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Limburg an der Schranke, das war einmal. In den 1960er und 1970er Jahren, als der Weg durch die Stadt mit dem Auto oft an heruntergelassenen Schranken unterbrochen wurde. Und heute? Limburg an der Ampel? Im Stau durch Limburg? Und zukünftig? Der Verkehr in der Stadt ist ein wichtiges Thema für Bürger und Politik. Die Luftbelastung ist hoch, der Verkehr verursacht Lärm. Lösungen sind gesucht, liegen aber nicht auf der Hand und müssen mühsam erarbeitet werden. Der Masterplan Mobilität hat das Ziel, Verbesserungen aufzuzeigen im Zusammenwirken von Stadt und Umland, alle Verkehrsarten einbeziehend und im Dialog von verschiedenen Fachplanern und Bürgern.

Ein Anfang ist gemacht. Zum ersten Mal tagte der Projektbeirat für den Masterplan Mobilität. Sogenannte Zufallsbürger waren darunter, Vertreter der Stadtpolitik und aus Bürgerinitiativen oder Verkehrsvereinen, Bürgermeister aus der Nachbarschaft und Vertreter aus Verbänden, die sich mit Verkehr befassen. Limburgs Erster Stadtrat Michael Stanke machte gleich deutlich: „Nach Lösungen zu suchen nimmt Zeit in Anspruch.“ Und die Rahmenbedingungen sind auch nicht einfach, schließlich wartet die Stadt auf den Luftreinhalteplan, in dessen Entwurf auch ein Lkw-Fahrverbot vorgesehen war.

Jetzt tagte zwar „nur“ der Beirat, aber am Dienstag, 16. Januar, ist schon ein Bürgerforum vorgesehen, wie Moderator Fridtjof Ilgner ankündigte. Der Beirat wird auch wieder tagen und im Verlauf des kommenden Jahres sollen so Vorschläge erarbeitet werden, die in den folgenden Jahren umgesetzt werden sollen. Zum Auftakt gab es erst einmal eine Bestandsanalyse, die Dr. Michael Frehn und David Madden von der Planersocietät in Dortmund erarbeitet hatten und vorstellten.

91 Prozent der Limburger Haushalte besitzen mindestens einen Pkw, 2,24 Wege legt der durchschnittliche Limburger pro Tag zurück, 71 Prozent davon werden mit dem Auto zurückgelegt, 15 Prozent mit dem ÖPNV und 14 Prozent zu Fuß und mit dem Rad. Der Kfz-Bestand in der Stadt hat sich zwischen 1990 und 2017 von 16000 auf 23000 erhöht. Die CO2-Emission in der Stadt werden sich von 1995 bis 2023 um 22 Prozent reduziert haben, beim Verkehr wird im Gegensatz zu den Haushalten und der Industrie jedoch kein Rückgang zu verzeichnen sein.

Bei der Stickstoffdioxidbelastung kommt Limburg im Bundesvergleich auf Platz 8 mit einer Belastung von 60 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, der Spitzenwert in Stuttgart liegt mit 80 µg/m3 noch deutlich darüber, der Grenzwert beträgt 40 µg/m3 und wird in Limburg nahezu täglich überschritten.

Was den Verkehrsplanern positiv am Autoverkehr auffällt, ist die gute Erreichbarkeit Limburgs, die kurzen Reisezeiten in der Stadt, die Trennung von Haupt- und Nebenstrecken, die konsequente Anwendung von Tempo 30 in Wohngebieten sowie die gut abgestimmte Ampelschaltung. Allerdings gibt es in der Stadt eine hohe Belastung über den gesamten Tagesverlauf, eine Überlastung von Verkehrsknoten und bestimmten Strecken, Flaschenhalseffekte bei der Querung der Lahn und von Bahnlinien.

Beim ruhenden Verkehr gibt es nach Einschätzung der Planer eine ausreichende Anzahl an Parkplätzen in der Innenstadt. Die höchste Auslastung sei tagsüber gegen 11 Uhr vorhanden. Eine kritische Größe mit einer Auslastung von 90 Prozent und mehr werde an normalen Tagen in keiner Einrichtung in der Stadt erreicht. Positiv bewerten die Verkehrsplaner die aktuellen Informationen über die Parkmöglichkeiten, negativ fällt ins Gewicht, dass die Anreize, in die Stadt zu fahren, einen entsprechenden Parksuchverkehr erzeugen.

Für Fußgänger sei es positiv, in einer kompakten Innenstadt unterwegs zu sein, der Bahnhof sei gut zu erreichen und mit der Grabenstraße bestehe ein guter Übergang zur Altstadt. Das Angebot an Sitzgelegenheiten sei jedoch noch zu verbessern und die Aufenthaltsqualität auf zentralen Plätzen der Stadt werde durch parkende Autos eingeschränkt. In der Altstadt falle die mangelnde Barrierefreiheit auf, die Schiede entwickele an ihren Rändern eine deutliche Trennwirkung und einige Unterführungen vermittelten eine geringe soziale Sicherheit.

Positiv vermerken die Verkehrsplaner für den Radverkehr, dass die Einbahnstraßen in Limburg fast durchgehend entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung für Radfahrer zu befahren sind. Die Beschilderung wird ebenfalls positiv bewertet, ebenfalls die Abstellmöglichkeiten und die gute Anbindung an die Radfernwege. Negativ fällt der Verkehrsplanern die fehlende Durchgängigkeit der Radwege bzw. der Radschutzstreifen auf, auch der häufige Wechsel der Führungsform wird kritisiert und der Schutz in Kreuzungsbereichen fehle häufig noch.

Ein gutes Stadtbusangebot in der Kernstadt, ein einheitliches Bild der Stadtlinie, die Stadt als Knotenpunkt und zehn Fahrten an Wochentagen in die Stadtteile, das sind die Pluspunkte im Bereich ÖPNV. Die geringe Anzahl an barrierefreien Haltestellen (20 Prozent), der fehlende Übergangstarif in das benachbarte Bundesland und die Schwachlastzeiten, die ausschließlich vom Anrufsammeltaxi bedient, seien verbesserungswürdig. Richtig negativ fällt ins Gewicht, dass die Buslinien in und aus der Region, die auch die Stadtteile bedienen, keinen Takt haben, was zu schwer merkbaren Abfahrzeiten führe. Die niedrigen Fahrzeugstandards abseits der Stadtlinie werden ebenso kritisiert und das schlechte Angebot sonntags fällt auch negativ auf.

„Wir müssen Lösungen finden. Das wird nicht einfach und führt sicherlich auch zu Konflikten“, machte Stanke zum Abschluss der ersten Beiratssitzung deutlich. Allerdings unterstreiche die Bestandsanalyse auch, dass es Handlungsbedarf gebe. Die im Rahmen der Sitzungen eingebrachten Einwände (Fahrradstellplätze für Touristen fehlen zum Beispiel, die Beschilderung der Radwege wird teilweise als mangelhaft empfunden) wollen die Verkehrsplaner noch einarbeiten.

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