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Der Wind zieht durch die Dünen, spielt mit dem Sand der Wüste, nimmt ihn mit, lässt ihn fallen. Wind, Dünen, Sand, Wüste und noch viel mehr sind nicht wirklich vorhanden in der Jugendkirche Crossover, sie entstehen akustisch. Lulo Reinhardt war in der Kirche am Freitagabend unterstützt von weiteren Musikern zu Gast, um die Interkulturelle Woche in der Stadt Limburg offiziell zu eröffnen.

Lulo Reinhardt und seine Band spielten zur Eröffnung der Interkulturellen Woche in der Jugendkirche Crossover auf und entführten dabei musikalisch in die Welt der Wüste.

Lulo Reinhardt ist Sinti und Musiker, Gitarrist. Vor wenigen Jahren hat er einen Film gedreht über die Wüste in Marokko, über die dort lebenden Berber, die Musik und über das Leben im Einklang mit der Natur beziehungsweise über den Verlust dieser Tradition, wenn sich das Leben der Wüste den westlichen Gewohnheiten anpassen will. Die Musik über die Wüste, die Begegnungen mit Menschen tauchen in dem Film, der im Verlauf des Abends gezeigt wurde, immer wieder auf.

„Vielfalt verbindet“ lautet das Motto der Interkulturellen Woche – die in Limburg durch das evangelische Dekanat, den Caritasverband für den Bezirk Limburg und der Stadt veranstaltet wird. Vielfalt kam auch in der Jugendkirche zusammen. Menschen, die schon ihr ganzes Leben in der Region verbringen und deren Vorfahren schon hier zu Hause waren, trafen auf Frauen und Männer, die ihre Heimat verlassen mussten und nun in der Stadt oder der Umgebung eine neue Heimat gefunden haben oder finden möchten.

Flucht und Vertreibung begleiten die Menschheitsgeschichte, sind bereits biblische Themen und sind auch immer damit verbunden, wie Fremde Aufnahme finden. Und es kam und kommt immer wieder zu Ablehnung und Fremdenfeindlichkeit. „Am Vorabend einer Bundestagswahl, die mit ihrem Ergebnis wahrscheinlich neue Herausforderungen stellt, ist die Eröffnung der Interkulturellen Woche unter dem Motto ,Vielfalt verbindet' schon ein besonderes Zeichen“, machte Limburgs Erster Stadtrat Michael Stanke zur Eröffnung deutlich.

Erinnerung an NS-Zeit

Dabei gehe es nicht nur um eine Willkommenskultur im Zusammenhang mit Flüchtlingen, die in den vergangenen Monaten in Limburg angekommen sind, sondern es gibt in der Stadt eine deutlich längere Migrationsgeschichte. Dabei verwies Stanke auf Sinti und Roma, die unter den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Die Interkulturelle Woche schließt in diesem Jahr mit einer Ausstellung in Offheim, die sich der Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland widmet, so sein Hinweis.

Auch Lulo Reinhardts Familie hat unter der Verfolgung der Nazis gelitten. Sein Onkel, der in der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg noch unter General Rommel kämpfte, wurde am Tag seines Geburtstags abgeholt und ins KZ Dachau transportiert. „Mein Vater stand schon vor der Gaskammer“, erzählte Reinhardt. Die Befreiung des KZs Auschwitz rettete den Vater, der in insgesamt fünf Konzentrationslagern war. „Seit 610 Jahren leben Sinti in Deutschland. Sie haben für ihr Land gekämpft, wurden verfolgt und ermordet. Da stimmen Wahlplakate mit der Aussage ,Haben wir ein Zigeunerproblem?' oder ,Mehr Geld für Oma statt für Sinti und Roma' schon sehr nachdenklich“, so Reinhardt. Entsprechende Aussagen gibt es auf den Plakaten der AfD und der NPD.

Das war auch Thema in der Diskussionsrunde, die sich dem Film anschloss und in der Reinhardt verdeutlichte, dass seine Familie seine Heimat ist. Er will sich an einen weiteren Film wagen, der sich mit der Vergangenheit der Sinti und deren Herkunft beschäftigen wird.

