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„Es liegt an uns, die sich bietenden Möglichkeiten beherzt zu ergreifen“, machte Limburgs Bürgermeister Dr. Marius Hahn im Sitzungssaal des Rathauses deutlich. Thema dort: Ein Wohnraumkonzept für Limburg. Eingeladen zu der Informationsveranstaltung waren Magistrat, Stadtverordnetenversammlung und Ortsbeiräte. Rund 690 Wohnung mit einem Belegungsrecht durch die Stadt werden nach dem vorgestellten Wohnraumkonzept bis zum Jahr 2030 benötigt, insgesamt wird der Bedarf an neuen Wohnungen bis zum Jahr 2040 bei rund 1820 eingestuft.

Es wird kräftig gebaut in Limburg, wie hier zwischen Blumenröder Straße und Cahenslystraße. Doch preisgünstig ist der Wohnraum, der zurzeit entsteht, in den wenigsten Fällen.

Es wird viel gebaut in Limburg. Wohnraum entsteht zum Beispiel auf dem ehemaligen Ohl-Gelände zwischen Blumenröder Straße und Cahenslystraße oder auch dort, wo in der Vergangenheit die Pallottiner ihre Gärtnerei hatten. Auch in diesem Jahr sind schon zahlreiche neue Wohneinheiten genehmigt worden. Rund 260 waren es in den ersten acht Monaten, wie Annelie Bopp-Simon, Leiterin des Amts für Stadtentwicklung und Bauleitplanung im Rathaus, erläuterte. 238 Einheiten entfallen dabei auf Mehrfamilienhäuser.

Aber wer wird in diese Häuser einziehen, die Wohnungen nutzen? Zwischen Angebot und Nachfrage klaffen auch in Limburg Lücken. Dabei spielen verschiedene Faktoren wichtige Rollen, wie Dr. Joachim Kirchner vom Institut Wohnen und Umwelt in Darmstadt verdeutlichte. Kirchner ist Autor des Konzepts, das die Stadt Limburg zusammen mit dem Landkreis Limburg-Weilburg hat erstellen lassen. Der Bedarf an Wohnraum bzw. Wohnungen richtet sich nach Haushalten und nicht nach Einwohnern. Dabei gibt es eine große Bandbreite zwischen Ein-Personen-Haushalten und Haushalten mit mehreren Personen.

„Die Wohnungen sind falsch verteilt“, machte Kirchner mit Blick auf den gesamten Landkreis deutlich. Es gibt viele große Wohnungen in den Dörfern der Umgebung, die oft nur von einzelnen Personen oder Paaren bewohnt werden. In Limburg werden Einfamilienhäuser zu 54 Prozent von Alleinlebenden oder Paaren bewohnt, im Landkreis sind es 52 Prozent. Das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage wird auch anhand der ermittelten Unterversorgungsquote deutlich. 5677 Ein-Personen-Haushalte standen 2011 lediglich 1450 entsprechende Wohnungen gegenüber. Und obwohl den 317 Sechs-Personen-Haushalte 2633 angemessene Wohnungen gegenüberstanden, lag der Anteil der unterversorgten Haushalte dieser Größe bei 62 Prozent. Unterversorgt sind Haushalte, wenn nicht für jedes Mitglied der Familie ein Raum zur Verfügung steht.

Einwohnerzahl steigt

Die Bevölkerungsentwicklung in Limburg wird anders verlaufen als in weiten Teilen des Landkreises. Während sie im Landkreis zurückgeht, wird sie in Limburg noch einige Jahre steigen und sich dann auf diesem Niveau stabil verhalten. Daraus leitet Kirchner einen Bedarf in Höhe von 17280 Wohnungen für das Jahr 2030 ab. Im Zeitraum zwischen 2015 und 2040 müssten daher 1818 Wohnungen neu entstehen. Der Bedarf besteht dabei nach Angaben von Kirchner im Bereich der Mehrfamilienhäuser (80 Prozent).

Und bei der Beschaffung von bezahlbarem Wohnraum geht es nach Angaben von Kirchner keineswegs nur darum, etwas für den kleinen Geldbeutel zu schaffen oder für Menschen, die staatliche Unterstützung erhalten, es geht auch um die mittleren Einkommen. Für Familien wird es schwierig, den Preisanstieg mitzugehen. Eine Möglichkeit ist nach Angaben von Kirchner eine Belegungsbindung für Wohnungen. Nach seinen Berechnungen benötigt die Stadt bis zum Jahr 2030 690 belegungsgebundene Wohnungen, die nach sozialen Kriterien vermietet werden. Um diesen Bedarf zu decken, müssten 400 solcher Wohneinheiten neu gebaut werden, der Rest könnte zum Beispiel im bereits vorhandenen Bestand zur Verfügung gestellt werden.

6,50 Euro pro Quadratmeter

Um das Ziel zu erreichen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, so Kirchner im Rathaus. Die Wohnungen müssten schon klar als Mietwohnungen erstellt werden. Um das zu erreichen, könnte die Stadt zum Beispiel Baugrundstücke an Baugruppen vergeben oder Grundstücke nach Konzepten zu vergeben. Eine bestimmte Quote an Wohnungen mit Belegungsbindung zu versehen könnte zum Beispiel auch an den Bau von Mehrfamilienhäusern geknüpft werden.

6,50 Euro pro Quadratmeter, dieser Preis stellt nach Einschätzung von Bürgermeister Hahn die Grenze dar, wenn es um bezahlbaren Wohnraum gehe. Diese Grenze sei zusammen mit dem Landkreis ins Auge gefasst worden, machte Hahn deutlich. Der Bürgermeister zeigte sich von dem relativ schwachen Besuch der Informationsveranstaltung enttäuscht, zumal das Thema von seiner Wichtigkeit hoch anzusiedeln sei.