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Das Busunglück vom 25. Juli 1966 in der Nähe von Niederbrechen gehört bis heute zu den schwersten Unfällen dieser Art in Deutschland. 34 Tote waren zu beklagen. Im Limburger Rathaus fand 50 Jahre nach dem Unglück nun eine gemeinsame Gedenkstunde der Stadt Limburg und der Gemeinde Brechen statt. Zu Gast war auch der belgische Botschafter Ghislain Jean Maurice D’hoop mit seiner Frau.

Der belgische Botschafter Ghislain D'hoop und seine Frau mit dem Brechener Bürgermeister Werner Schlenz und Limburgs Bürgermeister Dr. Marius Hahn an der Gedenktafel des Unglücks am alten Rathaus.

Willi Kremer wird den 25. Juli 1966 nie vergessen. Einen Tag zuvor war er gerade 19 Jahre alt geworden. Und der Feuerwehrmann aus Niederbrechen gehörte zu denen, die alles Mögliche versuchten, um den Menschen in dem verunglückten Bus zu helfen. Es war vergebens. Der von der Autobahn auf die zwölf Meter tiefer liegende Landstraße gestürzte Bus war ein Sarg für die Kinder und Jugendlichen aus Belgien, die sich auf der Rückreise von einem Ferienaufenthalt in Österreich befanden. Der Bus war auf dem Dach aufgekommen.

Kremer berichtete im Limburger Rathaus als Zeitzeuge von seinem Einsatz. Das Ereignis von vor 50 Jahren ist immer noch präsent. Irgendwann versagte ihm die Stimme. Er hatte im Gespräch mit dem Limburger Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker Auskunft über den Einsatz berichtet und davon, wie schlecht die Feuerwehr darauf vorbereitet war. „Wir hatten ein Brecheisen, mehr nicht“, sagte Kremer. Brandschutz, das war die Aufgabe. Aber keine technische Hilfeleistung. Und auf so ein Unglück wie am 25. Juli 1966 kann sich ohnehin niemand vorbereiten.

 

Särge in der Schule

Willi Kremer (vorne) und Hans Arnold standen Dr. Christoph Waldecker als Zeitzeugen für ein Gespräch zur Verfügung.

Auch Hans Arnold war im Einsatz. Der Senior und Ehrenwehrführer der Limburger Wehr war selbst am Unfallort. Er hatte durch das Radio von dem Unglück erfahren. An einen Einsatz an dem total zerstörten Bus mit den vielen Todesopfern war nicht zu denken, aber in Limburg bekam Arnold den Auftrag von Bürgermeister Josef Kohlmaier, die Aula der Tilemannschule herzurichten, damit dort die Särge aufgestellt werden können. Und später organsierte er den Transportdienst für die Angehörigen und begleitete die Familien bei ihrem schweren Gang zu den Särgen.

Ein Bild des Grauens war es, was sich den eintreffenden Helfern am 25. Juli 1966 neben der Autobahn bot. Der vor allem mit Kindern besetzte Bus hatte das Geländer auf der Brücke durchbrochen und war in die Tiefe gestürzt. Übermüdung des Fahrers gab die Staatsanwaltschaft in Limburg kurz nach dem Unglück bereits als Unfallursache an. Vor zahlreichen Vertretern der Feuerwehren aus Limburg, Niederbrechen und dem belgischen Enghien, dem Archivkreis Brechen sowie dem Archivar der Feuerwehr Niederbrechen, Willi Roth, die mit einer Ausstellung im Treppenhaus des Rathauses aufwarteten, sowie einigen Mandatsträgern verdeutlichten historische Aufnahmen der Hessenschau und des Wochenspiegels das Ausmaß des Unglücks und die Dramatik.

Freundschaft und Frieden

Der Limburger Bürgermeister Dr. Marius Hahn hatte als Hausherr zunächst mit seinem Brechener Amtskollegen Werner Schlenz und dem Botschafter Belgiens, Ghislain D’hoop, an der am alten Rathaus befestigten Gedenkplakette ein Gesteck niedergelegt. Für den Botschafter hatte der Gedenktag an der Unfallstelle zwischen Niederbrechen und Werschau begonnen. An dem dortigen Gedenkstein legte er zusammen mit Vertreter/innnen der Feuerwehr und der Gemeinde einen Kranz nieder.

Nach Angaben des Botschafters Ghislain D’hoop ist aus dem vielfachen Tod, dem Schrecken und der Trauer Dankbarkeit erwachsen, die bis heute anhält. Dankbarkeit für die vielfache Hilfe, Unterstützung und Begleitung. 1966 sei das auch ein Zeichen der Hoffnung gewesen. Denn die aus den Herzen entstehende Freundschaft sei ein Garant für politischen Frieden. Etwas mehr als 20 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg sei das noch nicht selbstverständlich gewesen.

Zeichen des Dankes

Vertreter der Feuerwehren mit dem belgischen Botschafter Ghislain D'hoop auf der Treppe des alten Rathauses.

Limburgs Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker blickte in seinem Vortrag auf das Ereignis zurück, das nach wie vor eines der schwersten Busunglücke in Deutschland ist. 13 Stunden saß der Fahrer am Steuer, als er mit seinem Bus verunglückte. Das Fahrzeug soll kurz vor dem Durchbrechen der Leitplanke leicht geschlingert haben. 17 Menschen waren direkt am Unfallort verstorben, weitere starben während des Transports oder in den Krankenhäusern Limburg, Diez und Hadamar. Nur zehn Kinder überlebten das Unglück. Zu den 33 tödlich verletzten Belgiern kam noch ein 20 Jahre alter Bundeswehrsoldat. Sein Wagen war von einem Auto erfasst worden, dessen Fahrer an der Absperrung der Unfallstelle mit seinem Auto ins Schleudern und auf die Gegenfahrbahn geraten war.

Waldecker berichtete von Unterstützung und Hilfe für die Überlebenden des Unglücks und die Angehörigen der tödlich Verunglückten. Viele Menschen aus der Region nahmen Abschied, zeigten sich bestürzt, Kondolenztelegramme wurden verschickt, der belgische König Baudouin und der deutsche Bundespräsident Lübke versandten Beileidsschreiben und schließlich kamen zahlreiche Dankschreiben in Limburg und Brechen an.

Auftrag zu helfen

Brechens Bürgermeister Werner Schlenz verwies auf ein Bild des Künstlers Adam Ehrlich, das auf einer Staffelei stand. Das Bild zeigt die Unfallstelle und 33 kleine Wolken „für 33 Seelen, die nicht mehr auf der Welt sind“, erläuterte Schlenz. „Wir haben den Auftrag zu helfen und in guten nachbarschaftlichen Beziehungen zusammen zu stehen“, das ist für Schlenz der aus dem Unglück erwachsene langfristige Auftrag. Die geknüpften freundschaftlichen Bande zwischen den Feuerwehren aus Brechen und Enghien seien eine Art der Umsetzung.