Ermutigende Zeichen

In die Ebru-Malkunst führten türkische Frauen des »Limburger Forums« in der Jugendkirche ein.

Für Vielfalt der Kultur und Herkunft standen an dem Abend auch die türkischen Frauen des „Limburger Forums“, die mit Fingerfood und Tee aufwarteten und in die Ebru-Malkunst einführten. Mit von der Partie waren auch die „Amigos Honduren~os“, die zum Abschluss des Abends noch für eine kurze Salsa-Einführung zur Verfügung standen.

Unter den Gästen war auch Sarah Torabi, die zuvor schon das Begegnungsfest mit iranischen und afghanischen Flüchtlingen organisiert hatte. Das Fest habe einen Zulauf wie noch nie gehabt, erzählte sie. Natürlich seien auch Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und anderen Ländern der Einladung gefolgt und hätten die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, genutzt. Als besonders ermutigend erlebt sie derzeit das Engagement von Flüchtlingen, die erst seit einem oder eineinhalb Jahren in Deutschland sind und sich schon dafür einsetzen, anderen Flüchtlingen das Ankommen in ihrer neuen Heimat zu erleichtern und ihnen helfen, sich zurechtzufinden.

So geht es weiter

Montag, 25. September

15 Uhr – Rheingauer Streichquartett: Klassische und unterhaltende Musik sowie jüdische Lieder, speziell für das Quartett bearbeitet. Ort: Birkenallee 4, Limburg. Veranstalter: Jüdische Gemeinde Limburg.

Dienstag, 26. September

19:30 Uhr – Das Leben des jüdischen Verlegers Werner Guttentag zwischen Deutschland und Bolivien: Szenische Lesung mit dem Autor Stefan Gurtner. Ort: Evangelische Kirche, Bahnhofstr. 1, Limburg; Veranstalter: Weltladen Limburg, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Gewerkschaft Erziehung u. Wissenschaft.

Freitag, 29. September

12 bis 17Uhr – „Begegnung auf Augenhöhe“ – ein Fest für Helfer und Interessierte: An sechs „Regionen-Tischen“ stellen Geflüchtete ihre Heimatländer vor, bieten kleine Speisen an sowie musikalische und künstlerische Beiträge. Ort: WERKStadt, Joseph-Schneider-Str. 1. Limburg; Veranstalter: Sozialamt Landkreis Limburg-Weilburg, Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigung (GAB).

Samstag, 30. September

9 bis 14 Uhr – „Tafel der Kulturen“: Interkulturelle Vereine und Gruppierungen präsentieren sich, ihre Speisen und ihr Handwerk. Ort: Bahnhofstraße Limburg / Fußgängerzone (bei Regen in der Jugendfreizeitstätte in der Evangelischen Kirche, Bahnhofstr. 1, Limburg); Veranstalter: Ausländerbeirat Limburg.

Samstag, 30. September

18 Uhr – Kunstprojekt „Labyrinth der Bilder, Töne und Fragen“: Mit jungen Flüchtlingen aus der GU „Am Kissel“ und der Mädchengruppe des Jugendhauses Blumenrod. Ort: Frankfurter Str. 75, Limburg; Veranstalter: Mitschiko Tsubaki, Jugendhaus Blumenrod (Caritasverband für den Bezirk Limburg).

Dienstag, 3. Oktober

Ganztags – „Tag der offenen Moschee“: Veranstalter: Moscheegemeinden von Limburg.

Mittwoch, 4. Oktober

18:30 Uhr – „Der Weg der Sinti und Roma“: Kulturabend der deutschen Sinti und Roma: Ausstellung und Lesung von Zeitzeugenberichten der NS-Verfolgung. Musikalische Begleitung durch das Romeo Franz & Ensemble Trio. Der Eintritt ist frei. Ort: Gemeindezentrum, Untergasse 3, Offheim; Veranstalter: Verband deutscher Sinti und Roma Landesverband Hessen in Kooperation mit der Freien Christengemeinde e. V. Missionswerk Zion.

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