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Stunde des Gedenkens, Stunde der Mahnung. Der emeritierte Weihbischof Gerhard Pieschl, Bürgermeister Dr. Marius Hahn sowie Dr. Gerhard Lutter als Vertreter der Kameradschaft Stalingrad riefen während der zentralen Gedenkveranstaltung der Stadt Limburg auf dem Ehrenfriedhof dazu auf, stets das Gespräch zu suchen und den Frieden anzustreben. Oberstleutnant a.D. Michael Knaack (Reservistenkameradschaft Limburg) unterstrich die Verantwortung für den Frieden.

Nach den Ansprachen am Volkstrauertag auf dem Limburger Ehrenfriedhof legten die Gäste und Delegationen Kränze an den verschiedenen Ehrenmälern nieder.

Die Zahl derer, die die Kameradschaft Stalingrad am Volkstrauertag in Limburg vertreten, wird immer kleiner. Fast 75 Jahre ist die Schlacht nun vorbei, die so viele Millionen an Opfern gefordert hat auf beiden Seiten des Grabens. „Nie wieder Krieg. Das muss unser Leitmotiv sein“, forderte Dr. Gerhard Lutter als Vertreter der Kameradschaft. Nach einer so langen Zeit denke wohl kaum noch jemand an die Leiden, die Trauer, die mit der Schlacht verbunden seien. Doch die Erinnerung an das Grauen ohne Ende sei wichtig, um es als Mahnung weiter zu tragen.

„Über den Gräbern ist Versöhnung gewachsen. Tod und Opfer sind nicht umsonst gewesen“, verdeutlichte der emeritierte Weihbischof Gerhard Pieschl. Die Stunde der Trauer und der Gewissenserforschung, des Gedenkens an alle Gefallenen aller Nationen führe daher auch zu Hoffnung. Die Versöhnung zwischen denen, die sich in den Kriegen in den Gräben gegenübergestanden haben, sich bekämpft haben, sei ein sichtbares Zeichen dieser Hoffnung. Pieschl selbst hat seinen Vater im Zweiten Weltkrieg verloren. Er starb am 18. November 1944 in der Nähe von Budapest. Sein Vater sei nur 33 Jahre alt geworden, sagte Pieschl während der Feierstunde.

Auf dem Ehrenfriedhof hatten sich unter anderem Landrat Manfred Michel, Stadtverordnetenvorsteher Michael Köberle, Ortsvorsteherin Sigi Wolf eingefunden hatten. Die Feierstunde gestalteten musikalisch der Gesangverein „Eintracht“ Limburg und Trompeter Johannes Kramer. Die Marienschülerinnen Katharina Groebeler und Elena Jung trugen während der Ansprachen Gedichte vor.

: Mitarbeiter des Ordnungsamts der Stadt tragen ebenso wie die beiden Marienschülerinnen Katharina Groebeler und Elena Jung einen Kranz zum Ehrenmal, Bürgermeister Dr. Marius Hahn und Landrat Manfred Michel folgen.

Für Michael Knaack ist es notwendig, nicht nur an die Soldaten aller Nationen zu erinnern, die in den Kriegen gefallen sind. Auch an die Soldaten der Bundeswehr, die im Rahmen ihrer Einsätze sterben, an die vielen aktuellen zivilen Opfer der kriegerischen Auseinandersetzungen gelte es zu gedenken. Und auch an die, die in der Zeit den Zweiten Weltkriegs oder der NS-Herrschaft zwischen 1933 und 1945 Opfer wurden, weil sie dem Regime Widerstand geleistet haben oder ermordet wurden, weil sie gesundheitliche Einschränkungen aufwiesen.

Bürgermeister Dr. Marius Hahn wartete an dem Gedenktag an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft mit einem besonderen Zeugnis auf, mit Schreiben des Musketiers und späteren Unteroffiziers Johann Rieth, der unzählige Briefe und Feldpostkarten an seine Frau in Limburg geschrieben hat. Der Schriftverkehr ist von der Enkelin Christa E. Rieth aus San Diego /USA dem Stadtarchiv überlassen worden. Zunächst war Johann Rieth noch optimistisch, dass der Krieg nicht lange dauert. „Lange dauert es nicht mehr“, beendete er einen Brief im November 1915.

Zwei Monate später jedoch verfasste er in Vorbereitung und Erwartung der Verluste bei der Schlacht in Verdun einen zeitlosen Abschiedsbrief und sagte seiner Frau und den beiden Kindern Lebewohl. In den nächsten Monaten berichtete Rieth in seinen Briefen davon, wie sie unter Beschuss geraten, er Glück hat und überlebt. Hoffnung keimte auf: „Auf ein baldiges gesundes Wiedersehen“. Doch ein Granatsplitter beendete am 4. Oktober 1917 vormittags gegen 7 Uhr das Leben des Soldaten aus Limburg. Die Nachricht über den Heldentod an Kätchen Rieth wurde erst über drei Wochen später losgeschickt.

Um aus den schrecklichen Erfahrungen der Geschichte zu lernen, ist ein gutes Erinnerungsvermögen notwendig, so der Bürgermeister. Der Volkstrauertag sei die Aufforderung, aus den Erfahrungen der Geschichte zu lernen und die Erinnerung an Tod, Schmerz und Verlust wach zu halten.

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