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Natzweiler, Piaski, Chelmo, Lodz oder auch Hadamar. Es sind Orte, in denen das NS-Regime aus Limburg stammende Bürger ermordete. Die Liste der Opfer ist nach Recherchen des Limburger Stadtarchivars Dr. Christoph Waldecker auf 137 angewachsen.

Christa Pullmann, Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, mit der einzigen erhaltenen Innenaufnahme der ehemaligen Limburger Synagoge, die am 9. November 1938 zerstört wurde.

Zahlreiche Namen wurden am 9. November in der Leo-Sternberg-Schule verlesen. Zum ersten Mal hatten die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und die Stadt Limburg zu ihrer gemeinsamen Gedenkfeier in die Schule eingeladen, in den vergangenen Jahren war stets die Johanneskapelle in der Erbach der Ort gewesen, um der Opfer zu gedenken. In der Aula erwartete die Besucher zudem eine Ausstellung, die Schülerinnen und Schüler aus Anlass des 140. Geburtstags des Namensgebers Leo Sternberg erarbeitet und zusammengestellt hatten: „Was ist Heimat?“

Sternberg, Schriftsteller und Poet, stammt aus einer jüdischen Familie, konvertierte zum katholischen Glauben, wurde in der NS-Zeit dennoch von seinem Amt als Richter suspendiert und starb 1937 auf der Insel Hvar (Jugoslawien). Sein Bruder Max wurde 1943 in Auschwitz ermordet.

Dass die Geschichte fortlebt und weiterhin aktuell ist, daran ließ Bürgermeister Dr. Marius Hahn keinen Zweifel. Das werde auch an der Stolperstein-Aktion der Stadt deutlich. Zunächst waren 70 Opfer bekannt, inzwischen haben 137 einen Namen. Dabei handelt es sich nicht nur um Opfer mit jüdischer Herkunft, sondern auch um Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Geistliche und um Bürgerinnen und Bürger, die im Rahmen der sogenannten "Euthanasie-Aktion" ermordet wurden. 

Die Verfolgung und Ausgrenzung der Opfer habe nicht erst mit der Reichspogromnacht am 9. November 1938 begonnen, sondern oftmals schon 1933 nach der Machtergreifung. „Die Opfer nehmen uns jeden Tag aufs Neue in die Pflicht, die Menschenwürde zu verteidigen“, sagte Hahn vor Vertretern der jüdischen Gemeinde Limburg, der christlichen Kirchen, der Schule und der Stadt. Am kommenden Volkstrauertag werde bei der zentralen Veranstaltung auf dem Ehrenfriedhof vor allem der sieben jüdischen gefallen Soldaten des Ersten Weltkriegs gedacht, die von den Nationalsozialisten bewusst aus dem Gedenken gelöscht wurden.

Die Opfer vergeben

Attilio Forte, Rektor der Schule, wies auf die vielfältigen Aktivitäten der Leo-Sternberg-Schule im Rahmen der Stolperstein-Aktion hin. Der Unterricht an der Schule finde ohne kulturelle, religiöse und nationale Schranken statt und das Selbstverständnis der Schule wende sich entschieden gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und rechtsradikale Weltanschauung.

Christa Pullmann, Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und langjährige Lehrerin an der Sternberg-Schule, erinnerte an zahlreiche jüdische Bürger Limburgs, die durch Flucht zwar den Nazis entkommen sind, aber ihre Heimat verloren haben. Auf der Flucht nahmen sie oft nur das Allernötigste mit, das war zum Beispiel auch eine Thorarolle aus der Synagoge in Limburg, die so nach New Jersey kam. Verschiedene Bürger, die flüchteten, kamen wieder nach Limburg zurück. Lee Liebmann zum Beispiel. Auch Nachkommen von jüdischen Bürgern, die ihre Heimat verlassen mussten, kamen und kommen nach Limburg.

Christa Pullmann erinnerte dabei zum Beispiel an die Familie Behringer, die auch Mitglieder als Opfer des Holocaust zu beklagen hat. Doch die Opfer und deren Nachkommen seien bereit, den Tätern zu vergeben, machte Christa Pullmann in der Gedenkveranstaltung, die musikalisch durch die Schulband begleitet wurde, deutlich.

Die Opfer aus Limburg

Vertreterinnen und Vertreter der Stadt, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der christlichen Kirchen, der Schule sowie von Gedenkinitiativen lasen die Namen der 137 Opfer vor:

Berta Adler geb. Kallheim (1880-1941?), ermordet in Riga
Paula Back geb. Hecht (1893-1943), ermordet in Auschwitz
Auguste Beringer geb. Kahn (1862-1942), ermordet in Theresienstadt
Isidor Beringer (1857-1938), an den Folgen der „Kristallnacht“ gestorben
Oskar Billion (1913-1944), hingerichtet in Brandenburg
Moritz Blumenthal (1879-1942), ermordet in Auschwitz
Siegmund Blumenthal (1876-1942), ermordet in Auschwitz
Johannes Böhme (1882-1944), ermordet in Natzweiler
Irene Braun (1908-1942), ermordet in Piaski
Elfi Brieger (1892-1942), ermordet in Chelmo
Renate Brüggemann (1920-1942), ermordet in Hadamar
Olga Buxbaum geb. Oppenheim (1892-1941), ermordet in Lodz
Heinz Buxbaum (1920-1941), ermordet in Lodz
Johanna David geb. Sternberg (1873-1944), ermordet in Auschwitz
Maria Dernbach (1900-1941), ermordet in Pirna-Sonnenstein
Gerda Dua geb. Kaiser (1903-1944), ermordet in Auschwitz
Rolf Eschenheimer (1927-1941), ermordet in Minsk
Rosi Eschenheimer (1903-1941), ermordet in Minsk
Else Regina Fassbender geb. Feibelmann (1901-1942), ermordet in Trawniki
Dr. Adolf Friedländer (1869-1942), Flucht in den Tod
Ilse Friedländer (1906-1944), ermordet in Auschwitz
Fanny Goldberg geb. Leibowitz (1876-1942), ermordet in Treblinka
Hermann Goldschmidt (1872-1943), ermordet in Theresienstadt
Henriette Goldschmidt, geb. Königsberger (1862-1942), ermordet in Theresienstadt
Jacobine Goldschmidt geb. Simon (1873-1942), Flucht in den Tod
Jenny Goldschmidt geb. Hecht (1880-1943), ermordet in Auschwitz
Ernst Graumann (1873-1942), gestorben im Zuchthaus Kassel
Margarethe Hahn (1897-1944), ermordet in Hadamar
Nelly Hegar geb. Wolff (1899-1944), ermordet in Auschwitz
Lina Heldenmuth geb. Blumenthal (1875-1943), ermordet in Auschwitz
Franziska Hirsch geb. Blumenthal (1879-1944), ermordet in Theresienstadt
Irma Hirsch geb. Metzger (1906-1943), ermordet in Auschwitz
Johanna Hirsch (1893-1942?), ermordet in Izbica
Hans Höfel (1927-1942), ermordet in Raasiku bei Reval
Lina Höfel geb. Schmidt (1892-1942), ermordet in Raasiku bei Reval
Adolf Isselbächer (1878-1941?), ermordet in Minsk
Sara Isselbächer geb. Faber (1886-1942), ermordet in Treblinka
Albert David Kahn (1891-1940?), verschollen in Belgien
Jenny Kahn geb. Löwenstein (1891-1942), ermordet in Piaski
Elise Kaiser geb. Sternberg (1866-1943), ermordet in Auschwitz
Frieda Kaiser geb. Schönfrank (1901-1942), ermordet in Treblinka
Heinrich Kaiser (1876 -1941), ermordet in Lodz
Anton Kincl (1886-1940), ermordet in Buchenwald
Josef Hermann Klein (1902-1941), ermordet in Hadamar
Johanna Krämer geb. Blumenthal (1882-1942), ermordet in Auschwitz
Johannes Leodegar Kremer SAC (1893-1944), hingerichtet in Brandenburg
Jaroslav Kühnel (1911-1940), ermordet in Buchenwald
Gertrude Lehmann geb. Sternberg (1897-1945?), ermordet in Bergen-Belsen
Lina Lehmann geb. Meyer (1882-1941), ermordet in Minsk
Martha Lenz geb. Sternberg (1878-1942), Flucht in den Tod
Adolf Leopold (1871-1943), verhungert in Theresienstadt
Margot Leopold (1912-1942), ermordet in Lodz
Max Leopold (1873 -1941), ermordet in Lodz
Rosa Leopold geb. Hecht (1887-?), verschollen in Polen
Elise Levi geb. Marx (1872-1942), ermordet in Theresienstadt
Hewig Billa Levi (1885-1942), ermordet in Izbica
Hermann Liebmann (1884-1938), ermordet in Buchenwald
Josef Linz (1928-1943), ermordet in Hadamar
Irma Lion geb. Sternberg (1889-1941?), ermordet in Minks
Hedwig Löb (1903-1941), ermordet in Polen
Johanna Löb geb. Kron (1883-1941?), ermordet in Kowno
Raphael Felix Löb (1873-1941), ermordet in Kowno
Emmy Löwenberg geb. Hess (1875-1942), ermordet in Sobibor
Ilse Löwenberg (1902-1941), ermordet in Lodz
Moritz Löwenberg (1871-1941), ermordet in Lodz
Josef Ludwig (1889-1945), ermordet in Dachau
Franz Xaver Maier SAC (1910-1942), Tod in Gestapo-Haft
Marta Margo geb. Sternberg (1893-1942), ermordet in Theresienstadt
Augusta Margulies geb. Lomnitz (1898-1942?), ermordet in Auschwitz
Josef Masat (1893-1941), ermordet in Mauthausen
Elisabetha Merz (1902-1941), ermordet in Hadamar
Pauline Merz (1902-1941) ermordet in Hadamar
Abraham Albert Metzger (1876-1943), ermordet in Sobibor
Auguste Metzger geb. Sonnenberg (1874-1943), ermordet in Sobibor
Metha Meyerstein geb. Herz (1888-1941?), ermordet in Minsk
Hermann Minc (1926-194) ermordet in Auschwitz
Max Moch (1901-1945), umgekommen in Mittelbau-Dora
Liane Moses (1928-1943), ermordet in Sobibor
Margarete Moses, geb. Simon (1900-1943), ermordet in Sobibor
Werner Daniel Moses (1924-1942), ermordet in Auschwitz
Julie Nathan (1867-1942), ermordet in Theresienstadt
Johanna Neufeld geb. Sachs (1900-1941), ermordet in Minsk
Bella Neumann geb. Schaumburger (1889-1944), verschollen an unbekanntem Ort
Berta Ornstein geb. Strauss (1901-1942), ermordet in Auschwitz
Ludwig Ornstein (1891-1942), ermordet in Auschwitz
Eduard Ossowski SAC (1878-1944), ermordet in Frankfurt-Preungesheim
Zitoni Pintus geb. Oppenheimer (1896-1942), ermordet in Auschwitz
Dora Rieser geb. Löwenberg (1884-1941), ermordet in Minsk
Katharina Roll (1902-1941), ermordet in Hadamar
Ellen Esther Rosenthal (1930-1944), ermordet in Auschwitz
Felix Rosenthal (1898-1944), ermordet in Auschwitz
Ferdinand Rosenthal (1928-1944?), ermordet in Auschwitz
Ida Rosenthal geb. Aumann (1885-1943), ermordet in Auschwitz
Irma Rosenthal geb. Stern (1902-1944), ermordet in Stutthof
Max Rosenthal (1892-1942), ermordet in Auschwitz
Olga Rosenthal geb. Thalheimer (1860-1942), ermordet in Theresienstadt
Robert Rosenthal (1888-1942), ermordet in Piaski
Hermann Sachs (1866-1943), ermordet in Theresienstadt
Rosa Sachs geb. Flörsheim (1875-1942), ermordet in Theresienstadt
Jenny Salomon geb. Oppenheimer (1881-1942), ermordet in Polen
Berta Schaumburger geb. Rosenthal (1864-1942), ermordet in Theresienstadt
Hans Schaumburger (1930-1941?), ermordet in Riga
Rolf Simon Schaumburger (1936-1944), ermordet in Auschwitz
Georg Schmidt (1892-1941), ermordet in Hadamar
Melanie Sittenberg (1882-1944), ermordet in Auschwitz
Paul Souquiere (1923-1945), ermordet in Buchenwald
Berta Stern geb. Rosenthal (1901-1941), ermordet in Minsk
Elisabeth Stern geb. Mayer (1881-1942), ermordet in Piaski
Ferdinand Stern (1926-1941), ermordet in Minsk
Friedrich Stern (1891-1941), ermordet in Minsk
Babette Sternberg geb. Mayer (1870-1943), ermordet in Auschwitz
Erich Sternberg (1922-1941), ermordet in Hadamar
Moritz Sternberg (1879-1941?), ermordet in Minsk
Hugo Max Sternberg (1884-1943), ermordet in Auschwitz
Rosa Stiefel geb. Mühlfelder (1884-1941), ermordet in Kowno
Heinz Strauss (1918-1942), ermordet in Majdanek
Hermann Strauss (1891-1942), ermordet in Auschwitz
Irma Strauss geb. Isselbächer (1908-1941), ermordet in Lodz
Johanna Süssmann geb. Levi (1875-1942?), ermordet in Sobibor
Selma Sussman geb. Gerolstein (1889-1941), ermordet in Riga
Alois Timmesfeld (1920-1945), hingerichtet in Hundhübel
Erna Treidel geb. Hecht (1892-1944), ermordet in Auschwitz
Unbekannter Mann, 1941 ermordet in Pirna-Sonnenstein
Unbekannter Pole, 1945 ermordet in Staffel
Unbekannter Russe, 1945 ermordet in Staffel
Unbekannter Russe, 1945 ermordet in Staffel
Ingrid Irmgard Wagner (1941-1942), ermordet in Eichberg
Adolf Wallenstein (1890-?), verschollen in Polen
Frieda Wallenstein (1892-?), verschollen in Polen
Rosa Weinberger (1886-1941?), ermordet in Minsk?
Albert Wolf (1895-1944), ermordet in Auschwitz
Grete Wolf geb. Nathan (1903-1944), ermordet in Auschwitz
Hans Wolf (1901-1943), gefallen in der Ägäis (Strafbataillon 999)
Ilse Käthe Wolf geb. Stiefel (1909-1942), ermordet in Treblinka

Julius Franz Wolf (1926-?), verschollen an unbekanntem Ort

Simon Wolf (1929-1944), ermordet in Auschwitz

Peter Zirfas (1887-1941), ermordet in Hadamar