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Sind erfreut über die neue Stele (von links): Heike Margraf (Leiterin Familienbildungsstätte), Andrea Kriwanek, Pater Ralf Büscher und Ruth Schlösser (alle Arbeitskreis Kindergrabmal) sowie Reiner Eul (Künstler), Michael Stanke (1. Stadtrat) und Sabine Schmitt (Friedhofsamt Stadt Limburg).
Es ist ein besonderer Platz auf dem Limburger Hauptfriedhof. Ein Grabstein, Wiese, eine gepflasterte Fläche und Steine mit Namen und einem Datum. Rund 250 Sternenkinder haben dort eine Ruhestätte gefunden. Ein Ort der Trauer und des Gedenkens für ihre Eltern und Geschwister, Großeltern. Eine Glasstele klärt nun all die über diesen besonderen Platz auf, die keinen direkten Bezug zu dem Gräberfeld haben. Gestaltet hat die Stele der Künstler Reiner Eul von der Glasfachschule in Hadamar.

„Glas ist zerbrechlich wie das Leben der kleinen Seelen“, erklärt Heike Margraf. Sie ist Leiterin der katholischen Familienbildungsstätte und ihr ist es seit vielen Jahren ein wichtiges Anliegen, den totgeborenen Kindern und ihren Eltern ein würdiges Abschiednehmen und eine Stätte der Trauer und des Erinnerns zu ermöglichen. „Wenn Kinder sterben, dann stirbt die Zukunft“, beschreibt Heike Margraf die Tragik des Kindstods für Eltern, Großeltern und Geschwister. Und über viele Jahrzehnte blieb der frühe Tod, also die Tot- oder Fehlgeburten, ohne ein Ort des Gedenkens, die Kliniken „entsorgten“ die winzigen Leichname.

Das Glas der Stele steht für die Zerbrechlichkeit des Lebens, die eingravierte Träne für die Trauer und die Sterne für die Vorstellung, wohin sich die kleinen Seelen nach dem frühen Tod aufmachen. „Es geschieht, dass eine kleine Seele die Erde nur kurz streift“, beginnt die kurze Inschrift auf der Glastafel. Eine Mutter hat so ihre Trauer zum Ausdruck gebracht.

Dass es eine Stätte der Erinnerung und des Abschiednehmens seit 2003 auf dem Limburger Hauptfriedhof gibt, ist vor allem dem Wirken eines Arbeitskreises zu verdanken, der an der Familienbildungsstätte angekoppelt ist. Verschiedene Kliniken aus einem größeren Umkreis, darunter auch das St.-Vincenz-Krankenhaus, haben dazu die Anregung gegeben. Mit dem Gräberfeld wurde eine Alternative zur entwürdigenden Entsorgung der totgeborenen Kinder geschaffen.

Zunächst geschah dies vollkommen anonym. Inzwischen gibt es die Möglichkeit, an die Kinder mit Namensnennung und/oder Sterbedatum zu erinnern. Dies geschieht mit kleinen beschrifteten Steintafeln. Davon machen nach Angaben von Heike Marggraf immer mehr Eltern Gebrauch. Doch das Wichtigste sei einfach, einen Ort der Erinnerung, der Trauer zu haben. Einmal im Vierteljahr organisiert der Arbeitskreis eine ökumenische Trauerfeier, an der eine Urne mit der Asche der Sternenkinder in die Erde auf dem Gräberfeld eingelassen wird.

Dankbar über die Initiative und das langjährige Engagement des Arbeitskreises zeigte sich Limburgs Erster Stadtrat Michael Stanke bei der Vorstellung der neuen Glasstele. Für die Stadt sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen, auf dem Friedhof eine Fläche zur Verfügung zu stellen, um den Sternenkindern einen würdigen Platz zu geben und Eltern, Geschwister somit einen Ort der Trauer, des Abschiedsnehmens aber auch der Erinnerung zu ermöglichen. Mit der Stele erfahre das Gräberfeld eine Aufwertung und erschließe Besuchern des Friedhofs zudem die Bedeutung des Gräberfelds.

Die Vorstellung der neuen Glasstele nutzt Heike Margraf auch dazu, Dank zu sagen: Der Stadt Limburg und ihrer Friedhofsverwaltung, dem Bestattungsunternehmen Jakob Ehmann für die unentgeltliche Überführung und Einäscherung, der Lebenshilfe Limburg-Diez, dem Planungsbüro Sabine Kraus und den Auszubildenden des Bauzentrums an der Friedrich-Dessauer-Schule, die sich als Paten der Pflasterfläche annehmen und die kleinen Steinplatten mit den eingravierten Beerdigungsdaten verlegen. Einen besonderen Dank sagte Heike Marggraf der Naspa-Stiftung, die die Schaffung der neuen Hinweistafel mit 1000 Euro unterstützte.

An jedem zweiten Sonntag im Dezember lädt der Arbeitskreis aus Anlass des Weltgedenktages für verstorbene Kinder zu einer Trauerfeier ein. Sie findet diesmal am 10. Dezember, 18 Uhr, in der Kapelle des Musischen Internats in Hadamar statt.

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