Hilfsnavigation

Sprache
Logo Stadt Limburg an der Lahn
  • Headerfoto Startseite 2
  • Headerfoto Startseite 3

Die Kunstsammlungen der Stadt Limburg sind anders als sonst. Ein roter Teppich über dem Steinfußboden. Ungewohnte Bilder an den Wänden, vergoldete Cola-Flaschen mit Rosen, alte Munitionskisten mit Kartenmotiven. Die Räume als Installation.

Verleihung des Kunstpreises der Stadt Limburg mit (von links) Patrick Ehlen (Kreissparkasse), André Kramm (Förderkreis Bildende Kunst), Preisträger Saeed Foroghi und Bürgermeister Dr. Marius Hahn.

Dass sich die Kunstsammlungen so ganz anders präsentieren, das ist Saeed Foroghis Werk. Der im Iran geborene und in Berlin lebende Künstler präsentiert dort seine Ausstellung „VOR-FLUCHT, VERFLUCHT“. Was sich in den Räumen des Historischen Rathauses versammelt, an- und zugeordnet ist, verrückt wird, das ist mit dem Kunstpreis der Stadt Limburg ausgezeichnet worden. Am Freitagabend überreichte Bürgermeister Dr. Marius Hahn Saeed Foroghi den Preis, der mit 5000 Euro dotiert ist. Über 100 Bewerbungen waren auf die Ausschreibung des Preises unter dem Motto „flüchtig“ eingegangen.

Bürgermeister Hahn forderte die Besucher der Preisverleihung dazu auf, der Kunst mit Aufmerksamkeit zu begegnen. Persönlich zeigte er sich sehr beeindruckt von den Rauminstallationen. Vater-Land ist deren Titel in der Eingangshalle, das Wortspiel Arier – Paria ist der Titel für die Station in der Nachbarhalle und im Treppenhaus, erstem Obergeschoss und der Empore versammeln sich Trommeln, Cola-Flaschen und Rosen unter der Bezeichnung „Von der Steinzeit zum goldenen Zeitalter“.

„Ich bin froh und stolz, dass die Stadt seit 1996 den Preis vergibt und damit zeitgenössische Kunst fördert“, machte Hahn deutlich. Der Kunstpreis der Stadt ist zum 17. Mal vergeben worden. Dabei kann sich die Stadt auch auf Partner verlassen, den Förderkreis für Bildende Kunst und die Kreissparkasse Limburg, die durch ihren Vorstandssprecher Patrick Ehlen vertreten wurde. Einen besonderen Dank sagte Hahn auch der Jury, die keine leichte Aufgabe hatte.

André Kramm, der als Vorsitzender des Förderkreises auch der Jury angehört, blieb es vorbehalten, die Entscheidung zugunsten Foroghis zu begründen. „Es sind Arbeiten gegen das Denken in Nationalitäten“, machte Kramm deutlich. Dabei regten die einzelnen Objekte, die sich in den Räumen zu Installationen vereinigten, immer wieder zum Nachdenken an. Ihre Aussagen sind mehrdeutig.

Die Ausschreibung unter dem Aspekt „flüchtig“ war schon vor über zwei Jahren erfolgt. Da gab es in Deutschland noch keine „Flüchtlingskrise“. „Wir haben flüchtig auch ganz anders verstanden, als flüchtige Gedanken, flüchtige Idee“, machte Kramm deutlich. Eingeholt wurde das vorgegebene Motto dann von der Wirklichkeit.

Die Migrationsforscherin und Kunsthistorikerin Ljudmila Belkin stellte die Arbeiten von Saeed Foroghi mit kurzen Worten vor. Der rote Teppich in der Installation „Vater-Land“ könne als Hochachtung für die Geschichte des Landes oder der Länder gesehen werden, deren 196 Wappen sich zu einer Fläche aus Zinkplatten vereinigen. An der Wand eine Art Triptychon. Dreifarbig mit schemenhaften Gesichtern. Doch der genaue Blick offenbart viel mehr Farben in dem Werk mit der Bezeichnung „A.F.D.“.

Eine absurde Verbindung sagt Ljudmila Belkin über die zweite Installation mit der Bezeichnung „Arier – Paria“. Die Worte sind mit Inhalten besetzt. Im Laufe des Abends baute Foroghi eine Grenze durch den Raum auf, die zu einer Abschottung des Teils führte, der die Bezeichnung Arier führt.

Von der kleinen Halle geht es über das Treppenhaus ins Obergeschoss und auf die Empore. Blechtrommeln stehen im Fenster, Oskar Matzerath und die „Blechtrommel“ sind ein Teil der Geschichte, die dort erzählt wird. Eine Geschichte mit Verlierern und Gewinnern mit vergoldeten Cola-Flaschen, in denen Rosen stecken.

Die Kunstsammlungen der Stadt Limburg sind geöffnet montags und dienstags in der Zeit von 8.30 bis 12 Uhr, mittwochs von 8.30 bis 14 Uhr, donnerstags von 8.30 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr, freitags, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr.