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Im Internet lebt das Limburger Laufhaus weiter fort. Dabei sind die Prostituierten in diesem Gebäude in der Rudolf-Schuy-Straße Geschichte. Die Zukunft hat längst begonnen. In der kommenden Woche werden die neuen Bewohner dort einziehen. Sie kommen aus verschiedenen Einrichtungen, die sich auf die Stadt verteilen. Allen künftigen Bewohnern gemeinsam ist, dass sie nur mit Hilfe der Stadt ein Dach über dem Kopf haben.

Die Zimmer in der neuen Einrichtung in der Rudolf-Schuy-Straße verfügen über eine Nasszelle und eine kleine Kochmöglichkeit. 13 Einzel- und Doppelzimmer bietet die neue Einrichtung.

Die Stadt kann in der Regel den Wohnsitzlosen oder Obdachlosen ein Dach über dem Kopf anbieten, doch die Bedingungen könnten besser sein, denn für Frauen gibt es oft keinen geschützten Raum, Privatsphäre ist nicht möglich und manchmal kommen auch Personen auf engem Raum zusammen, bei denen Konflikte programmiert sind. „Wir haben das erkannt und wollen positive Zeichen setzten“, macht der Erste Stadtrat Michael Stanke als zuständiger Dezernent deutlich. Dazu gehört nicht nur die Verbesserung der Unterbringung, sondern auch eine Betreuung.

Diese hat Jessica Magnus am 1. April vergangenen Jahres übernommen. Die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung arbeitet dabei eng mit dem Walter-Adlhoch-Haus zusammen, der von der Caritas betriebenen Einrichtung der Wohnsitzlosenhilfe. Über 40 Personen sind es, die derzeit von der Stadt untergebracht werden. „Die Kommune ist zuständig für die Unterbringung von Obdachlosen“, sagt Stanke und lässt keinen Zweifel daran, dass sich Limburg dieser Verantwortung auch stellt.

Nur für Frauen

Bis zum 30. März vergangenen Jahres geschah das ohne Betreuung. In der Verwaltung war das Ordnungsamt dafür zuständig, dessen Mitarbeiter dabei oft auch die Zusammenarbeit mit dem Adlhoch-Haus suchten. Klar ist allerdings auch, die Unterbringung und Betreuung lässt sich nicht nur mit Mitteln des Ordnungsrechts umsetzen. Deshalb gab es auch grünes Licht aus der Politik, eine neue Stelle zu schaffen. Ursprünglich war vorgesehen, an einem Förderprogramm der Europäischen Union teilzunehmen und so noch Fördermittel zu erhalten. Aber in dem Programm wurde Limburg nicht berücksichtigt, die Stelle wurde dennoch geschaffen ebenso wie es nun bald neue Schlafstätten geben wird.

Derzeit verteilen sich die betroffenen Personen auf mehrere Einrichtungen in der Stadt. Es gibt Container im „Großen Rohr“, die zum Beispiel mit dem Einzug in die Rudolf-Schuy-Straße wegfallen. In der Ste-Foy-Straße gibt es Platz für obdachlose Frauen und Männer, in Staffel besteht eine Unterkunft in der Koblenzer Straße und schließlich gibt es noch das Haus in der Brückengasse. Dort soll nach Angaben von Jessica Magnus eine Wohnung, die bisher von Frauen und Männern genutzt wurde, künftig als reine Frauenunterkunft dienen.

13 Zimmer

Die ersten Betten in der Notschlafstelle stehen bereits, andere sind noch eingepackt.

Mit der Unterkunft in der Rudolf-Schuy-Straße wird es ganz neue Möglichkeiten geben, davon ist Jessica Magnus überzeugt. 20 Männer können dort fest wohnen, zudem gibt es noch eine Notschlafstelle mit eigenem Zugang und acht Betten. Die Zimmer in der Rudolf-Schuy-Straße lassen auch Platz für ein wenig Privatsphäre, insgesamt gibt es dort 13 Einzel- und Doppelzimmer.

Alle Zimmer verfügen über eine Nasszelle und über Kochmöglichkeiten. Mit der neuen Einrichtung wird es auch möglich sein, Personen voneinander zu trennen, die nicht unter einem Dach zusammenkommen sollten. Jessica Magnus wird regelmäßig Sprechzeiten in der neuen Einrichtung anbieten, in die Beratung sollen auch Mitarbeiter des Walter-Adlhoch-Hauses eingebunden werden.

Günstigste Alternative

Die Stadt ist Mieterin der neuen Unterkunft. 4500 Euro pro Monat sind an Kaltmiete für die Zimmer mit Nasszellen und die Notschlafstelle fällig. Nach Angaben des Ersten Stadtrats wird die Stadt allerdings auch Einnahmen erzielen, denn die Bewohner zahlen selbst beziehungsweise die Träger ihrer Sozialleistungen. Allerdings reichen die Einnahmen nicht aus, um die Mietkosten zu decken.

Den Obdachlosen ein Dach über dem Kopf zu gewähren, das auch etwas Privatsphäre ermöglicht, ist für Jessica Magnus eine wichtige Voraussetzung, um Hilfe eine Perspektive zu geben. Prävention steht dabei stets an erster Stelle. Das heißt, es geht darum, Obdachlosigkeit zu vermeiden. „Prävention ist für die Stadt die günstigste Alternative“, sagt die Sozialarbeiterin.

Obdachlosigkeit lässt sich vermeiden, wenn fristlose Kündigungen zurückgenommen werden, indem die ausstehenden Mietzahlungen veranlasst werden, Betroffene intensiv bei der Wohnungssuche begleitet und Verhandlungen mit Vermieterinnen und Vermietern geführt werden. Natürlich ist es auch wichtig, die wohnungslosen Menschen zu begleiten und zu beraten, wenn sie die Notunterkünfte nutzen oder sich auf öffentlichen Plätzen treffen – aber nicht alle nutzen die Angebote. Müssen sich auch nicht, denn die Annahme dieser Hilfe geschieht freiwillig.

Das Ziel hierbei muss es nach Einschätzung von Jessica Magnus sein, die Betroffenen wieder in den Wohnungsmarkt zu integrieren. Und wenn dies gelungen ist, dann ist manchmal noch eine weitergehende Begleitung angesagt, um zu stabilisieren und den Prozess des Einlebens zu begleiten. Selbstverständlich können auch Vermieter/innen Kontakt zu Jessica Magnus aufnehmen, wenn Probleme auftreten.

Eine neue Stelle

Jessica Magnus steht seit dem 1. April vergangenen Jahres im Dienst der Stadt Limburg. Die Stelle zur Betreuung von Wohnsitzlosen wurde neu geschaffen. Die 36-Jährige hat auf dem zweiten Bildungsweg Soziale Arbeit studiert und beendete ihr Studium im Februar 2015. Danach war sie ein Jahr in Elternzeit. Während ihres Studiums hat sie Praktika in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe in Koblenz absolviert sowie in der Soziotherapie „Zum Euler“ in Hillscheid. Ihre Bachelorarbeit beschäftigte sich mit der Jugend von wohnungslosen Frauen. Neben einer Weiterbildung zur Mediatorin (gerade abgeschlossen), absolviert sie nebenberuflich den Master Psychosoziale Beratung und Recht an der University of Applied Sciences Frankfurt.