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Die Markierungen auf der Straße sind nicht zu übersehen und geben klar vor, wo Autos abgestellt werden dürfen. Doch das interessiert nicht. Der Wagen wird versetzt geparkt und benötigt so weniger Platz auf der Fahrbahn, dafür mehr auf dem Gehweg. Dort wird es deshalb recht eng, zwischen Grundstückseinfriedung und Auto bleibt kein Platz mehr für Rollstuhlfahrer.

Der Platz zwischen dem geparkten Wagen und der Einfriedung des Grundstücks reicht nicht aus für den Rollstuhl. Jetzt bleibt nur der gefährliche Umweg über die Fahrbahn. Wäre der Wagen neben dem Gehweg abgestellt, gäbe es keine Probleme.

Täglich ist das der Fall, auch in Limburg und seinen Stadtteilen. Ein Verhalten, um das Auto zu schonen (angeblich werden dann weniger Spiegel abgefahren und es soll weniger Kratzer im Lack durch vorbeifahrende Autos geben), aber was das für andere Teilnehmer am Verkehr bedeutet, wird völlig ignoriert. Deshalb nahm sich der neu ins Leben gerufene Behindertenbeirat der Stadt Limburg des Themas an.

Frank König zum Beispiel sitzt im Rollstuhl. In einem bewegt er sich mit eigener Muskelkraft, in einem anderen sorgt ein Elektroantrieb für die Bewegung. Ein solcher Rollstuhl bringt schon eine ganz erhebliche Bereite mit sich, nicht zuletzt wegen seiner Rückspiegel. 70 Zentimeter und mehr können es sein. Ein falsch geparktes Auto am Straßenrand, dann ist eine Ausweichrunde angesagt.

Was sich so einfach anhört, ist ganz schön aufwendig und auch gefährlich, denn mit dem Rollstuhl geht es dann auf die Fahrbahn. Und zuvor gilt es erst einmal den Bordstein zu überwinden. „Das sind ganz schön Schläge“ sagt König. Wo er notgedrungen den Gehweg verlassen muss, gibt es keine Absenkungen. Und nachdem er das Hindernis hinter sich gelassen hat, muss er zurück auf den Gehweg, was bei dem Gewicht von Stuhl und Fahrer ebenfalls nicht ganz einfach ist.

Lauflinie geht verloren

König wies in der Sitzung noch auf weitere Betroffene hin. „Sehbehinderte sind oft mit Hunden oder Begleitpersonen unterwegs, die neben ihnen gehen“, sagte er. Und alle müssten den Gehweg verlassen, wenn wieder mal ein Auto den zur Verfügung stehenden Platz einschränkt. Dorothee Roth vom Blinden- und Sehbehindertenbund berichtete von einer Situation in der Grabenstraße, wo allerdings nicht Autos den Gehweg für sie unpassierbar machten, sondern Mülltonnen. „Ich musste auf die Fahrbahn ausweichen“, sagte sie im Beirat. Für Sehende ist dies kein großes Problem, für Sehbehinderte und Blinde dagegen schon, denn plötzliche Richtungswechsel erschweren die Orientierung erheblich.

Darauf hatte zu Beginn der Sitzung auch Jürgen Schenk als Vorsitzender des Behindertenbeirats aufmerksam gemacht. Wenn die Lauflinie durch Hindernisse verloren gehe, sei das gerade für Sehbehinderte und Blinde ein erhebliches Problem. Hindernisse auf Gehwegen seien aber auch für Mütter und Väter mit Kinderwagen ein Problem, ebenso für viele Seniorinnen und Senioren, die in ihrer Mobilität auf Rollatoren oder andere Gehhilfen angewiesen sind.

Auf das Problem mit leeren oder vollen Mülltonnen wies im Beirat Wolfram Richter hin. In der Hospitalstraße sei das auch ein Problem gewesen, berichtete Schenk. Ein gemeinsames Gespräch zwischen Ordnungsamt und dem Abfallwirtschaftsbetrieb habe Abhilfe geschaffen. Bedarf für weitere aufklärende Gespräche sieht König weiterhin, denn das Zurücklassen der geleerten Tonnen gleiche einem großen Mosaikhaufen.

Zugestelltes Leitsystem

Probleme gibt es auch in der Limburger Fußgängerzone. Dort gibt es im Boden ein Blindenleitsystem, das von Sehenden als solches aber nicht immer erkannt und fehlgedeutet wird. Die farbig abgesetzten Steine sind nicht nur ein optisch wahrnehmbares Leitsystem, sondern ermöglichen durch ihre geriffelte Oberfläche auch Sehbehinderten und Blinden mit ihrem Stock eine Orientierung – bis zum nächsten geparkten Transporter. Die darauf angesprochenen Kurierfahrer verweisen oft auf eine kurze Phase des Haltens zum Entladen. Einsicht in ein Fehlverhalten dagegen ist nur wenig vorhanden.

Der neue Beirat besteht aus mehreren Mitgliedern, die mit einer Behinderung leben. Zudem sind die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung sowie die Versorgungsverwaltung in dem Beirat vertreten. Ziel ist es, die Interessen von Menschen mit Behinderungen und eingeschränkter Mobilität zu vertreten und ihnen die Teilnahme am öffentlichen Leben möglichst barrierefrei zu ermöglichen.