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Die Metzgerlehre liegt lange zurück. Thomas Eisel hat zwar in dem Beruf gearbeitet, später ist er in den Bereich Garten- und Landschaftsbau gewechselt. Dann wurde er arbeitslos. Drei Jahre lang blieb das so. Er hatte die 50 überschritten. Jetzt hat der Weilburger wieder eine Arbeitsstelle. Er arbeitet auf dem Limburger Hauptfriedhof, ist Mitarbeiter des Betriebshofs und damit der Stadt Limburg.

Thomas Eisel ist auf dem Hauptfriedhof in Limburg im Einsatz. Dazu gehört im Winter auch der Rückschnitt von Bäumen und Sträuchern und das Zerkleinern der Stämme und Äste.

Es ist ein besonderes Arbeitsverhältnis, eines mit Unterstützung aus dem Europäischen Sozialfonds. Arbeitgeber erhalten aus dem Fonds bis zu 75 Prozent der Lohnkosten. Eisel ist nicht der einzige Mitarbeiter, der diese Förderung erhält. Er hat noch sieben Kollegen im Betriebshof der Stadt. Mit acht Mitarbeitern ist die Stadt Limburg unangefochtener Spitzenreiter als Arbeitgeber im Landkreis. Insgesamt gibt es derzeit 48 solcher Arbeitsverhältnisse im Bereich des Jobcenters.

„Für uns ist Thomas Eisel schon wie eine Stammkraft“, sagt Klaus Kunz. Der Amtsleiter des Städtischen Betriebshofs spricht von einem guten Griff, „den wir gemacht haben“. Eisel arbeite selbstständig und verantwortungsvoll. Das schreibt Kunz dem Lebensalter und der Berufserfahrung zu. Und das gelte auch für die übrigen Mitarbeiter aus dem Programm, die von der Stadt in den einzelnen Stadtteilen eingesetzt werden.

Soziale Verantwortung

„Wir haben als Stadt eine soziale Verantwortung, der wollen wir uns auch stellen“, unterstreicht der Limburger Bürgermeister Dr. Marius Hahn das starke Engagement. Umso erfreulicher sei es, dass die soziale Investition zu neuen engagierten, motivierten und selbstständig arbeitenden Mitarbeitern führe. Und zu tun gebe es in der Stadt genug, davon ist der Bürgermeister überzeugt.

„Acht Mitarbeiter aus dem Programm auf einmal, das gibt es nur in Limburg.“ Jörg Glässer, stellvertretender Leiter des Jobcenters lässt keinen Zweifel daran, dass die Stadt ein gutes Vorbild ist – auch für andere Kommunen. Nach seinen Angaben standen dem Jobcenters zunächst 1,9 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfond zur Verfügung, um langzeitarbeitslosen Menschen unter die Arme zu greifen und sie wieder in Arbeit und Brot zu bekommen. Nun ist die Summe auf 2,2 Millionen Euro aufgestockt worden. Damit lassen sich bis zu 70 solcher Arbeitsverhältnisse fördern.

Grundtugenden sind vorhanden

Nach Angaben von Glässer zeigt sich der Arbeitsmarkt in der Region durchaus gut aufgestellt und biete viele Möglichkeiten, lediglich für die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Menschen sehe es deutlich problematischer aus. Insbesondere für Erwerbslose jenseits des fünfzigsten Lebensjahres sei es nach wie vor schwer, beruflich wieder Fuß zu fassen.

Für Franz-Josef Otto, Teamleiter im Jobcenter, ist das nur schwer nachvollziehbar. Wer auf eine lange Berufserfahrung zurückblicken kann, der verfüge über wichtige Grundtugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, die müssten nicht neu vermittelt werden. Als Beweis dafür führt Otto die positive Resonanz über die bei der Stadt eingesetzten acht Langzeitarbeitslosen an – ihr Altersdurchschnitt beträgt 56 Jahre. Wichtig sei in dem vom Europäischen Sozialfonds finanzierten Programm, die richtigen Bewerber für die passenden Jobs und Aufgaben zu finden.

Mobilität steigern

Nach Angaben von Peter Pund, Betriebsakquisiteur des Jobcenters, wurden für die Arbeitsmöglichkeiten, die die Stadt Limburg zur Verfügung stellt, zahlreiche Kandidaten in Erwägung gezogen, 19 Bewerber bekamen eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Aus den Bewerbern wurden schließlich Thomas Eisel und sieben weitere ausgewählt.

Anpacken kann Thomas Eisel, daran gibt es keinen Zweifel. Dennoch gibt es Probleme zu überwinden. „Die Motivation ist bei Thomas Eisel nicht das Problem, da ist er ein Paradebeispiel“, macht Karl Michiels-Corsten deutlich. Er ist Coach der Langzeitarbeitslosen, die ins Berufsleben zurück wollen. Manche brauchen Unterstützung um in die Regelmäßigkeit des Arbeitslebens zurückzufinden, Abläufe wieder aufzunehmen. Bei Thomas Eisel ist die Steigerung der Mobilität ein wichtiges Thema. Wenn er sich im Winterdienst mit den erforderlichen technischen Geräten auf öffentlichen Straßen und Wegen bewegt, benötigt er einen Führerschein. Und die Zeichen stehen gut, dass er bald damit anfangen kann.

Förderung über zwei Jahre

Über zwei Jahre werden die Arbeitsplätze durch den Europäischen Sozialfonds gefördert, dann ist Schluss. Entweder werden die Mitarbeiter dann von ihren Arbeitgebern übernommen, oder sie müssen sich eine neue Stelle suchen. Dabei sind sie deutlich besser gestellt als vor der Förderung. Sie bewerben sich aus einem Arbeitsverhältnis heraus und selbst wenn es mit einem neuen Job nichts werden sollte, erhalten sie zumindest wieder Arbeitslosengeld I – und das ist höher als die Leistungen, die sie zuvor erhalten haben, darauf weist Ralf Fischer von der Agentur für Arbeit hin.

Seit 1. April vergangenen Jahres hat Thomas Eisel die Arbeitsstelle bei der Stadt. Er ist also auf jeden Fall noch einige Monate in Arbeit und Brot. „Ich habe mich gut eingearbeitet und habe prima Arbeitskollegen. Es läuft“, sagt er.

Unternehmen und Kommunen, die Interesse an der geförderten Beschäftigung Langzeitarbeitsloser haben, können sich beim Jobcenter Limburg-Weilburg unter Tel. 06431 209 190 informieren.

Das Förderprogramm

Mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF-Mittel) gefördert werden Langzeitarbeitslose, die älter als 35 Jahre sind, keine (verwertbare) Berufsausbildung vorweisen können und bereits seit mehr als zwei Jahren ohne Beschäftigung sind. Betriebsakquisiteure sind für die Bewerber tätig und beraten zugleich die Arbeitgeber in ihrer Bewerberauswahl und informieren über Fördermöglichkeiten. Im Einzelfall sind aus diesem Fördertopf Lohnkostenzuschüsse bis zu 75 Prozent möglich, zudem werden erforderliche Qualifizierungen bezahlt. Wichtiger Bestandteil ist die Begleitung durch Coaches über einen längeren Zeitraum (mindestens sechs Monate). Sie begleiten die Betroffenen, die sich inhaltlich neuen Anforderungen stellen müssen, einem beruflich neuen Umfeld und neuen Kollegen gegenüber sehen und für die der eng getaktete Tagesrhythmus eine große Herausforderung darstellt. Gefördert wird das Programm durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds.