Storz und Lennart Haßdenteufel trugen Passagen aus den Tagebüchern vor, die Schülerinnen und Schüler während des Besuchs von Auschwitz verfasst hatten.

Christa Pullmann vom Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit rief die Opfer der NS-Zeit in Erinnerung, die nicht dem jüdischen Glauben angehörten. Zu den ersten Opfern der Nazis gehörten Gewerkschafter, Kommunisten und Sozialdemokraten, später kamen noch viele behinderte Menschen hinzu, die unter anderem in Hadamar ermordet wurden. 44 solcher Opfer aus Limburg sind bisher bekannt geworden.

Zu diesen Opfern zählt auch Josef Linz, der aus Eschhofen-Mühlen stammt. Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker erinnerte an sein Leben, das am 18. März 1943 in Hadamar endete. Josef Linz war am 23. Februar 1928 zur Welt gekommen, er war von Geburt an geistig behindert und wurde im Alter von neun Jahren im St.-Vincenzstift in Aulhausen aufgenommen. Dort ging er zur Schule, machte langsame Fortschritte. 1938 wurde er verlegt, im Frühjahr 1941 erneut. Den Eltern wurde die zweite Verlegung nicht mitgeteilt. Am 20. Februar 1943 wurde er laut Akten nach Hadamar gebracht, wo er nach offiziellen Angaben am 18. März an einem Darmkatarrh verstarb.

Waldecker berichtete zudem über das Schicksal der Familie Sachs, die in der Limburger Grabenstraße lebte und dort von 1895 an ein Bekleidungs- und Manufakturenwarengeschäft betrieb. Hermann und seine Frau Rosa Sachs stammten aus Unterfranken und Rotenburg/Fulda und waren Eltern von zwei Töchtern. Hermann Sachs kam 1935 wegen „Verächtlichmachung des Dritten Reiches“ für zwei Wochen ins Limburger Gerichtsgefängnis. Das Geschäft der Familie wurde am 9. November 1938 zerstört und geplündert, Hermann Sachs wurde in Freiendiez inhaftiert. Hermann Sachs und seine Frau Rosa, die im Januar 1939 Limburg verlassen hatten und nach Frankfurt gezogen waren, starben in Theresienstadt. Ihre Tochter Johanna und deren Mann Hugo Neufeld, die in Plettenberg Mitinhaber eines Kaufhauses waren, wurden nach Minsk deportiert und dort vermutlich ermordet. Der zweiten Tochter Alice und ihrem Mann Leo Wolf gelang die Flucht in die USA, wo sie im Alter von 61 (Leo Wolf) und 66 Jahren (Alice Wolf) in Chicago starben.

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