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Es ist eine neue Aufgabe, die Melanie Weil in der Limburger Stadtverwaltung übernommen hat. Sie ist die erste Integrationsbeauftragte der Stadt. Nach fast einem halben Jahr im Dienst hat sie sich einen Überblick verschafft, Arbeitsfelder klarer umrissen und viele Kontakte aufgenommen.

Sport ist ein wichtiger Baustein für Integration, weiß auch Melanie Weil, aber Sport allein reicht nicht.

„Als die Entscheidung für die neue Stelle fiel, ging es noch gar nicht so sehr um die Geflüchteten, die nach Europa, Deutschland und Limburg drängen, sondern um Menschen mit Migrationshintergrund, die schon längere Zeit in der Stadt leben“, erklärt der Erste Stadtrat Michael Stanke. Die Stadt, so Stanke, hatte sich deshalb schon vor dem Flüchtlingszustrom ein Integrationskonzept auferlegt, mit dem auch die Schaffung der Stelle einer Integrationsbeauftragten vorgesehen ist.

In den ersten Monaten im Dienst der Stadt erlebte Melanie Weil viel positive Resonanz auf ihre Stelle, wurde aber auch mit sehr unterschiedlichen Anfragen und Erwartungen konfrontiert. Ihr Anliegen ist es, für alle Seiten ansprechbar zu sein. „Es gibt Werte und Gesetze, die wir nicht zur Diskussion stellen“, stellt sie klar. „Gleichzeitig geht es aber auch darum, Differenzen in der Gesellschaft auszuhalten und in einer Vielfalt von Herkunft, Sprachen, Überzeugungen und Religionen zu leben“, verdeutlicht die neue Integrationsbeauftragte.

Viele Kontakte

Nach den ersten sechs Monaten hat sie schon einiges bewegt: Dazu zählen die enge Vernetzung mit hauptamtlichen Einrichtungen, die Organisation eines Begegnungsfestes im Rahmen der interkulturellen Woche sowie die Betreuung ehrenamtlicher Sport-Coaches, die sich für die Integration von Geflüchteten in Vereinen einsetzen. Fußball, Tischtennis, Kegeln oder Sport allgemein sind Felder, in denen schon viel Integrationsarbeit läuft, allerdings nehmen daran überwiegend junge männliche Flüchtlinge teil. Was im Sport schon läuft, soll möglichst auch im Bereich Kultur (Theater, Musik) geschaffen werden.

Natürlich hat Melanie Weil auch Kontakte zu den Limburger Helferkreisen geknüpft, um deren wichtige Arbeit in den einzelnen Stadtteilen zu verstehen. Um die Kommunikation untereinander zu verbessern, soll es neben einem regelmäßigen Austausch unter den Limburger Helferkreise in Zukunft eine Homepage für Flüchtlingshelfer geben. Die bereits bestehende Initiative „Vielfalt verbindet“, die sich bisher vor allem an Vereine richtet (es gibt rund 20 verschiedene Vereine und Gruppierungen mit einem ausländischen Hintergrund), soll erweitert werden und auch Einzelpersonen einbeziehen. „Menschen unterschiedlicher Nationen an einen Tisch zu bringen“, beschreibt Melanie Weil als Ziel.

Langwieriger Prozess

Integration ist jedoch kein Selbstläufer, sondern ein langwieriger und komplexer Prozess. „Wir stehen vor großen Herausforderungen“, macht der Erste Stadtrat Michael Stanke deutlich. Diese bestünden sowohl in der Unterbringung von Geflüchteten in Arbeit und Wohnraum, als auch in der aktiven und respektvollen gesellschaftlichen Teilhabe von Migranten, die bereits in der zweiten oder dritten Generation hier leben.

Ähnlich sieht das auch Thomas Krug, Leiter des Amtes für soziale Betreuung: „Wir müssen den Problemen realistisch begegnen – Integration ist anstrengend für alle Beteiligten, die bekommen wir nicht geschenkt.“ Laut Krug ist die deutsche Sprache ein zentraler Schlüssel für Integration. Die vermittelten Sprachkenntnisse müssten mehr geübt werden.

Das Verbindende suchen

„Dass Integration gelingt, setzt die dauerhafte Bereitschaft eines jeden Einheimischen und Migranten voraus, voneinander zu lernen“, fordert Melanie Weil. Dies ist notwendig, verdeutlicht auch ein Blick in die Statistik: In Limburg leben derzeit Menschen aus über 100 Nationen. Der Anteil der Limburger Einwohner mit ausländischem Pass oder doppelter Staatsbürgerschaft liegt bei über 30 Prozent, ihr Anteil bei den unter Sechsjährigen beträgt schon mehr als 56 Prozent. Dabei sind Kinder mit deutscher Staatsangehörigkeit, aber familiärem Migrationshintergrund noch nicht erfasst.

Darin liegt nach Einschätzung der Integrationsbeauftragten auch eine Chance, denn interkulturelles Zusammenleben lerne sich leichter von Kindesbeinen an. „An anderen Hürden wie komplexer Bürokratie und langen Wartezeiten können wir in Limburg nur wenig ändern“, räumt Melanie Weil ein. „Was wir aber erreichen können, sind Begegnungen im Kleinen. Es muss darum gehen, ins Gespräch zu kommen, Vorbehalte abzubauen, den Anderen tolerieren zu lernen – und den Fokus auf das zu lenken, was verbindet.“

Ausbildung, Studium, Koordinatorin

Melanie Weil stammt aus Limburg. Sie hat nach ihrer Ausbildung zur Verlagskauffrau in Frankfurt „Kultur & Wirtschaft“ in Mannheim studiert sowie ihren Master am Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ in Konstanz und Buenos Aires absolviert. Vor ihrem Eintritt in die Stadtverwaltung war sie als Koordinatorin für Jugendliche und Mentoren in einer gemeinnützigen Initiative der Boston Consulting Group und der Eberhard-von Kuenheim-Stiftung tätig. Darüber hinaus engagierte sie sich unter anderem als Deutschlehrerin für Geflüchtete, Mentorin für ein Mädchen mit Migrationshintergrund und im Rahmen eines Freiwilligendienstes beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Vietnam.